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City of God

City of God

(tsch) Als die brasilianischen Ghettokinder vor zwei Jahren über die weltweiten Leinwände hetzten, war das eine Offenbarung. Ein Kinowunder - schmerzhaft ehrlich erzählt und fiebrig-innovativ dargestellt. Dafür gab es auf der ganzen Welt Preise, lediglich die Oscar-Jury ignorierte den viermal nominierten Film "City of God" im "Herr-der-Ringe"-Rausch. Regisseur Fernando Meirelles, ein ehemaliger Werbefilmer, wurde trotzdem nach Hollywood beordert und verfilmte den John-le-Carré-Roman "Der ewige Gärtner". Dafür lehnte er sogar Nicole Kidman als Hauptdarstellerin ab. Zeitnah zum Kinostart (12.01.2006) seines neuen Films zeigt das Erste Meirelles' pulsierendes Ghettodrama als Free-TV-Premiere.

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Das Huhn rennt davon, wird von einer Bande durch die Straßen und Gassen der "City of God" gejagt. Die Jäger, das sind Kinder, bestenfalls Jugendliche, deren Waffen größer als sie selbst sind. Hochgerüstet für den letzten Kampf im berüchtigsten Slum Rio de Janeiros. Selbst die Polizei flieht vor der Macht der Kinder, die keine sein dürfen. Buscapé (Alexandre Rodrigues), der von der anderen Seite der Straße kommt und von einer Zukunft als Fotograf träumt, schneidet dem Huhn den Weg ab. Er zittert, hat Angst um sein Leben. Es ist schließlich die Gang Lockes (Leandro Firmino de Hora), Drogenboss des Viertels, die ihm gegenüber steht. Den sicheren Tod vor Augen lässt Fernando Meirelles das Leben Buscapés auf der Leinwand ablaufen.

Buscapé erzählt fortan aus seiner Perspektive vom Leben und Sterben in der Stadt Gottes. In immer neuen Rück- oder Seitenblenden zeigt er Rios größte Favela in all ihrer Härte und Wirklichkeit. Das Leben in der Siedlung, die in den 60er-Jahren auf dem Reißbrett entworfen wurde, ist intensives Training für die Hölle. Kinder werden hier nicht alt, der Alltag besteht aus Drogen und Gewalt. Die epische Bilderflut Meirelles beleuchtet die Zeitspanne von den Anfängen der "City of God" bis zu Beginn der 80er-Jahre: Der Aufstieg Lockes, der mit Geltungsbedürfnis, eisernem Willen und im Blutrausch das Viertel allein kontrolliert, und sein Niedergang aus den selben Gründen zeigen, wie erschreckend die Realität ist.

In hitzige Farben getaucht geben sich Meirelles und seine 110 Laiendarsteller dem Rhythmus der Wirklichkeit hin. Kreisende Kameras zeigen die Brutalität von allen Seiten, clipartige Zusammenfassungen im Zeitraffer verdeutlichen die Schnelllebigkeit im Elend, die Sprünge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und der Zeit dazwischen verbinden die Geschichte, treiben sie voran und machen die ganz eigene Dynamik der "City of God" auf der Leinwand spürbar.

Auf der Basis des Films haben Meirelles und acht weitere brasilianische Regisseure kurze Zeit später die TV-Miniserie "City of Men" (2002-2005) realisiert. In 30-minütigen Episoden tauchen sie erneut in die Favela ein und erzählen vom Leben und Sterben im Slum. Die Serie ist hierzulande auf DVD erhältlich.

Andreas Fischer


Löckchen / Dadinho (Douglas Silva) - der spätere Bandenführer Locke / Zé Pequeno - beginnt schon als Kind mit seinen ersten Morden.
Löckchen / Dadinho (Douglas Silva) - der spätere Bandenführer Locke / Zé Pequeno - beginnt schon als Kind mit seinen ersten Morden. (ARD Degeto)

Durch einen dummen Zufall gerät Buscapé (Alexandre Rodrigues) zwischen die Polizei und Lockes Straßengang.
Durch einen dummen Zufall gerät Buscapé (Alexandre Rodrigues) zwischen die Polizei und Lockes Straßengang. (ARD Degeto)

Der junge Buscapé (Luis Otavio) wächst in der "Cidade de Deus" auf, einem berüchtigten Armenviertel am Rande von Rio de Janeiro.
Der junge Buscapé (Luis Otavio) wächst in der "Cidade de Deus" auf, einem berüchtigten Armenviertel am Rande von Rio de Janeiro. (ARD Degeto)

Datum: 14.01.2006

Artikel ID 163382

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