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In "Looking for Eric" beweist Ken Loach Sinn für Humor

Looking for Eric

(mb/tsch) Nachdem Ken Loach 2006 für sein Geschichtsdrama „The Wind That Shakes the Barley“ die Goldene Palme gewann, wurde er dieses Jahr auf dem Filmfestival erneut gefeiert. Sein neues Werk "Looking for Eric" wurde mit tosendem Beifall empfangen. Der britische Filmemacher ist ein Spezialist in Sachen Sozialkritik und seine Filme sind meist ernst und ungeschminkt. Doch dieses Mal ist er kaum wieder zu erkennen. Zwar bleibt er in „Looking for Eric“ dem Arbeitermilieu treu, es herrscht jedoch ein heiterer Unterton. „Es ist ein Ken Loach-Film, der Ken Loach-Hasser umstimmen wird“, so Anke Westphal in der Berliner Zeitung. Der liebe- und humorvolle Film ist eine zutiefst menschliche und sympathische Hommage an den kleinen Mann aus der englischen Unterschicht und die wichtigste Sache der Welt: den Fußball.

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Eric Cantona hilft einem verzweifelten Postboten zurück ins Leben: Fußball ist eben doch die wichtigste Hauptsache der Welt. Das weiß Ken Loach zwar, darum geht es ihm dann doch nicht vordergründig. Das Leben lässt sich zwar immer wieder neue Hindernisse einfallen, aber die können eben überwunden werden - mit Vorbildern, Freundschaft und Selbstvertrauen. Doch dazu muss man sich erst einmal den eigenen Ängsten und Fehlern stellen.

Das fällt Eric Bishop (Steve Evets) schwer, einem Postboten aus Manchester und leidenschaftlichem Fußballanhänger. Vor Jahren hatte er seine Freundin Lily (Stephanie Bishop) mit der gerade geborenen Tochter sitzen lassen, jetzt schlägt er sich mit Stiefsöhnen im Teenageralter herum. Nicht nur wegen deren Verstrickung ins lokale Gaunergeschäft marschiert Eric schnurstracks in eine große Depression, in der er sich im Kreis dreht. So wie mit dem Auto im Kreisverkehr, den er 3.000 Mal umrundet.

Mit Altersmilde und erzählerischer Leichtigkeit bringt Ken Loach diesem grundsympathischen Typen bei, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Dazu lässt er Eric Cantona leibhaftig werden: Der Fußballer steigt aus den Postern, die Erics Zimmer pflastern, setzt sich zu ihm aufs Bett und beginnt eine Therapie, die so unkonventionell wie witzig ist. Ein bisschen Lauftraining hier, viel Lebensphilosophie dort. Und alles lässt sich - natürlich! - mit Fußball erklären, wofür Loach viele Originalausschnitte von ManU-Spielen verwenden durfte.

Da kann man gar nicht anders, als wieder Mut zu fassen und sich Lily - einer bezaubernden, großherzigen Frau - zu stellen. Zumal Erics Kollegen und Stadionkumpel - eine liebevoll gezeichnete Truppe - in einer umwerfenden Szene in Kompanie-Stärke anrücken: Sie alle tragen Cantona-Masken und statten dem Gangsterkönig, dem Erics Sohn ausgeliefert ist, einen Hausbesuch ab. So komisch wurde im Kino noch nie ein ernsthaftes Problem mit der Unterwelt gelöst.

Klar, "Looking for Eric" ist ein Märchen, aber mit, wie von Loach gewöhnt, genauem Blick auf das soziale Umfeld der Unter- und unteren Mittelschicht. Bei allem Vergnügen, bei all den spritzigen Schlagabtäuschen und dem hintersinnigen Humor, verliert der mittlerweile 73-jährige Regisseur nie die Ernsthaftigkeit aus den Augen. Dass der Film nicht ins Kitschige abdriftet, verdankt er dem hinreißenden Drehbuch mit fantastischen Dialogen und den beiden Erics: Hauptdarsteller Steve Evets macht aus Eric Bishop eine facettenreiche Figur, die dank ihres umwerfenden Charmes die Sympathien des Publikums mit Leichtigkeit erobert, dabei aber glaubwürdig bleibt, Zweifel und Fehler zulässt. Und Eric Cantona stellt klar: "I'm not a man, I'm Cantona." Damit ist alles gesagt.

Andreas Fischer

Credits:
V:Delphi, GB / F 2009, R: Ken Loach, D: Steve Evets, Eric Cantona, Stephanie Bishop u.a.

Laufzeit: 116 Min.

Kinostart:
05. November 2009


Eric Cantona arbeitet bei Ken Loach als Therapeut: "Looking for Eric" ist eine hinreißende Hommage an die britische Arbeiterklasse.
Eric Cantona arbeitet bei Ken Loach als Therapeut: "Looking for Eric" ist eine hinreißende Hommage an die britische Arbeiterklasse. (Delphi)

Körperliche Fitness ist die Voraussetzung für mentale Stärke: Eric Cantona (rechts) arbeitet mit Eric Bishop (Steve Evets) an den Grundlagen.
Körperliche Fitness ist die Voraussetzung für mentale Stärke: Eric Cantona (rechts) arbeitet mit Eric Bishop (Steve Evets) an den Grundlagen. (Delphi)

Postbote Eric (Steve Evets) verfällt in eine große Depression, aus der er kein Entrinnen sieht.
Postbote Eric (Steve Evets) verfällt in eine große Depression, aus der er kein Entrinnen sieht. (Delphi)

Datum: 01.11.2009

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