logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Der nächste schlechte Film von Soderbergh: "Der Informant!"
Der nächste schlechte Film von Soderbergh: "Der Informant!"

Der Informant!

(cg/tsch) Ein Matt Damon, wie man ihn noch nie gesehen hat: übergewichtig, mit einer hässlichen Brille an der Nase, einem Eighties-Schnauzer, leicht geöffnetem Mund und debilem Blick. Und um ihn herum alles so schön gelb. Man denkt, das wird sicher lustig. Doch es ist leider alles andere als das. "Unfassbar", heißt es auf dem Filmplakat: "Matt Damon ist der Informant". Was aber in Wirklichkeit unfassbar ist, ist dass Steven Soderbergh, der Macher von so guten Filmen wie "Traffic" oder "Ocean's Eleven", nun schlechte Filme dreht. Wer „The Good German“ (2006) oder das zähe und ermüdende Che-Guevara-Biopic durchgehalten hat, weiß das. Ohne einen Spannungsbogen plätschert die maue Agentenkomödie bis zum bitteren Ende vor sich hin und entlässt einen richtig müde aus dem Kino. Matt Damon, der wirklich sein Bestes gibt, um etwas aus seiner Figur rauszuholen, ist der eine Stern gewidmet.

Anzeige

 

Basierend auf Kurt Eichenwalds gleichnamigem Buch, gräbt sich Drehbuchautor Scott Z. Burns in die bizarre Gedankenwelt eines seltsamen Mannes, der sich 1992 vom FBI anwerben ließ, um Informationen über seine Firma preiszugeben. Mit versteckten Mikrofonen sammelte er Indizien, die beweisen, dass der Landwirtschaftskonzern ADM an illegalen Preisabsprachen für Lysin beteiligt ist. Klingt ja spannend.

Wie sagte Burns: "Steven Soderbergh wollte daraus eine Komödie machen, und ich konnte mit der Idee nicht so recht etwas anfangen." Selbstverständlich behauptet er, dies habe sich geändert, doch das merkt man der schwarzen Komödie nicht an. Wobei auch da schon wieder eine Falschinformation passiert: Es ist keine schwarze Komödie.

Zwar erklärt der als Mark Whitacre verkleidete Matt Damon komplizierte Zusammenhänge manchmal auf naive Art oder macht sich Gedanken über Krawatten, Schmetterlinge und Eisbären, doch solche Off-Kommentare allein lassen das Publikum nicht lachen.

Soderbergh spart mit komischen Momenten, es ist eher albern, wenn der dickbäuchige Schnauzbartträger geheimnistuerisch in sein Aufnahmegerät spricht oder überlegt, ob er den FBI-Agenten, den einzigen in seinem Ort, mit Vornamen ansprechen sollte. In seiner Umtriebigkeit und seinem augenscheinlichen Sinn für Gerechtigkeit erinnert der Wichtigtuer an Greg Kinnear, der in "Flash Of Genius" den Intervallscheibenwischer erfand und jahrzehntelang gegen Ford kämpfte, die sich seine Idee unter den Nagel rissen.

"Der Informant" ist weder spannend noch komisch und Sympathieträger sehen obendrein anders aus: Whitacres wulstige Oberarme hängen an einem schwabbeligen Oberkörper; die Brille und sein meist leicht geöffneter Mund lassen ihn etwas grenzdebil wirken. Nur zäh offenbart sich etwas von seiner Persönlichkeit.

Das Erzähltempo ist kontraproduktiv zügig, die Jahre ziehen ins Land, doch der Ausgang der Geschichte wird immer irrelevanter. Soderbergh erzählt ohne Spannungsbogen. Es plätschert undurchsichtig dahin, er rafft an den falschen Stellen. Ihm ist es nicht möglich, Gedanken sichtbar zu machen, geschweige denn Motive. So versandet seine Schlusspointe, weil der Weg dorthin langweilt.

Den Schauspielern kann man nichts vorwerfen. Männer in Anzügen, die sich an verschieden lange Konferenztische setzen, sind kein aufregendes Bildmotiv. Und weder Habgier noch bipolare Störungen entschuldigen diesen verklemmten Film.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Warner, USA 2009, R: Steven Soderbergh, D: Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale u.a.

Laufzeit: 108 Min.

Kinostart:
05. November 2009


"Der Informant": eine schwarze Komödie um Firmenmauscheleien mit einem sehr dicken Matt Damon.
"Der Informant": eine schwarze Komödie um Firmenmauscheleien mit einem sehr dicken Matt Damon. (Warner)

Ginger (Melanie Lynskey) unterstützt ihren Mann Mark (Matt Damon) wo sie kann. Sie möchte, dass er reinen Tisch macht.
Ginger (Melanie Lynskey) unterstützt ihren Mann Mark (Matt Damon) wo sie kann. Sie möchte, dass er reinen Tisch macht. (Warner)

Der FBI-Agent Scott Bakula (Brian Shepard, rechts) reicht dem neuen Informanten Mark Whitacre (Matt Damon) sein Arbeitsgerät.
Der FBI-Agent Scott Bakula (Brian Shepard, rechts) reicht dem neuen Informanten Mark Whitacre (Matt Damon) sein Arbeitsgerät. (Warner)

Datum: 04.11.2009

Facebook aktivieren

Diskussion: "Der nächste schlechte Film von Soderbergh: "Der Informant!""

Um eine Diskussion zu "Der nächste schlechte Film von Soderbergh: "Der Informant!"" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Chabrol und Rohrbach werden mit Berinale Kamera geehrt
    Die Berlinale Kamera geht in diesem Jahr an zwei wichtige Filmschaffende, die sich beide darauf verstehen, die großen Literaten ihrer Heimatländer erfolgreich auf die Leinwand zu bringen: Regisseur Claude ...

    Frankreichs "Public Enemy No.1" hieß Jacques Mesrine
    2009 kommen zwei Filme ins Kino, die mit ähnlichem Titel zwei legendäre Verbrecher porträtieren: Michael Manns „Public Enemies“ über den amerikanischen Bankräuber John Dillinger und der französische Thriller ...

    Isabelle Huppert erledigt "Eine Frauensache"
    "Ich wollte einen ergreifenden Film über eine einsame, orientierungslose Frau machen, die nicht begreift, was ihr geschieht", sagte Claude Chabrol über sein Drama "Eine Frauensache" (1988). So gesehen ...

    Chabrol macht aus Gérard Depardieu "Kommissar Bellamy"
    Obwohl "Kommissar Bellamy" einen typischen Krimiplot hat, wäre es nicht ganz zutreffend, den Film als einen Krimi zu bezeichnen. Denn im neuen Werk des Altmeisters des französischen Kinos Claude Chabrol ...

    "Ein Geheimnis" versammelt die Stars des französischen Kinos
    „Ein Geheimnis“ hat wahrscheinlich jede Familie. Doch in Claude Millers Drama ist es ein so schreckliches, dass es Jahrzehnte braucht, bis es wieder ans Licht kommt, um endlich verarbeitet zu werden. ...

    Super: "Public Enemy No. 1 - Todestrieb & Mordinstinkt"
    In den 60ern und 70ern hatte das Böse in Frankreich offiziell einen Namen: Jacques Mesrine. Das war ein smarter, charismatischer, aber auch unberechenbarer Mann, der außerhalb des Gesetzes lebte und zum ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7865 - task = view - option = com_content - limitstart= 0