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"Stromberg" deckt wieder das Elend deutscher Bürokultur auf

Stromberg

Der Nichtraucherschutz macht auch vor der Belegschaft der Capitol-Versicherung nicht Halt. "Ich dachte, wir dürften nicht mehr im Gebäude rauchen", raunt die Angestellte dem sorglos qualmenden Chef mit dem berühmtesten Kloschüsselbart der deutschen Fernsehlandschaft zu. Der erwidert: "Och Gottogott, die Frau Seifert! Sie hätten damals aber auch keine Juden versteckt!" Nein. Zum Lachen ist das wirklich nicht mehr. Der "Stromberg"-Humor, der dem brillanten Christoph Maria Herbst drei Staffeln lang über die unverschämten Lippen kam, war immer schon böse. Doch so tiefschwarz, so abgrundtief wie zum Beginn der vierten Auflage (Start mit einer Doppelfolge, danach immer dienstags, 22.15 Uhr) war die Lage bei der ambitioniertesten und klügsten aller ProSieben-Serien noch nie.

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Dass "Stromberg", inspiriert vom BBC-Format "The Office", überhaupt wie auf Schienen von Staffel zu Staffel rollt, ist an sich schon bemerkenswert. Ein bisschen, so scheint's, geht es der von Ralf Husmann konzipierten Mockumentary-Reihe wie früher der "Harald Schmidt Show" bei Sat.1: Die Quoten sind mau, aber der Imagegewinn für den Sender ist kaum aufzuwiegen. Mit Fernsehpreisen und Feuilleton-Artikeln wird ProSieben anderweitig ja nicht gerade verwöhnt.

Gut, dass Husmann und Team die Ideen nicht ausgehen. Und der Mut, immer tiefer ins Elend deutscher Bürokultur vorzudringen. Dabei sieht es für Stromberg, der eingangs seine neue "Erdmännchen-Taktik" erläutert, nicht schlecht aus. Dank der lange gepflegten Seilschaft mit dem Vorgesetzten Wehmeyer (Simon Licht) winkt die Beförderung des umstrittenen Abteilungschefs zur Gesamtleitung.

Doch Stromberg wäre nicht der, der er ist, wenn ihm der nahende Triumph nicht zu Kopf steigen würde. Leider lässt er sein aufgeplustertes Ego am Falschen aus. Der Kantinenchef (Prodomos Antoniadis) ist über die ständigen Anfeindungen ("Kantinen-Nazi", "Mikrowellen-Mongo") so erbost, dass er seine Kontakte zum Vorstand spielen lässt. Stromberg wird in eine kafkaeske Außenstelle im trüben Finsdorf ("ein bisschen außerhalb") strafversetzt - mit zwei freundlichen Dorfdeppen als Mitarbeitern.

Die Strafversetzung des Ekelchefs ist so überfällig wie gerecht. Doch während das Stehaufmännchen in der Provinz am Comeback feilt, sabotieren die Drehbuchautoren gnadenlos den Aufstieg der Sympathieträgerin Tanja Seifert (Diana Staehly) zur Abteilungsleiterin, bis sie unter Kollegenmobbing am Kantinentisch in Tränen ausbricht. Und Ernie (Bjarne Mädel), diese niederschmetternde Figur, feilt lebensmüde an einem skurrilen Suizid. Ist es eine Komödie, ist es eine Tragödie? Diese Frage lässt sich im vierten Aufguss der "Stromberg"-Tortur weniger denn je beantworten. Bitter schmeckt er, doch die Rezeptur stimmt noch immer.

Jens Szameit


"Karriere ist wie Tour de France: Du fährst immer so knapp hinterm Arsch vorm Vordermann": Stromberg (Christoph Maria Herbst) glaubt zu wissen, wie er die Karriereleiter hochkommt.
"Karriere ist wie Tour de France: Du fährst immer so knapp hinterm Arsch vorm Vordermann": Stromberg (Christoph Maria Herbst) glaubt zu wissen, wie er die Karriereleiter hochkommt. (ProSieben / Willi Weber)

Dumm gelaufen: Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) wurde ins ländliche Finsdorf strafversetzt.
Dumm gelaufen: Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) wurde ins ländliche Finsdorf strafversetzt. (ProSieben / Willi Weber)

Kuckuck! Christoph Maria Herbst ist zurück als die Summe aller Arschloch-Chefs: Bernd Stromberg.
Kuckuck! Christoph Maria Herbst ist zurück als die Summe aller Arschloch-Chefs: Bernd Stromberg. (ProSieben / Willi Weber)

Datum: 03.11.2009

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