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Flaming Lips entdecken in "Embryonic" den Lärm wieder

The Flaming Lips Embryonic

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Dass der Lärm in der Geschichte der Flaming Lips eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, wird angesichts sinfonischer Großtaten wie "The Soft Bulletin" (1999) oder "Yoshimi Battles the Pink Robots" (2002) gerne mal vergessen. Man denke nur an wunderbare Krachpop-Hymnen wie "She Don't Use Jelly", die die Lips eigentlich erst zu dem werden ließen, was sie heute sind: Teil des Alternative-Konsens. Nun ist das mittlerweile über 15 Jahre her. Frontmann Wayne Coyne sieht heute so distinguiert aus, dass er auch als Weinhändler in einer englischen Kleinstadt oder als Literaturprofessor einer Ivy-League-Universität durchgehen könnte. "Embryonic" ist vielleicht genau deshalb das Biest, das es ist.

Nun ist der Lärm heute natürlich ein Produktionsmittel, das völlige gesellschaftliche Akzeptanz besitzt. Zudem sind die Flaming Lips eine Band, um deren Musikalität man weiß. Wenn man da eine Gleichung aufmacht, landet man schnell bei dem schönen Wort Narrenfreiheit, das natürlich nur auf den ersten Blick zutrifft. Denn die Flaming Lips mögen das tun, was sie wollen - aber sie tun es, weil sie es können. Und das ist dann vielleicht so etwas wie der rote Faden ihrer Laufbahn. Dass da jetzt archaischer Seltsam-Blues und fast progressive Strukturen vorkommen, die Oberflächen aufgebrochen und die Streicher weggesperrt oder zerkratzt werden, ändert die Außenwirkung der Songs, aber nicht deren Qualität.

Exemplarisch zu nennen ist hier das in der Mitte des Albums positionierte "The Ego's Last Stand". Einmal wegen seiner Entschleunigung. Da ist Platz für alles, für jedes Husten, für perkussive Elemente. Struktur gibt zunächst ein einfacher Basslauf, später Coynes Stimme, verfremdet ebenso wie die Gitarre. Im Hintergrund passiert ein wenig Sinfonisches, aber es bleibt eben im Hintergrund. Was anfangs wie ein grimmig errichteter Rohbau wirkt, ist laut Coyne übrigens ein Lied über ihn und seiner Mutter auf der Veranda, wie sie einer kleinen Katze beim Sterben zuschauen.

Der Vollständigkeit halber: Im folgenden "I Can Be A Frog" bleibt die Fauna am Leben und wird von Karen O., der Stimme der Yeah Yeah Yeahs nachgebrüllt und -brummelt. Später tauchen MGMT als Background-Chor auf, auch ein gewisser Thorsten Wörmann stand auf der Gästeliste. Der erklärt in "Gemini Syringes" einige mathematische Grundregeln. Math Rock, also. Irgendwie, klar. Aber in erster Linie ein herrlich zielloses und lustvoll zerfasertes Zeugnis der Vitalität einer Band, die den Lärm wieder gefunden hat.

Jochen Overbeck


Datum: 26.10.2009

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