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Kapitalismus - Eine LiebesgeschichteEr steht auf der Wall Street mit seiner berühmten Baseball-Kappe, hält einen weißen Sack mit einem gemalten Dollar-Zeichen drauf und schreit gegen die Fassade des stattlichen Gebäudes, jemand möge bitte das gestohlene Geld des amerikanischen Volkes einfach aus dem Fenster in den Sack schmeißen: Michael Moore. Der Entertainer unter den Dokumentarfilmern ist wieder da. Und diesmal geht er aufs Ganze: Nicht nur um das Waffengesetz oder das Gesundheitswesen Amerikas geht es ihm nun, sondern um das ganze System, nach dem der Westen funktioniert: den Kapitalismus. Er erklärt ihm ganz offensichtlich den Krieg. Dass das Ganze aber wie immer auch Spaß machen wird, verrät schon der ironische Titel von Moores neuer Satire: „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“. Ab dem 12. November 2009 kann man über die kleinen Siege von David gegen Goliath in den deutschen Kinos jubeln. Anzeige Regie: Michael Moore Kinostart: 11. November 2009 Verleih: Concorde "Es wird der perfekte Date Film sein. Er hat alles - Lust, Leidenschaft, Romantik und 14.000 Jobs, die jeden Tag gestrichen werden", so stufte Moore sein neues Werk ein. Und allem voran sei es eine Komödie, so der Filmemacher in „Good Morning America“. Vielleicht ist es gerade das, was Kritiker des Doku-Machers oft vergessen: Eine Botschaft erreicht mehr Leute, wenn sie sich an die Propaganda-Regeln hält und vor allem Spaß macht. Und „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ verspricht, sehr lustig zu werden. Denn alles bewegt sich nach dem altbewährten Moore-Muster: Er stellt sich dumm und kommt mit seinen äußerst naiven Fragen so weit, wie man es nicht erwartet hätte. Er fragt das, was sich jeder schon mal gefragt hat: Wo ist das Geld abgeblieben? Was ist vor einem Jahr auf der Wall Street schief gelaufen? Und vor allem: Wer profitiert davon? Das Ganze ist abstrakt, seine Fragen aber konkret. Seine Methoden auch: Er geht zu Menschen, die ihre Häuser nach mehreren Jahrzehnten plötzlich räumen müssen, weil sie ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können, er versucht die Banker und Broker zur Rede zu stellen und fängt ihre verlegenen Gesichter mit seiner Kamera ein. Kurz: Er gibt Abstraktem ein Gesicht. Dem Bösen auch. Für Michael Moore, den guten Propagandisten, ist die Formel ganz klar: „Kapitalismus ist das Böse. Und das Böse kann man nicht kontrollieren.“ Und auf die Frage, wie er das denn mit dem Bösen meint, scheut er sich nicht davor zu sagen, es sei durchaus in christlichen Sinne gemeint. Denn Kapitalismus sei das exakte Gegenteil von dem, was uns die Bibel lehrt, etwa dass jeder ein Stück vom Kuchen kriegen sollte oder dass man danach gerichtet werde, wie man die Armen behandelt. Kapitalismus als der größte Feind der Demokratie also? Warum nicht? Nur weil man es gewohnt ist, beides zusammen zu denken, heiße es nicht, dass Demokratie den Kapitalismus braucht. Er sei schließlich nicht moralisch vertretbarer als ein Casino. Wie immer ist das alles sehr Schwarz-Weiß. Aber es ist gut so. In der Aufteilung der Welt in Gut und Böse liegt die Kraft von Michael Moores Botschaften. Die Wirtschaft ist schon so komplex, dass man sich nach ein paar einfachen Fragen sehnt. Und das letzte, was man nach einem Jahr Diskussionen braucht, ist noch ein Finanzexperte, der uns erklärt, wie hoch kompliziert das Ganze doch ist. Und wenn da einer kommt, der das ganze Börsengebäude in einen gelben Polizeistreifen mit der Aufschrift „Crime Scene. Do Not Cross“ verpackt, dann muss man einfach schmunzeln. Die satirisch-böse Abrechnung mit den Schuldigen an der Finanzkrise „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ sollte so etwas wie die Summe aus 20 Jahren Protest werden, so Moore. Denn wogegen er auch immer gekämpft habe, münde doch alles schließlich in den Abgründen eines Systems, das nicht mehr auf das Wohl des Menschen bedacht sei. Und es gehöre demontiert. Wenigstens polemisch. Auf die Frage, ob denn das sein letzter Kampf sei, antwortete er aber entschieden: Nein. Das freut uns. Vanya Müller |
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