logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film "All inclusive"-Urlaub als Paartherapie
"All inclusive"-Urlaub als Paartherapie

All inclusive

(vm/tsch) Was nicht jeder weiß: Vince Vaughn schreibt Drehbücher. Und er tut es nicht mal schlecht. Doch dieses Mal verliert sich sein Skript in Plattitüden. Es geht wie immer um die Liebe bzw. den Mangel an solcher. Und es ist naturgemäß eine Komödie. Es geht um vier befreundete Paare, die ihre mehr oder weniger kaputte Beziehungen auf die Probe stellen. Das Experiment heißt: „All inclusive“ und wirkt bei aller Sympathie für Story und Darsteller etwas arg konstruiert.

Anzeige

 

Komiker-Hüne Vince Vaughn versucht derzeit, dem lebensfremden Leinwandtreiben mit ungewöhnlichen Komödienstoffen eine ehrlichere Alternative entgegenzusetzen. Gelang ihm bei seinem ersten Versuch noch ein komödiantisches und doch demaskierendes Portrait zwischenmenschlicher Grausamkeit, scheitert er nun beim zweiten Mal beinahe an seinem Anspruch.

In "Trennung mit Hindernissen", Vaughns ersten Film als Drehbuchautor, eine Komödie, überraschte er an der Seite von Jennifer Aniston mit der ganz und gar unkomischen Tour de Force einer Trennung, die sich dem Zuschauer von Beginn an als unausweichlich offenbart. Nur allzu menschliche Rettungsversuche der verzweifelten Beteiligten trafen auf umso mehr Mitgefühl. Das vermeintlich Komische im Alltäglichen und Gewöhnlichen zu finden, fernab grotesker Albernheiten, erwies sich für den 39-jährigen Autor und Hauptdarsteller als Goldader: Wie auch sein Kollege und Comedy-Pionier Judd Apatow ("Beim ersten Mal") kombiniert Vaughn den Ernst des Lebens mit der humorvollen Natürlichkeit befreundeter Darsteller - und seiner selbst.

Mit seinem neuesten Coup dagegen bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück: Mit "All Inclusive" wendet sich Vaughn erneut Beziehungsproblemen zu, wählt aber für seine Geschichte um unerfülltes Kinderglück, Verlustängste und Familienstress einen anderen Ansatz. Portraitiert werden vier Paare, deren Liebe auf die Probe gestellt wird. Um sich und einander wiederzufinden, fliegen sie ins Paradies: in ein Resort auf der tropischen Inselgruppe Bora Bora unweit von Tahiti im türkisblauen Pazifik.

Da ist zum einen das selbstzufriedene, bodenständige Ehepaar Dave und Ronnie, die zwischen Kindern und Job kaum noch Zeit für sich selbst haben. Sie sind gut befreundet mit Joey und Lucy, die sich gleich nach dem Highschool-Abschluss wegen eines sich ankündigenden Babys gezwungen sahen zu heiraten, mittlerweile aber das Interesse aneinander verloren haben. Dann ist da noch Shane, der von seiner Frau verlassen wurde und nun versucht, eine Zwanzigjährige zu beeindrucken, um nicht mehr allein zu sein. Und schließlich Jason und Cynthia, die keine Kinder bekommen können und nun derart verstört sind, dass sie sich ihren Freunden nur noch in Powerpoint-Präsentationen mitteilen können: Sie wollen sich trennen, es sei denn, ihre Ehe wird durch einen Therapieurlaub in einem exklusiven Südsee-Resort gerettet. Was durch Gruppenbuchungen ja auch erschwinglich ist.

Nach anfänglichem Zögern werden die übrigen drei Paare überzeugt, schließlich winkt eine Entspannungsreise ins Paradies zum Schnäppchenpreis. Doch was zunächst reizte, entpuppt sich bald als unbarmherziger Harmoniedrill: Wer am ausgeklügelten Programm zur Paartherapie, das um 6 Uhr in der Früh beginnt, nicht teilnehmen möchte, muss nach Hause fliegen. Selbstgefällig lassen sie es auf einen Versuch ankommen.

Das hochemotionale, aber stark konstruiert anmutende Treiben auf dem Korallenriff ist nur leidlich komisch: Vince Vaughn besinnt sich auf seine Qualitäten als Plappermaul. Jon Favreau, der sich zuletzt eher als Regisseur ("Iron Man") bewährt hat, kann als gealterter Vorstadtdandy nicht überzeugen, und Jason Bateman bleibt als kinderloser Powerbroker blass wie eh und je.

Die Geschichte dümpelt trotz sehenswerter Gaststars wie Jean Reno als Liebespapst und dem drahtigen Carlos Ponce als lüsterner Yoga-Lehrer reichlich leichtfüßig dahin und präsentiert sich mit einem spätsommerlichen Schuss an Freizügigkeit. Was sich dagegen hinter dem gekünstelten Lächeln der Damen und den langen Blicken der Herren verbirgt, die mal durch ihre Partnerinnen hindurch, mal sehnsüchtig in Richtung eines Single-Resorts schweifen, bleibt unklar. Der Film verliert sich in Plattitüden. Immerhin: Ihre sympathische Ausstrahlung haben sich Vaughn und Co. erhalten.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2009, R: Peter Billingsley, D: Vince Vaughn, Jason Bateman, Kristin Davis u.a.

Laufzeit: 107 Min.

Kinostart:
05. November 2009


Paartherapie auf der Insel: "All inclusive" bleibt als Beziehungskomödie an der Oberfläche.
Paartherapie auf der Insel: "All inclusive" bleibt als Beziehungskomödie an der Oberfläche. (2008 Universal Studios)

Das Paradies zum Greifen nah: Dave (Vince Vaughn, Mitte) besucht mit Ehefrau Ronnie (Malin Akerman) und Freunden ein Urlaubsresort für Paartherapie auf Bora Bora.
Das Paradies zum Greifen nah: Dave (Vince Vaughn, Mitte) besucht mit Ehefrau Ronnie (Malin Akerman) und Freunden ein Urlaubsresort für Paartherapie auf Bora Bora. (2008 Universal Studios)

Shane (Faizon Love) kann nicht mehr an sich halten: Seit seine Frau ihn verlassen hat, kann er den Ansprüchen seiner neuen jungen Freundin Trudy (Kali Hawk) nicht gerecht werden.
Shane (Faizon Love) kann nicht mehr an sich halten: Seit seine Frau ihn verlassen hat, kann er den Ansprüchen seiner neuen jungen Freundin Trudy (Kali Hawk) nicht gerecht werden. (Universal)

Datum: 01.11.2009

Facebook aktivieren

Diskussion: ""All inclusive"-Urlaub als Paartherapie"

Um eine Diskussion zu ""All inclusive"-Urlaub als Paartherapie" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 7869 - task = view - option = com_content - limitstart= 0