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Weniger wäre hier mehr gewesen: "Das Vaterspiel"

Das Vaterspiel

(mb/tsch) „Das Vaterspiel“ ist ein Computergame, bei dem man nach Lust und Laune auf vielfältigen Weisen seinen eigenen Vater zur Strecke bringen kann. Der Erfinder: der 35-jährige Ratz aus Wien, der verschlossene Sohn eines Ministers, der den ganzen Tag das „Vaterspiel“ spielt und dessen Liebe zur eigenen Schwester über die rein brüderliche hinausgeht. Dann gibt es noch Mimi, seine Flamme aus alten Zeiten. Sie versteckt ihren Opa, der für den Tod vieler Juden verantwortlich ist, im Keller ihrer New Yorker Wohnung. Und Ulrich Tukur spielt den Sohn eines dieser NS-Opfer. Verschiedene Schicksale und Zeitebenen verwebt der österreichische Filmemacher Michael Glawogger zu einem komplexen Mosaik: eine ambitionierte Aufgabe, die lobenswert scheint. Doch er hat sein Filmpuzzle nicht völlig unter Kontrolle. Zu vieles drängt sich auf zu engen Raum, das nicht wirklich zueinander passt. Und so droht das sonst interessante Drama „Das Vaterspiel“ auseinanderzufallen.

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Ratz ist ein Sohn, der seinen Vater (Christian Tramitz) in einem selbst entwickelten Killerspiel als Zielscheibe benutzt. Dass jeder seinem Vater den Kopf abreißen will, ist sein Verkaufsargument. Ratz will das Spiel in den USA verhökern, reich und berühmt werden.

Ein Hilferuf seiner alten Studienfreundin Mimi (Sabine Timoteo) kommt dem in seiner Computerwelt eingekapselten Wiener da recht. Sie bittet ihn, nach New York zu kommen, um einen Keller auszubauen. Dort will sie ihren Großvater vor der Verfolgung verstecken: Ein schweigsamer alter Mann, der sich in der Nazizeit in Litauen grausamer Verbrechen schuldig gemacht hat.

Es ist emotional außergewöhnlich trist, was sich in der Romanverfilmung in verschiedenen Zeitebenen und an verschiedenen Orten - Ulrich Tukur hält als Opfer des Nazis 1959 in Deutschland einen eindringlichen Monolog - abspielt. Ein kalter, unnahbarer Vater, ein virtuell mordender Sohn, ein alter Mann, der real getötet hat, eine Enkelin, die ihn dafür verachtet, aber trotzdem versteckt: Mit der brutalen Unmittelbarkeit, die seine Filme und das österreichische Kino allgemein in den letzten Jahren auszeichnete, lässt Glawogger diese Charaktere auf das Publikum los.

Sie alle suchen in der Ultrarealität des Films vergeblich nach einem Ausweg aus ihren persönlichen Dilemmata, wollen, aber können nicht aus den Gefühlskäfigen ausbrechen, in die sie sich - begünstigt durch äußere Einflüsse - schlussendlich selbst einsperrten. Sie können sich nicht nah sein, so wie sie ihren Mitmenschen fremd sind. Wie soll man sich auch den Naziverbrechen eines anderen stellen, wenn man den eigenen Vater immer wieder auf dem Bildschirm abknallt?

Andreas Fischer

Credits:
V:Alamode, Österreich 2008, R: Michael Glawogger, D: Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Christian Tramitz u.a.

Laufzeit: 117 Min.

Kinostart:
26. November 2009


Ab wann macht man sich selbst schuldig, und wie geht man mit der Schuld anderer um: "Das Vaterspiel" ist eine exzellent herausgearbeitete Studie über das Wesen der Menschen.
Ab wann macht man sich selbst schuldig, und wie geht man mit der Schuld anderer um: "Das Vaterspiel" ist eine exzellent herausgearbeitete Studie über das Wesen der Menschen. (Alamode)

Ratz (Helmut Köpping) will ein Computerspiel verkaufen, in dem sein Vater so oft wie möglich abgeknallt werden muss.
Ratz (Helmut Köpping) will ein Computerspiel verkaufen, in dem sein Vater so oft wie möglich abgeknallt werden muss. (Alamode)

Mimi (Sabine Timoteo) bittet Ratz, nach New York zu kommen, um einen Keller auszubauen, in dem sie ihren Opa versteckt - einen alten Nazi.
Mimi (Sabine Timoteo) bittet Ratz, nach New York zu kommen, um einen Keller auszubauen, in dem sie ihren Opa versteckt - einen alten Nazi. (Alamode)

Datum: 25.11.2009

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