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Gut und vielfältig: Underworld vs. The Misterons "Athens"

Underworld vs. The Misterons Athens

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Vorsicht! Auch wenn Underworld mit "Born Slippy" einen der wohl wichtigsten Techno-Tracks der 90er-Jahre zu verantworten haben: Eine Kategorisierung der Band im reinen Techno war damals und ist heute Unsinn. Immerhin begannen Carl Hyde und Rick Smith bereits Ende der 70er-Jahre gemeinsam Musik zu machen, nahmen also quasi Wave wie auch Rave komplett mit, bevor sie Mitte der 90er-Jahre für eine im Übrigen nicht besonders lange Zeitspanne plötzlich im Fokus der Pop-Öffentlichkeit standen. Die beiden bisher in diesem Jahrzehnt erschienenen Studioalben, "A Hundred Days Off" (2002) und "Oblivion With Bells" (2007) schafften es nur noch in mittlere Hitparadenränge, lediglich in Japan reichte es für die Top 10. "Athens" hat nun mit Techno so gar nichts zu tun. Stattdessen lassen Underworld auf dem Album allerhand Kluges zwischen Ambient, Jazz und völlig freier Form stattfinden.

Einfach ist das nicht immer - eben weil es der dezidierte Anspruch des Samplers zu sein scheint, die Möglichkeiten der Improvisation und deren Verträglichkeit mit kontemporärer, ja immer dem Hedonismus verpflichteter Tanzmusik auszuloten. Underworld meiden aber den Rave an sich, spannen stattdessen einen sehr weiten Bogen, der die meditativen Sitar-Saxofon-Exegesen von Alice Coltrane ebenso einschließt wie verblüffend organisches Material von Squarepusher ("Theme From Sprite"), Weather-Report-Mann Miroslav Vitouss Fusion-Landkarten und Roxy Musics große Pop-Entwürfe ("2HB"). Aber auch für klackernde Afro-Beats von Laurent Garnier, ein wenig Eigenmaterial ("Oh") und ein schönes Pingpong-Spiel zwischen Hyde und Brian Eno ist Platz. Jener Track wurde live aufgenommen, heißt "Beebop Hurry" und kommt mit den nöligen Stream-Of-Consciousness-Vocals, die seinerzeit bei "Born Slippy" so viel Spaß machten.

"Die Idee dieses Albums ist es, Aufnahmen zu zeigen, bei denen uns das echte Live-Spiel beeindruckt hat", sagt die Band selbst. Bleibt die Frage nach dem Projektnamen: Wer sind jene Misterons, gegen die Underworld da anspielen lassen? Die Antwort ist einfach: sie selbst, ergänzt durch ihren langjährigen Session- und Live-Musiker Darren Price und Kreativkopf Steven Hall. Gute Mischung, offenbar.

Jochen Overbeck


Datum: 23.11.2009

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