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Ian Peres zu Wolfmother

"Ich habe das Nichtstun aufgeben müssen"

Band Wolfmother

Ob er sich von seinem vermutlich recht komfortablem Salär schon etwas gekauft habe? Ian Peres, Neu-Bassist und Keyboarder der australischen Wolfmother, denkt nach. "Nein, eigentlich nicht. Man bekommt ja alles bezahlt." Er schaut auf seine Hose, lässt den Blick zu Shirt und Jacket wandern. "Das habe ich alles behalten dürfen. Einfach so!" Dass Andrew Stockdale sich an jenem Nachmittag vorm Konzert in der Berliner Columbia Halle gegen Interviews entschieden hat - er muss, so munkelt man, die Stimme schonen - und die harte Arbeit dem etwas ahnungslosen Youngster von der australischen Goldküste überließ, geht schon in Ordnung. Peres kann einem zwar über Wolfmother nicht sehr viel erzählen. Fragt man ihn nach den Songs, nach dem Entstehungsprozess, ist er eher ratlos. Aber er gibt hübsche Einblicke in dieses Jugendtraum-Ding: Vom Nobody zum Superstar - denn zumindest in Australien sind Wolfmother ganz oben. Jetzt veröffentlicht die Band mit "Cosmic Egg" ihr zweites Album.

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Er wartete. Ziemlich lange sogar. Dave Acosta, heute ebenfalls bei Wolfmother, war es, der den Youngster bei den australischen Hardrockern ins Spiel brachte und gewissermaßen vorwarnte: "'Andrew ruft Dich die Tage mal an', sagte er zu mir. Bis das Telefon aber tatsächlich klingelte, dauerte es drei Monate, ich rechnete also gar nicht mehr damit", erinnert sich Ian. Musste er für sein neues Leben im Rampenlicht Dinge aufgeben? Job, Familie, Wohnung? Die Antwort auf diese Frage scheint dem Lockenkopf etwas unangenehm zu sein. "Naja, ich habe noch bei meinen Eltern gewohnt. Und in einer Coverband gespielt." Schließlich lacht er und sagt: "Ich habe das Nichtstun aufgeben müssen. Das war mühsamer, als man vielleicht denken möchte."

Für Wolfmother-Neulinge kurz die Erklärung: Andrew Stockdale, der Frontmann der Band und gleichzeitig die wohl relevanteste Ozzy-Osbourne-Gedächnisstimme der Gegenwart, verlor vor etwas über einem Jahr aufgrund der üblichen personellen und musikalischen Differenzen eben mal seine Band. Nach zwei Monaten stellte er sie neu auf - neben Peres und erwähntem Dave Acosta wurde noch Aidan Nemeth an der Gitarre verpflichtet.

Die Songs des dieser Tage erscheinenden "Cosmic Egg" waren zu diesem Zeitpunkt schon geschrieben - zumindest größtenteils. So sind die Novizen zumindest aktuell wohl eher so etwas wie Erfüllungsgehilfen Stockdales. Ein ganz normaler Job? Oder schon dieses Band-Ding mit Rock-Riten und maskulinem Zusammenhalt? Ian Peres zögert, sagt, dass er sehr dankbar sei, Teil von Wolfmother zu sein. Und dass es eben ein bisschen dauern würde, bis aus vier Einzelpersonen eine Einheit entstehe. "Aber wir verstehen uns gut. Wir waren in den letzten Monaten viel unterwegs, und fast immer mit dem Tourbus. Wenn du so viel Zeit auf so engem Raum verbringst, dann schweißt das schon zusammen." Das Kennenlernen sei denkbar einfach gewesen. "Ein paar Bier, ein paar Drogen." Ian lacht, fast entschuldigend. "Dann lief das."

Den bisher wildesten Auftritt hatte Peres übrigens ausgerechnet in der Bundeshauptstadt. Die Band spielte vor ihrem eigentlichen Konzert einen Warmup-Gig im "White Trash Fast Food", einen vor allem bei Amerikanern enorm angesagten Laden im Ausgeh-Viertel rund um den Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Dort ist das Publikum meistens ziemlich betrunken - was zu Wolfmother ganz gut passt. So ganz nebenher scheint man aber auf die ordnungsgemäße Anbringung technischer Geräte nur mäßig Wert zu legen: Der Filmprojektor, der direkt über Peres' Arbeitsplatz hing, löste sich irgendwann und fiel mit der Kante direkt auf seine Schulter. "Ich spürte meinen Arm nicht mehr, das war abgefahren. Ich legte mich dann in den Tourbus und knetete da dann so herum. Die nächsten Tage taten der Arm und die Schulter wirklich wahnsinnig weh. Aber es half ja nichts. Ich musste auftreten, wir konnten ja schlecht alles canceln." Zum Arzt ging er erst einige Tage später. "Der wollte mich sofort krankschreiben. Ging natürlich auch nicht."

Ein harter Hund also. Wenn auch einer, der ganz schön nett wirkt und so ganz nebenbei die wohl poppigste Sozialisation im Wolfmother-Camp besitzt. Die Coverband, in der er spielte, hatte vor allem Oldies im Programm. Bob Marley, die Beatles, die Rolling Stones. Die Frage nach seiner Lieblingsband beantwortet er wie aus der Pistole geschossen: "Radiohead!" Vorbilder, was das Keyboardspiel angeht, seien vor allem Pink Floyd. "Es ist Wahnsinn, was die an Stimmungen transportieren." Man darf gespannt sein, was all das für den Sound der Band bedeutet. Das in Los Angeles aufgenommene "Cosmic Egg", so sagt Peres, sei ja schon wesentlich abwechslungsreicher als das Debüt. Das nächste Album würde sicher die Handschrift der gesamten Band tragen. Wer weiß - vielleicht kann Ian Peres dann schon ganz, ganz viel erzählen.

Jochen Overbeck


Harter Rock in bester australischer Tradition: Wolfmother veröffentlichen ihr zweites Album "Cosmic Egg".
Harter Rock in bester australischer Tradition: Wolfmother veröffentlichen ihr zweites Album "Cosmic Egg". (Danny Clinch / Universal Music)

Aus dem Trio wurde ein Quartett: Sänger Andrew Stockdale (vorne) musste zwischen dem Wolfmother-Debüt und "Cosmic Egg" seine Band komplett neu besetzen.
Aus dem Trio wurde ein Quartett: Sänger Andrew Stockdale (vorne) musste zwischen dem Wolfmother-Debüt und "Cosmic Egg" seine Band komplett neu besetzen. (Danny Clinch / Universal Music)

"Ein paar Bier, ein paar Drogen" halfen, so Wolfmother-Neu-Bassist Ian Peres dabei, sich und seine Bandkollegen kennenzulernen.
"Ein paar Bier, ein paar Drogen" halfen, so Wolfmother-Neu-Bassist Ian Peres dabei, sich und seine Bandkollegen kennenzulernen. (Danny Clinch / Universal Music)

Datum: 23.10.2009

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