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Park Chan-wooks "Durst" gewann den Jury-Preis in Cannes

Durst

(cg/tsch) Nach einem missglückten Experiment, das der Rettung von Menschenleben dienen sollte, stirbt ein koreanischer Priester (Song Kang-ho). Doch wer sollte ewiges Leben erlangen, wenn nicht die Gottesfürchtigsten? Das Versprechen auf ein Leben nach dem Tod, woran der fromme Mann so sehr glaubte, erfüllt sich für ihn auf eine sehr seltsame Art: Nachdem er auferstanden ist, verwandelt er sich in einen Vampir. Er verspürt einen unglaublichen „Durst“ nach Sex und Blut und kann sich trotz heftiger Gewissensbisse nicht gegen dieses Verlangen wehren. Mit der hübschen Tae-ju an seiner Seite, einer lebensmüden Außenseiterin, wird der Vampir-Priester in die Hölle fahren. Und diese Fahrt verkleidete der prominente koreanische Regisseur Park Chan-wook („Old Boy“) in herausragende Bilder, die einem, ob aus Angst oder Bewunderung, stets Gänsehaut über den Körper zu jagen wissen. Sein düsteres Vampirmärchen „Durst“ gewann zu Recht den Jury-Preis in Cannes.

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Sang-hyun ist ein guter Mensch und engagierter Priester, diesen Mann muss man sympathisch finden. Er ist ein echter Sympathieträger der katholischen Kirche, die trotz aggressiver Missionierungen in Südkorea eher eine gesellschaftliche Randnotiz ist. Dieser gute Mensch wird von Park Chan-wook zum Märtyrer gemacht. Sang-hyun opfert seinen Körper der Wissenschaft, um eine Kur für eine geheimnisvolle Krankheit zu finden. Ganz im Dienste der Sache, an die er glaubt: Bevorzugtes Opfer der Virus-Attacken sind Missionare.

Das Experiment misslingt, Sang-hyun stirbt, ersteht wieder auf, verliebt sich und kann sich nicht gegen des Fleisches Gelüste wehren. Ein Dilemma, das von der hübschen Tae-ju noch verstärkt wird, die der Vampirpriester in einem schwachen Moment in seine Existenzebene beißt. Normalerweise holt er sich sein Blut aus dem Krankenhaus, zapft dort vorsichtig und steril die Patienten an. Er will ja nicht, dass die Menschen ihre Menschlichkeit verlieren.

Doch mit Tae-ju hat er einen Geist gerufen, dem er sich mit expliziter Erotik, die in Korea für großes Aufsehen sorgte, hingibt und nicht mehr los wird. Vom beengenden Leben, das sie verachtete, losgelöst, entdeckt sie ganz neue Lust - am Leben. Was ihre Mitmenschen zu Leichen in der Abstellkammer macht und die liebenden Untoten in einen fatalen Strudel aus Abhängigkeiten und Gelüsten stürzt.

Es ist eine bitter-ironische Konstellation, die Park Chan-wook mit seiner anfänglich harmlos scheinenden Untoten-Romanze entwirft. Ein Priester, wiedergeboren als Vampir, als katholischer Blutsauger - hilflos angesichts der Sinnlichkeit seiner neuen Existenz und des damit einhergehenden Glaubensverlustes. Ein Schelm, wer Park Chan-wook Böses unterstellen will, der sich natürlich mit katholischem Selbstverständnis beschäftigt, mit Rachsucht und auch den Fesseln der koreanischen Gesellschaft.

Lustvoll inszeniert der Regisseur seinen hypnotischen Film, negiert fantasievoll Genreklischees, lässt den Horror in überbelichteten Bildern um sich greifen, holt die Düsternis ans Licht und färbt die Leinwand blutrot ein. Das ist trotz optischem Overkill sensibel erzählt, psychologisch ausgefeilt und macht "Durst" zu einem Vampir- und Liebesfilm, der absolut sehenswert ist, und auf brutale Art poetisch. Mord und Totschlag gehören ganz selbstverständlich dazu, wenn sich das Versprechen auf ewiges Leben auf eine derart skurrile Art und Weise erfüllt.

Andreas Fischer

Credits:
V:MFA, Südkorea 2009, R: Park Chan-wook, D: Song Kang-ho, Kim Ok-bin, Kim Hae-Sook u.a.

Laufzeit: 133 Min.

Kinostart:
15. Oktober 2009


Düster und kompromisslos: Park Chan-wook feiert in seinem Cannes-Beitrag "Durst" die Extreme.
Düster und kompromisslos: Park Chan-wook feiert in seinem Cannes-Beitrag "Durst" die Extreme. (MFA (24 Bilder))

Sang-hyun (Song Kang-ho) will doch nur helfen: Doch der Priester wird nach einem missglückten Experiment zum Vampir.
Sang-hyun (Song Kang-ho) will doch nur helfen: Doch der Priester wird nach einem missglückten Experiment zum Vampir. (MFA (24 Bilder))

Gar nicht niedlich: Tae-ju (Kim Ok-bin) hat vom Leben genug, das sie nach dem Kuss des Vampirs aber richtig auskostet.
Gar nicht niedlich: Tae-ju (Kim Ok-bin) hat vom Leben genug, das sie nach dem Kuss des Vampirs aber richtig auskostet. (MFA (24 Bilder))

Datum: 15.10.2009

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