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Die Geisha

Die Geisha

(tsch) "Ich bin wie Wasser, kann sogar Steine schleifen und wenn ich aufgehalten werde, einfach die Richtung ändern." Chiyo (Suzuka Ohgo) ist neun Jahre alt, als ihr Vater sie und ihre ältere Schwester verkauft. Die Mädchen kommen in die Stadt und werden dort getrennt - die Schwester kommt in ein Bordell und Chiyo in ein Geisha-Haus. Allein und verlassen bleibt ihr nur das Wissen um die innere Kraft - eine Kraft so sanft und stark wie das Wasser - die sie in knapp zehn Jahren zu Sayuri, der begehrtesten Geisha des Landes, machen wird. Rob Marshall zeigt in "Die Geisha" (2005) ihre Geschichte.

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In den Musical-Theatern des Broadway ist Rob Marshall schon lange ein Star, auch im amerikanischen TV hat er seinen Durchbruch hinter sich (inklusive Emmy-Award). Mit seinem Leinwanddebüt "Chicago" (2002) hat der "gelernte" Choreograf dann als Kinoregisseur reüssiert: Bewegungsabläufe in harmonischer Perfektion, rhythmische Bildkompositionen und atemberaubende Kostüme kaschierten die dünne Story. Was bei einem Musical entschuldbar ist, wird bei einem Historiendrama wie "Die Geisha" allerdings zum Ärgernis. Mehr Schein als Sein, und dabei hatte Steven Spielberg vorsorglich den Regie-Stuhl geräumt und sich als Produzent in den Hintergrund zurückgezogen.

Seine Handschrift bleibt dennoch deutlich erkennbar. Steven Spielberg ist ein Meister darin, komplexe Stoffe Mainstream-kompatibel zu vereinfachen. Das passiert auch hier. Die Frauen, um die es geht, sind eigentlich mysteriös, nicht greifbar und verbergen hinter ihren porzellanweißen Gesichtern eines der großen Geheimnisse des Fernen Ostens. Das wird aber von Marshall/Spielberg unsanft gelüftet. Sie schicken Chiyo mit dem Mädchenhändler nach Kyoto, in eine scheinbar elegante Welt zu Mutter Nitta (Kaori Momoi). Die ist eine tüchtige Geschäftsfrau und kümmert sich um die Ausbildung ihrer Mädchen. Denn eine Geisha ist etwas anderes als nur eine Beischlafgespielin. Sie ist Unterhaltungskünstlerin - Tanz, Gesang, Konversation sind ihr Metier. Körperlich wird es nur einmal - beim Verkauf der Jungfräulichkeit.

Doch bis dahin ist eine lange Zeit, die zunächst nur Trauer, Heimweh, Ausbruchsversuche und Mobbing der zickigen Rivalin Hatsumomo (Gong Li) bereithält. Chiyos einziger Lichtblick in all den Jahren ist eine Kugel Eis, die ihr der Direktor (Ken Watanabe) eines Tages kauft. Eine schicksalhafte Begegnung, denn das Mädchen verliebt sich in den Geschäftsmann. Eine Liebe, die ihr ganzes Leben bestimmt, auch als sie mit Hilfe von Mameha (Michelle Yeoh) schon zur Geisha Sayuri (Zhang Ziyi) geworden ist und ihr die reichsten und mächtigsten Männer zu Füßen liegen.

1997 veröffentlichte der Amerikaner Arthur Golden den Roman "Die Geisha", der zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste der "New York Times" stand und in der ganzen Welt Millionen Leser begeisterte. Nach gründlichen Recherchen offenbarte Golden Einblicke in eine faszinierende Welt aus Konventionen, strengen Sitten und absoluter Aufgabe persönlicher Bedürfnisse. Das war informativ und recht spannend, ein Epos aus verschwundenen Zeiten. Der Film, der nun daraus resultiert, ist allerdings oberflächliches Gefühlskino mit prächtigen Kulissen und Kostümen zwar, aber ohne Herausforderung für das exzellente Darstellerensemble. Asiens Schauspiel-Elite Zhang Ziyi, Ken Watanabe, Michelle Yeoh und Gong Li kämpft einen aussichtslosen Kampf.

Denn trotz der hinreißenden Bilder ist "Die Geisha" eine künstlerische Enttäuschung: zu glatt, zu konfliktscheu, zu eindimensional. Mit dem Romanautor Artur Golden, Regisseur Rob Marshall und Produzent Steven Spielberg sind es drei amerikanische Männer, die vom Schicksal eines japanischen Mädchens erzählen, das zur gefeierten Geisha wird. Männerfantasien - schön anzusehen, aber standardisiert auf politisch korrekte Weltgewandtheit und Offenheit. Es ist ein Film, der sich nicht die Zeit nimmt, in die Geschichte und kulturelle Hintergründe einzutauchen, sondern sich auf langatmige zweieinhalb Stunden Kinounterhaltung beschränkt.

Die Lust am Spektakel reicht aber nur für einen schnellen Blick von außen. Die Augen quellen über, weil "Die Geisha" purer visueller Luxus ist. Kostümschneider, Kulissenbauer und CGI-Experten haben einen optischen Traum geschaffen - elegant und farbenprächtig - in dem Zhang Ziyi zerbrechlicher wirkt als chinesisches Eierschalen-Porzellan. Man glaubt den Atem anhalten zu müssen, damit sie nicht in tausend kleine Stücke zerbirst. Sie ist der große Lichtblick des Films. Ihre blauen Augen, die nur aus Wasser zu bestehen scheinen, werden im Gedächtnis bleiben, diese leuchtenden Perlen, sanft und zugleich kraftvoll und determiniert. Genau wie der Initiations-Tanz, eine exzessive, leidenschaftliche Schnee-Choreografie, die nichts weiter als die Essenz der Künste und des Leidens Sayuris und aller anderen Geishas ist.

Andreas Fischer

Credits:
V:Warner, USA 2005, R: Rob Marshall, D: Zhang Ziyi, Ken Watanabe, Michelle Yeoh u.a.

Kinostart:
19.01.2006


Elegant und zerbrechlich: Zhang Ziyi spielt nicht, sie ist "Die Geisha".
Elegant und zerbrechlich: Zhang Ziyi spielt nicht, sie ist "Die Geisha". (Warner)

Nachdem sie in die Stadt verkauft wurde, ist das neunjährige Mädchen Chiyo (Suzuka Ohgo) der niederträchtigen Geisha Hatsumomo (Gong Li) ausgeliefert.
Nachdem sie in die Stadt verkauft wurde, ist das neunjährige Mädchen Chiyo (Suzuka Ohgo) der niederträchtigen Geisha Hatsumomo (Gong Li) ausgeliefert. (Warner)

Mit Hilfe der schönen Mameha (Michelle Yeoh, rechts) wird aus dem Dienstmädchen Chiyo die bezaubernde Geisha Sayuri (Zhang Ziyi).
Mit Hilfe der schönen Mameha (Michelle Yeoh, rechts) wird aus dem Dienstmädchen Chiyo die bezaubernde Geisha Sayuri (Zhang Ziyi). (Warner)

Datum: 16.01.2006

Diskussion: "Die Geisha"

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