|
| |||||||
| ||||||||
Get Rich Or Die Tryin'(tsch) Jim Sheridan erkannte offenbar, woran der Eminem-Film "8 Mile" krankte: daran, dass nie klar war, ob das nun Biopic oder Spielfilm oder Musikfilm sein sollte. Der US-Regisseur positioniert "Get Rich or Die Tryin'" deshalb klarer. Musik ist hier nie der Inhalt, und was nun der Realität des Lebens von 50 Cent enommen ist, bleibt ebenfalls offen. Es geht um ein Leben, das eben nicht so linear verlief, wie es ein flüchtiger Griff auf die Biografie impliziert und das viel mit HipHop, aber auch viel mit Kriminalität zu tun hatte. Was verblüfft: 50 Cent spielt die Rolle des Marcus mit Demut und taugt so durchaus als Beispiel für den American Dream, für den Gangsta Rap im Allgemeinen nach Sicht amerikanischer Konservativer wohl eher eine Gefahr darstellt. Anzeige So gab es auch im Vorfeld von "Get Rich Or Die Tryin'" wütende Proteste gegen den Film und das zugehörige Poster, das den HipHop-Superstar mit Waffe im Hosenbund zeigt. Dabei ist die Art und Weise, mit der hier Gewalt rezipiert wird, an sich vorbildlich: Es wird ganz genau geschildert, dass der Beruf des Gangsters zwar einen gewissen materiellen und gesellschaftlichen Status garantiert, aber eben von geringer Halbwertszeit ist und die wahren Werte woanders liegen. So spielen die berührendsten Szenen in einer Umgebung, die nach dem Big-City-Gepose der ersten Filmhälfte fast wie eine Parallellwelt wirkt: ein kleines Häuschen, irgendwo am Strand von Long Island. Protagonist Marcus schwer verletzt, seine Freundin Charlene (Joy Bryant) an seiner Seite, dazu das gemeinsame Kind. Eine Idylle, die mit einer schweren Hypothek belegt ist, aber dank Willenskraft und Rapmusik gefestigt werden kann. Vorher ist "Get Rich Or Die Tryin'" vor allem eines: verblüffend ernsthaft. Sheridan erzählt eine Karriere im kriminellen Milieu, deren zentrale Botschaft wohl "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" lautet: Marcus' Mutter ist Drogendealerin und stirbt früh, er wächst bei seinen Großeltern auf, wo er nur mäßig akzeptiert wird. Als Teenager beginnt er zu dealen. Was folgt, ist ein solider Aufstieg in mafiösen Strukturen, der diverse Negativ-Höhepunkte findet: Raubüberfall, Gefängnisaufenthalt, am Ende eine Hand voll Kugeln im Körper. Bemerkenswert ist, dass all das sehr nüchtern und lakonisch erzählt wird und die Moral erst am dicken Ende kommt - fast hat man den Eindruck, Marcus und seine Jungs seien so eine Art neue Generation der Working Class, die eben etwas anders funktioniert als die alte. Die Wertung überlässt Sheridan dabei zwar dem Zuschauer, wohl stößt er ihn aber sanft in die richtige Richtung. Sanft deshalb, weil auf Klischees verzichtet wird. Er lässt Marcus vielleicht nicht nach Super-Nanny-Maßstäben, aber doch glücklich heranwachsen, zeigt ihn als lachendes, als liebendes und freches Kind, das erst nach dem Tod seiner Mutter auf die schiefe Bahn gerät und den letztendlich HipHop, dieses zumindest die weiße amerikanische Oberschicht eher befremdende Gesellschaftsphänomen, das Leben rettet. Was schade ist: Manchmal wirkt "Get Rich Or Die Tryin'" etwas hingehuscht und inkonsequent - etwa wenn Sheridan und seine Kameramänner Declan Qinn und David Perault sich nicht entscheiden können, ob sie jetzt mit authentisch agierender Steadycam die Wurzeln des Films in der HipHop-Kultur unterstreichen oder doch im klassischen Hollywood-Breitbild agieren wollen. Auch verzettelt sich die Story bisweilen in ihren Nebenschauplätzen - was denn nicht unbedingt stark agierenden 50 Cent etwas in den Hintergrund rückt. Alles in allem bietet der Film aber solides Kino - nicht mal so sehr für HipHop-Fans, eher für diejenigen, die einmal eine etwas deftigere Variation der altbekannten "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte sehen wollen. Jochen Overbeck |
Credits: |
![]() Konzert-DVD im Stream ![]() Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream |