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Rachel Weisz

Zeit für die Couch

Schauspielerin Rachel Weisz

(tsch) Keanu Reeves, Jude Law, Hugh Jackman - die Liste der Filmpartner von Rachel Weisz ist imposant. Die Britin (34) mit den dunkelgrünen Augen und dem vorwitzigen Haaransatz ist ein Multitalent, dessen darstellerische Bandbreite vom Bühnenklassiker bis zum Sci-Fi-Abenteuer reicht. Sie verkörperte im erfolgreichen Actionfilm "Die Mumie" eine ebenso mutige Frau wie jetzt in der Literaturverfilmung "Der ewige Gärtner", die am 12.01. in die Kinos kommt. Als Diplomatengattin Tessa untersucht sie darin die unlauteren Machenschaften großer Pharmakonzerne in afrikanischen Slums und sticht damit in ein tödliches Wespennest. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau sucht Tessas Mann Justin (Ralph Fiennes) die Täter und verliebt sich posthum umso mehr in seine stolze, unbeugsame Gattin. Ein Gespräch über Gerechtigkeit, Auszeiten und Familienplanung.

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teleschau: Ist diese Romanverfilmung nach John Le Carré für Sie eher Lovestory oder Thriller?

Rachel Weisz: Das lässt sich nicht trennen. Die Figur von Ralph Fiennes will wissen, warum seine Frau in Kenia ermordet wurde. Aber er verwandelt sich nicht in James Bond. Justin bleibt ein ganz normaler Mann, der zum Spion wird. Dabei erfährt er mehr und mehr über seine geliebte Frau, und er verliebt sich immer mehr in Tessa. Während er ihrer wahren Persönlichkeit posthum näher kommt, erfährt der Zuschauer auch etwas über die Krimihandlung. Das macht John Le Carrés Romanvorlage und das Drehbuch von Jeffrey Caine so clever. Beide Handlungsstränge sind untrennbar vereinigt.

teleschau: Was halten Sie denn von Tessas unversöhnlichem Kampf gegen die korrupte Pharmaindustrie?

Rachel Weisz: Sie ist kein Engel, das macht sie so interessant. Tessa hat Schwächen, Eitelkeiten. Die Handlung spiegelt also nicht den Kampf Gut gegen Böse wider, mit Tessa als rettendem Engel der Gerechtigkeit. Sie ist keine Lichtgestalt, sondern jemand, der gleich in der ersten Szene weit über das Ziel hinausschießt. Immerhin verlassen ihre Kommilitonen den Raum, als sie einem Dozenten gegenüber ausfallend wird.

teleschau: Gibt es überhaupt noch Raum für Gerechtigkeit in dieser Welt?

Rachel Weisz: Ich glaube fest daran! Obwohl wir in einer Zeit unglaublicher Korruption und Ungerechtigkeit leben. Wir werden von Politikern angelogen und hinter unseren Regierungen stehen internationale Konzerne. Es ist bequem zu resignieren und sich zu denken: "Was kann ich denn dagegen tun? Das hat Dimensionen, die meinen Horizont übersteigen. Also kümmere ich mich lieber um meine Familie und nicht um den Rest der Welt." Die meisten Menschen sind der festen Überzeugung, dass ein Einzelner keinen Unterschied macht. Aber nur einem einzigen Menschen zu helfen, ist schon besser als untätig zu sein.

teleschau: Sie sind 34 Jahre alt, im Film zehn Jahre jünger. Ein Grund für sentimentale Gefühle nach Drehschluss?

Rachel Weisz: Auf keinen Fall! Die Dreißiger sind doch viel besser! Ich darf andauernd das tun, was mir am meisten Spaß macht, habe damit auch noch Erfolg und verdiene Geld. Mit Mitte zwanzig war ich unsicherer. Ich meinte, tausend Dinge gleichzeitig tun zu müssen und mich nur wohl zu fühlen, wenn ich unter Dampf stand. Inzwischen bin ich ruhiger geworden. Wenn ich Lust dazu habe, dann lege ich mich eben mit einer Tasse Tee und dicken Socken auf die Couch und gehe um neun Uhr abends ins Bett. Na und? Ich verpasse nichts.

teleschau: Liegen Sie dann allein auf der Couch?

Rachel Weisz: (lacht) Ach wissen Sie, mein Freund Darren (Regisseur Darren Aronofsky, die Red.) ist nicht so der Socken-und-Tee-Typ. In dieser Beziehung ist er typischer Amerikaner, aber auch nur in dieser!

teleschau: Wie dürfen wir das verstehen?

Rachel Weisz: Er trinkt Kaffee, aber weiß, wo Europa liegt.

teleschau: Haben Sie sich deshalb getraut, mit ihm auch den Mystikthriller "The Fountain" zu drehen?

Rachel Weisz: Die Dreharbeiten fanden in Spanien statt, und er kannte den Weg dorthin! Im Ernst, wir sind seit vier Jahren zusammen und um "The Fountain" zu realisieren, hat Darren seit sechs Jahren keinen Film mehr gedreht. Es gab also gar keine Gelegenheit zur Zusammenarbeit.

teleschau: Dann haben Sie in den letzten vier Jahren die Miete gezahlt?

Rachel Weisz: Natürlich nicht, aber es gab Leute, die ihn tatsächlich für verrückt hielten. Wie kann jemand sechs Jahre lang versuchen, einen einzigen Film auf die Beine zu stellen? Aber es war Darrens Traumprojekt, und dem hat er sich die ganze Zeit mit aller Kraft gewidmet und wollte nicht abgelenkt werden. Ich finde soviel Besessenheit bewundernswert.

teleschau: Sie leben beide in New York ...

Rachel Weisz: ... und in London. In New York verbringen wir allerdings mehr Zeit. Es ist eine wunderbare Stadt, die durchaus auch europäische Züge hat. Außerdem wurde es für mich in London inzwischen schwieriger, mich ungestört auf der Straße zu bewegen. In New York ist das kein Problem. Los Angeles käme als Wohnort aber nie in Frage. Viel zu viele Autos, viel zu wenig Regen und nicht genügend Theater!

teleschau: Stehen Sie lieber auf der Bühne als vor der Kamera?

Rachel Weisz: In New York beginne ich gerade mit den Proben zu Strindbergs "Fräulein Julie". Theater hat oberste Priorität in meinem Leben, Film steht an zweiter Stelle.

teleschau: ... finden sich Ehe und Familie auf den nächsten Plätzen?

Rachel Weisz: Ich werde sicher heiraten. Das steht definitiv auch ganz oben auf meiner Liste.

Kerstin Borner


Rachel Weisz mag ihre Rolle: "Sie ist kein Engel, das macht sie so interessant. Tessa hat Schwächen, Eitelkeiten."
Rachel Weisz mag ihre Rolle: "Sie ist kein Engel, das macht sie so interessant. Tessa hat Schwächen, Eitelkeiten." (Kinowelt)

Der Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes) lernt bei einem Vortrag die engagierte Tessa (Rachel Weisz) kennen.
Der Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes) lernt bei einem Vortrag die engagierte Tessa (Rachel Weisz) kennen. (Kinowelt)

Rachel Weisz ist in den deutschen Kinos ab 12.01. in "Der ewige Gärtner" zu sehen.
Rachel Weisz ist in den deutschen Kinos ab 12.01. in "Der ewige Gärtner" zu sehen. (Kinowelt)

Datum: 09.01.2006

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