John Wayne

Der Mann, mit dem der Western starb

Schauspieler John Wayne

"Wir werden Western haben, so lange Filme gedreht werden. Die Faszination des Alten Westens wird niemals sterben. Und so lange Leute Geld dafür zahlen, um mich spielen zu sehen, werde ich Western machen bis zu dem Tag, an dem ich sterbe." Worte aus dem Munde eines großen Westernhelden, die sich nur zum Teil bewahrheiten sollten: Noch drei Jahre vor seinem Tod (am 11. Juni 1979) stand der vom Krebs gezeichnete John Wayne als Revolverheld für "Der Scharfschütze" vor der Kamera. Doch den Western nahm der "Duke" mit ins Grab. 30 Jahre sind vergangen seit John Wayne starb, und die Fernsehsender holen aus diesem Anlass einige seiner größten Filme aus den Archiven.

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Mit 142 Hauptrollen ist John Wayne bis heute einer der fleißigsten Schauspieler aller Zeiten. Als der Apothekersohn aus Winterset, Iowa, 1930 in "Der große Treck" erstmals als Hauptdarsteller agierte, änderte er seinen Namen von Marion Michael Morrison in John Wayne. Doch der Durchbruch ließ auf sich warten: Erst neun Jahre später gelang es ihm, mit "Ringo - Höllenfahrt nach Santa Fé" seine Karriere ins Rollen zu bringen. Starstatus erlangte er 1948 mit "Red River", in dem er den Rancher Thomas Dunson verkörpert. "Ich wusste nie, dass der Hurensohn schauspielern kann", scherzte sein langjähriger Förderer Regisseur John Ford anerkennend.

Das Repertoire von John Wayne umfasste nicht viele Facetten. Selten streifte er die Cowboystiefel ab, nur einige Kriegsfilme verbucht er in seinem Portfolio. Sein weitester Blick über den Tellerrand war seine Rolle als Dschingis Khan in "Der Eroberer" (1956). "So wie sich das Drehbuch liest, ist das ein Cowboyfilm, und so werde ich Dschingis Khan spielen. Ich sehe ihn als Pistolenkämpfer", erläuterte Wayne sein Bild des mongolischen Feldherren. Harry und Michael Medved quittierten Jahrzehnte später seine Darstellung mit dem fiktiven "Golden Turkey Award" für die größte Fehlbesetzung aller Zeiten. Anscheinend war es ihm eine Lehre: Er perfektionierte seine Darstellung des rauen, autoritären Revolverhelden, der gelegentlich etwas Selbstironie an den Tag legte, zu einem Bild, das bis heute in den Köpfen der Zuschauer eingebrannt ist.

Doch auch eine andere Seite von John Wayne bleibt in Erinnerung: die des erzkonservativen Sturkopfes, der den Vietnamkrieg lautstark befürwortete, einer Gleichstellung von Frauen, Indianern und Afroamerikanern äußerst skeptisch gegenüberstand und mit weiteren Ansichten, die gut und gerne aus der geschichtlichen Epoche stammen könnten, in der seine Filme spielten, nicht hinter dem Berg hielt. Hollywoods jüngster erfolgreicher Cowboyepos "Brokeback Mountain" hätte ihn wahrscheinlich erzürnt: Ein Film über schwule Cowboys, noch dazu von einem asiatischen Regisseur. Wetterte John Wayne doch schon gegen den Westernklassiker "12 Uhr Mittags", der Film sei der unamerikanischste, den er je gesehen habe. Dennoch nahm er stellvertretend den Oscar an, den Gary Cooper für die beste Hauptrolle 1952 erhielt.

Auf seinen eigenen Oscar musste John Wayne noch eine ganze Weile warten. Zuvor versuchte er sich 1960 selbst einmal als Regisseur und Produzent. Doch "Alamo" (am Samstag, 13.06., 03.05 Uhr, im Ersten), in dem er auch die Hauptrolle übernahm, fand vor den Augen der Kritiker und Zuschauer keine Gnade. Die verherrlichende Inszenierung der Verteidigung von Fort Alamo im mexikanisch-amerikanischen Krieg um Texas blieb sein einziger Ausflug hinter die Kamera.

