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Jessica Schwarz gibt eine aufregende "Romy" ab

Romy

Nun ist er also tatsächlich da - der erste biografische Film über das Leben Romy Schneiders. 27 Jahre liegt der Tod der deutschen Filmikone schon zurück. Dass es so lange gedauert hat mit einem Stoff, der so nahe am Zelluloid liegt, wie sonst kaum ein anderer, liegt an der Melange schwieriger Persönlichkeitsrechte und dem Respekt vor der, die so viele Filmschaffende als Vorbild verehren. Auch Hauptdarstellerin Jessica Schwarz ist bekennender Romy-Fan. Es mag ihren Job gleichzeitig aufregend und schwierig gemacht haben. Ihrer großartigen Leistung sowie der klugen und doch sinnlichen Regie Torsten C. Fischers nach dem gelungenen Drehbuch von Benedikt Röskau ist es zu verdanken, dass das mit 5,8 Millionen Euro prächtig ausgestattete ARD-Renommierprojekt des Jahres 2009 auch künstlerisch voll überzeugt.

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Noch vor einem guten Jahr - es war 2008 und der 70. Geburtstag der Schneider stand an - berichteten Gazetten aufgeregt von vier parallel stattfindenden "Romy-Projekten". Zwei davon wurden schon wieder zu Grabe getragen.

"Wer ist eigentlich die beste Romy?" - rätselte nicht nur die einschlägige Yellow Press: Marie Bäumer, der bereits ein halbes Schauspielerleben die frappierende Ähnlichkeit zum 1982 verstorbenen Star vorgeworfen wird? Oder soll es Yvonne Catterfeld machen, ebenfalls eine veritable Wiedergängerin - doch hat sie auch das schauspielerische Rüstzeug? Tatsächlich befand sich ein Romy-Film mit Catterfeld in Vorbereitung, eines jener gescheiterten Projekte. Zum TV-Debüt gebracht hat es nun aber die opulente Gemeinschaftsproduktion von SWR, WDR, NDR, ARD Degeto und ORF - mit Jessica Schwarz in der Titelrolle.

Jessica Schwarz, die schöne, natürliche Brünette mit "Bravo"- und "Viva"-Vergangenheit, längst geadelt durch die Jahre als Muse von Dominik Graf ("Die Freunde der Freunde", "Kalter Frühling", "Der rote Kakadu"), geht in zivil zwar nicht als "Lookalike" durch, doch Maske und vor allem die große, aufrichtige Intensität ihres Spiels machen das schnell vergessen. Zu Beginn des in 105 Minuten überraschend straff und doch dramaturgisch rund erzählten Lebensdramas spielt Alicia von Rittberg die junge Romy. Romy als schwärmerischer Fünfziger-Teen im Internat, die längst getrennt lebenden Schauspieler-Eltern, die Deutsche Magda Schneider (Maresa Hörbiger) und der Österreicher Wolf Albach-Retty (brillant: Karlheinz Hackl), bekommt das Kind selten zu sehen. Erst als das Leben der Kaiserin "Sissi" verfilmt werden soll, schafft es die ehrgeizige Mutter, ihre begabte, sehr junge Tochter in der Titelrolle zu installieren.

Nach wenigen Schlaglichtern, die aber stets emotional dicht bleiben und nie in die aufzählerische Rhetorik jener Biopics verfallen, welche ein Leben nach Stationen abarbeiten, ist man dann bereits bei Visconti und Delon (Guillaume Delorme), sprich: Man ist in Frankreich. Jener Ort, der in den frühen Sechzigern so anders war als das miefige Deutschland. Hier gab es Existenzialismus und Intellekt, es gab Nouvelle Vague und Rive Gauche - die Emanzipation der jungen Romy Schneider vom bleiernen "Sissi"-Image und verlogener Heimatfilm-Ästhetik hatte begonnen.

Es folgen glückliche Monate, vielleicht auch Jahre - es folgt der deutsche Theaterregisseur Harry Meyen (großartig: Thomas Kretschmann) als schwieriger Liebhaber, Ehemann und Vater von Romys Sohn David. Es folgen Filme im Film und Lebensstationen, die Regisseur Torsten C. Fischer ("Guter Junge") nicht nur weitgehend an Originalschauplätzen nachdrehte. Er verstand es auch, ihnen einen beiläufigen und damit verblüffend lebensechten Touch zu vermitteln.

Von Beginn an hat die edle Kamera Holly Finks ("Mogadischu", "Die Flucht") jenes Suchende, flatterhaft Intensive, das Jessica Schwarz auch in ihrer Rolleninterpretation grandios unterstreicht. Das Drama beginnt früh, mit den abwesenden Eltern, mit Alain Delon, der Romy sitzen lässt. Es weitet sich aus zur Tabletten- und Alkoholsucht, zum Unfalltod des Sohnes und dem eigenen Ableben mit nur 43 Jahren - sie starb an "gebrochenem Herzen", wie es der moderne Volksmund längst in Stein gemeißelt hat. Nichts als der Stoff, aus dem Legenden sind. "Romy" bleibt dicht bei den biografischen Fakten und schafft sich dennoch Freiräume der Interpretation durch die feine Psychologie innerhalb des Monumentalfernsehens.

Flüchtiges Pseudo-Dokumentarmaterial auf Super-8 sind in den Erzählfluss eingearbeitet. Schnell gedrehte Szenen, Schnappschüsse eines Lebens, die wie Regisseur Fischer bemerkt, tatsächlich auch Schnellschüsse waren, um trotz der Größe des Projektes die angestrebte "Skizzenhaftigkeit" zu behalten.

Das Erstaunlichste an diesem wunderbaren Schauspielerfilm (Schwarz, Kretschmann, Hackl) ist vielleicht, dass er sich ob seiner "staatstragenden" Aufgabe, die ersten Romy-Biografie zu schaffen, dennoch eine große emotionale Freiheit leistet. "Romy" lässt das Leben schillern, lässt es Verwirrung und Geheimnisse stiften, die auch zur Primetime nicht unbedingt aufgeklärt werden müssen. Romy Schneider, deren öffentlich betrachtete Seele auf mysteriöse Weise immer gleichzeitig offenes Buch und Geheimnis blieb, hätte das vielleicht wirklich gefallen. Ihr, der manischen Sinnsucherin einer flüchtigen Wahrheit, hat man ein erstes würdiges Denkmal gesetzt.

Ergänzend dazu ist die Dokumentation "Romy Schneider - Eine Nahaufnahme" von Julia Benkert konzipiert. Das Erste zeigt sie direkt im Anschluss um 22.00 Uhr.

Eric Leimann


Intensives Biopic: Jessica Schwarz verkörpert Romy Schneider.
Intensives Biopic: Jessica Schwarz verkörpert Romy Schneider. (SWR / Hans-Joachim Pfeiffer)

Romy (Jessica Schwarz) und Alain (Guillaume Delorme) fühlen sich wie die jungen Könige von Paris.
Romy (Jessica Schwarz) und Alain (Guillaume Delorme) fühlen sich wie die jungen Könige von Paris. (SWR / Hans-Joachim Pfeiffer)

Junge Liebe in der frischen Freiheit Frankreichs: Romy (Jessica Schwarz) und Alain Delon (Guillaume Delorme).
Junge Liebe in der frischen Freiheit Frankreichs: Romy (Jessica Schwarz) und Alain Delon (Guillaume Delorme). (SWR / Hans-Joachim Pfeiffer)

Datum: 09.11.2009

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