"Elementarteilchen": Gute Verfilmung des Bestsellers
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Elementarteilchen
Streng genommen sind es zwei Geschichten, die Michel Houellebecq in seinem Roman "Elementarteilchen" erzählt. Jede würde auch für sich alleine funktionieren. Die eine wäre ein Drama über Wahnsinn und Depression, die andere ein eher dröges und latent kitschiges Porträt dessen, was gemeinhin als "Liebe mit Hindernissen" bezeichnet wird. Die Verfilmung durch Oskar Roehler zog nicht zuletzt dank hervorragender Hauptdarsteller im Frühjahr 2005 immerhin eine knappe Million Zuschauer in die Kinos. Nun läuft der Film als Wiederholung bei ARTE.
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Die Halbbrüder Michael (Christian Ulmen), ein verklemmter Molekularbiologe, und Bruno (Moritz Bleibtreu), ein verkrachter Schriftsteller mit seltsamen sexuellen Obsessionen und tiefen Depressionen, haben sich erst als Teenager kennengelernt. Ihre Mutter, Jet-Setterin, hatte niemals Zeit für sie. Viele Jahre später begegnen beide der Frau ihres Lebens: Michael verliebt sich in seine frühere Sandkastenfreundin Annabelle (Franka Potente), Bruno lernt in einem esoterischen Urlaubscamp die mysteriöse Christiane (Martina Gedeck) kennen, mit der er endlich seine Neigungen ausleben kann.
Der Tod der Mutter und diverse Kneipen sind die Nahtstellen zwischen den beiden Biografien, die hier nacherzählt werden. Die Nachtwache am Sterbebett oder ein Tresen und ein Glas Hochprozentiges zum flüchtigen Neuigkeitenaustausch - das schweißt selbst zwei so unterschiedliche Charaktere wie die beiden Halbbrüder zusammen. Vielleicht verbindet sie aber auch, dass sich ihr Leben nach jahrelanger Lethargie verändert - und zwar abseits der Sollbruchstellen.
Michael kündigt eine gut dotierte Forschungsstelle, um an den Ursprung seiner wissenschaftlichen Arbeiten in der Gentechnik zurückzugelangen. Bruno belästigt als Deutschlehrer eine Schülerin, woraufhin seine Ehe zerbricht und er in die Nervenheilanstalt flüchtet. Was bei beiden folgt, ist die Entdeckung der Liebe. - Wo Houellebecqs Buch ein Pamphlet gegen die 68er-Generation war, wo es wütend, aber beharrlich Tabus brach, kratzt der Film nur an der Oberfläche. Die Ursachen für die eigentümlichen Biografien der beiden Protagonisten werden nur angeschnitten, der Tod ihrer Mutter in einer anachronistischen Hippie-Kommune und die Rückblenden wirken nicht wie die Demontage eines Lebensmodells. Oft gelingt Roehler aber angenehm unambitionierte Komik, die gerade in Christian Ulmen einen versierten Interpreten hat.
"Elementarteilchen" wirkt - vor allem in der ersten Hälfte - seltsam unfertig: wie ein unhöflicher und flüchtiger Blick in zwei fremde Leben. Vielleicht ist genau das die Stärke des Films.
Hans Czerny
Bis zum Teenageralter wussten die Halbbrüder Michael (Christian Ulmen) und Bruno (Moritz Bleibtreu, links) nichts voneinander. (ARD / ARD Degeto)
Rückblende: Rabenmutter Jane (Nina Hoss) schleift ihren Teenager-Sohn Bruno (Thomas Dreschel, links) mit in eine Hippie-Kommune, wo er Bekanntschaft mit ihrem derzeitigen Lover (Simon Boer) machen muss. (ARD / ARD Degeto)
Anabelle (Franka Potente) zeigt ihrer großen Liebe Michael (Christian Ulmen) ihr Poesiealbum von früher, in der sie alle Erinnerungen an ihn aufbewahrt hat. (ARD / ARD Degeto)
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