Obwohl John Wayne Anfang der 60er-Jahre so schwer an Lungenkrebs erkrankte, dass ihm ein Lungenflügel entfernt werden musste, lieferte er weiterhin jedes Jahr mindestens einen Film ab. Er spielte den Helden in Klassikern wie "Der Mann, der Liberty Valance erschoss", "Die vier Söhne der Katie Elder" und "Die Unbesiegten". Die Rolle, die ihm 1969, 30 Jahre nach seinem Durchbruch endlich den Oscar einbrachte, war mehr oder weniger eine Parodie auf seine bisherigen Darstellungen: In "Der Marshal" gibt John Wayne einen einäugigen Trunkenbold, dessen Dienste doch noch einmal gebraucht werden. "Hätte ich gewusst, dass das alles ist, was nötig ist, dann hätte ich die Augenklappe schon vor 40 Jahren rangemacht", meinte er lakonisch, als er die Trophäe entgegennahm, ausgerechnet aus den Händen von Barbra Streisand, auf die er wegen ihrer kriegskritischen Einstellung schlecht zu sprechen war.

In den folgenden Jahren erkrankte John Wayne erneut an Krebs. Der krebskranke Revolverheld J.B. Books in "Der letzte Scharfschütze" (Freitag, 12.06., 01.20 Uhr, im Ersten) sollte 1976 seine letzte Rolle sein. Als er im April 1979 bei den 51. Acadamy Awards den Oscar für den besten Film überreichte, applaudierte ihm das Publikum minutenlang. Einige Monate zuvor hatte man erneut Tumore in seinem Magen entdeckt. In einem Krankenhaus in Los Angeles erlag der Mann, den seine Fans den "Duke" nannten, am 11. Juni 1979 im Alter von 72 Jahren seinem Krebsleiden.

Mit John Wayne starb nicht nur der größte Westerndarsteller, sondern im Prinzip auch das ganze Genre. Zwar wagt sich von Zeit zu Zeit ein Regisseur zurück in die Prärie, doch weder Filmemacher noch Darsteller wollen sich wieder dort ansiedeln. Wohl auch, weil es keinen Ersatz für die Rolle des echten Westernhelden gab. Denn John Wayne prägte das Bild des Cowboys und schuf in seiner Person einen Mythos, eine Legende, die sich keiner anzutasten wagt.

Wayne schlug Frank Sinatras Bodyguard zu Boden, als der sich weigerte, seinem Brötchengeber zu sagen, er solle die Party-Musik leiser stellen. Während eines Drehs jagte er Dennis Hopper angeblich mit geladener Waffe über das Studiogelände. Und nach eigener Aussage traute er keinem, der Alkohol mied. Keine Frage: John Wayne war ein ganzer Kerl - doch ob es der Apothekersohn unter seinem bürgerlichen Namen Marion Michael Morrison auch an die Spitze der Hollywood-Stars geschafft hätte?

Das Fernsehen ehrt den Duke mit einer Reihe von Klassikern. Die außergewöhnlichsten Filme: Während das Vierte John Wayne in "Hatari" (Samstag, 13. Juni, 17.00 Uhr) an der Seite von Hardy Krüger in ungewohnter Großwildjäger-Pose zeigt, ist er bei Tele 5 in "Land der 1.000 Abenteuer" (orig.: "North to Alaska", Samstag, 20. Juni, 20.15 Uhr) zwar in der Rolle des klassischen Revolverhelden zu sehen, allerdings handelt es sich um eine urkomische Prügel-Komödie.

Jasmin Herzog

John Wayne gilt noch heute als der Inbegriff von Männlichkeit.
John Wayne gilt noch heute als der Inbegriff von Männlichkeit. (ZDF / BBC)
John Wayne und Lauren Bacall spielten die Hauptrollen in dem 1976 entstandenen Western "The Shootist", der inzwischen unter dem Titel "Der letzte Scharfschütze" am Freitag, 12.06., 01.20 Uhr, im Ersten gezeigt wird.
John Wayne und Lauren Bacall spielten die Hauptrollen in dem 1976 entstandenen Western "The Shootist", der inzwischen unter dem Titel "Der letzte Scharfschütze" am Freitag, 12.06., 01.20 Uhr, im Ersten gezeigt wird. (teleschau / Archiv)
Die letzte Rolle: In "Der letzte Scharfschütze" (Freitag, 12. Juni, 01.20 Uhr, ARD) gibt John Wayne den todkranken Revolverhelden J.B. Brooks.
Die letzte Rolle: In "Der letzte Scharfschütze" (Freitag, 12. Juni, 01.20 Uhr, ARD) gibt John Wayne den todkranken Revolverhelden J.B. Brooks. (ZDF / Centerpoint)

Datum: 12.06.2009

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