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Gabrielle - Liebe meines Lebens(tsch) Das Leben pulsiert im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts. Menschen eilen geschäftig die Straßen entlang, die Luft ist erfüllt von Stimmengewirr. Mittendrin ein Mann, er ist gerade aus dem Zug gestiegen, kommt von der Arbeit - früher als gewöhnlich. Es ist eine dieser Unvorhersehbarkeiten, die das Leben bereithält. Jean (Pascal Greggory) weiß noch nicht, dass die nächsten Stunden seine persönliche Hölle sein werden. Aber er ahnt es, wirkt wie erstarrter Fremdkörper in der lebhaften Menschenmasse. Anzeige Es ist die Zeit der Belle Epoque, Europa kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die bessere Gesellschaft ist auf einem Zenit ihres Reichtums, ihrer Macht, ihrer eigenen Lustbarkeit angelangt. Erstarrt in Konventionen, gefangen in einem Käfig aus Geld und Erwartungen. Eine morbide Zeit, eine erschlagende Zeit, die kaum Luft zum Atmen lässt. Deswegen hat Gabrielle (Isabelle Huppert) ihren Mann Jean auch verlassen. Sie wollte ausbrechen aus der Enge, wollte den Luxus genießen, etwas fühlen zu dürfen. Sie ging am Nachmittag und hinterließ Jean einen Brief. Aber sie kehrt zurück, noch vor der Zeit, zu der ihr Ehemann gewöhnlich nach Hause kommt. Doch der war früher da und findet den Brief. Als Gabrielle zurückkommt - kühl und distanziert, sich scheinbar in ihre Rolle als Ehefrau fügend - ist nichts mehr, wie es war. Die Eheleute beginnen ein Duell, sie ziehen blank - entblößen ihre Seelen, ihre Gefühle und ihre Körper. Es ist ein Krieg von zwei Gefangenen in einer Beziehung ohne Leben, dessen zerstörerische Kraft sich zunächst nur langsam andeutet, dann aber mit einer stillen Wucht explodiert Gabrielles Brief hat diesen Ausbruch beschleunigt, eigentlich erst ermöglicht. Die Schlacht beginnt, es gibt kein Zurück. Eine Beziehung ohne Liebe - die Träume sind zerstört, die Seele ist vernarbt. Aber tief darunter steckt die Sehnsucht, unerfüllt, lange Zeit ignoriert. Gabrielle offenbart sich in einer beeindruckende Szene im Bad ihrer Zofe. Die Ehrlichkeit des Dienstmädchens, ihre Natürlichkeit ist ein Katalysator. Zuerst für Gabrielle, dann für Jean. Beide erkennen, dass sie nicht leben, so wie sie gerade leben. Sie werden ehrlicher miteinander, auch wenn das verletzend ist, und sie erkennen ihre Körperlichkeit wieder, was zu einem schmerzhaften finalen Geschlechtsakt führt und zur einzig möglichen Konsequenz. Ein Leben ohne Liebe ist nicht möglich. Zwei Menschen, eine grundsätzliche Frage und eine theatreske Inszenierung, die sich um die Protagonisten aufbaut - Patrice Chéreau findet für "Gabrielle" die Essenz des Kinos. Der Regisseur ("Intimacy", "Sein Bruder", "Der Jahrhundertring" bei den Bayreuther Wagner-Festspielen 1976) erklärte nach dem Dreh, dass er sich mit "Gabrielle" vom oktroyierten Grundsatz befreit habe, dass Filmemachen nichts mit dem Theater zu tun habe. Er genießt es, dem Film eine rigoros formale Struktur geben zu können, konzentriert sich auf das Wesentliche, baut die wenigen Sets wie klassische Bühnenbilder auf. Kein Wort ist überflüssig, die Unmittelbarkeit der Bilder ist erschlagend. Gesten, Blicke, das Zittern des Mundwinkels, die verhuschte Hatz in den Augen. Der Kamera entgeht nichts. Sie ist, was sie sein muss: das Auge des Zuschauers. Ein unsichtbarer Voyeur, der durch ein Haus streift. Diese "Szenen einer Ehe" sind universell gültig. Chéreau scheut sich auch nicht, altmodische Stilmittel zu nutzen. Die erzählende Off-Stimme Jeans führt durch den mit Zwischentiteln strukturierten Film, beobachtet, kommentiert, rückt den Mann in den Mittelpunkt. Der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß-Bildern und Farbe unterstreicht die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Eiseskälte und dem glänzenden Blendwerk einer scheinbaren Normalität, in der sich Freunde des Hauses zu ausgelassenen Festen treffen, bei denen sie gewissenhaft ihre Fassaden putzen. Diese Wahrnehmungen bleiben lange im Gedächtnis und sind aktueller, als man es sich wünscht. Andreas Fischer |
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![]() Konzert-DVD im Stream ![]() Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream |