Tattoo
(tsch) Mit ethnisch angehauchten Tätowierungsschnörkeln über dem Steiß, gerne auch als "Arschgeweih" bezeichnet, hat Robert Schwentkes Thriller "Tattoo" (2002), den ProSieben nun wiederholt, zum Glück rein gar nichts zu tun. Vielmehr entführt der Regisseur, der zuletzt mit "Flight Plan" auch in Hollywood zum Höhenflug ansetzte, den Zuschauer in die exotische Welt japanischer Körperkunst und inszeniert vor diesem Hintergrund einen überaus spannenden Thriller, in dem selbst das Vertraute seltsam fremd wirkt.
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Eine Gestalt torkelt heran. Als die junge Frau an der Kamera vorbeiläuft, sieht der Zuschauer ihren Rücken, der nur noch eine einzige blutende Wunde ist. Sie bleibt orientierungslos mitten auf der Straße stehen und wird mit voller Wucht von einem herankommenden Laster erfasst, der anschließend in eine Reihe parkender Autos prescht.Schon in der Eingangssequenz mutet Schwentke seinem Kinopublikum einiges zu. David Finchers "Sieben" oder auch Jonathan Demmes "Das Schweigen der Lämmer" sind augenscheinlich die beiden Referenzfilme, an denen sich der Regisseur sowohl hinsichtlich der Atmosphäre als auch in puncto Spannungsaufbau orientiert. Nur haben es die von Christian Redl und August Diehl gespielten Polizisten Minks und Schrader nicht mit einem Haufen Psychopathen, sondern mit einer verdeckt operierenden Tattoo-Mafia zu tun, die vor keinem noch so brutalen Verbrechen zurückschreckt. Als bei einer von Minks durchgeführten Razzia Schraders Jacke mit einigen Ecstasy-Pillen gefunden wird, stellt er den jungen Polizisten vor die Wahl: Entweder er nutzt seine Kenntnisse der Techno-Szene, um ihm bei der Suche nach seiner verschwundenen Tochter Marie (Jasmin Schwiers) zu helfen, oder seine Laufbahn ist wegen Drogenbesitzes beendet. Doch die Spur führt bald noch in eine ganz andere Richtung. Durch Zufall kommt Schrader hinter das Rätsel einer unheimlichen Mordserie, bei der den Opfern große Stücke ihrer Haut fehlen. Es stellt sich heraus, dass sie kunstvolle und seltene Tattoos auf dem Körper trugen, auf die es der Täter abgesehen hat. Bei seinen Recherchen trifft Schrader auf Maya, eine ebenso schöne wie mysteriöse junge Frau, die mehr über die Hintergründe des Verbrechens zu wissen scheint, als sie preisgeben will. Schwentke präsentiert dem Zuschauer in erster Linie ein stylish in Szene gesetztes Spiel mit den Konventionen des Thriller-Genres. So gibt es natürlich auch die geheimnisvolle Schöne (Nadeshda Brennicke), hinter deren kühler Fassade sich wahre Abgründe verbergen. Weiter bergauf geht es hingegen für den 37-Jährigen. Derzeit ist mit der Vorproduktion zu seinem neuen Film "Runaway Train" beschäftigt. Wieder ist's eine US-Produktion. Auf das Geheimnis seines Erfolges angesprochen, sagte der gebürtige Stuttgarter mit schwäbischer Bescheidenheit: "Ich glaube, dass es im Moment eine unheimlich gute Zeit ist, in Hollywood Fuß zu fassen. Wenn die das Gefühl haben, dass ihnen die Zuschauer wegbleiben, dann gehen die Türen ein bisschen auf und dann kommt einfach frisches Blut nach."
Bernd Fetsch
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Tattoo
ProSieben
03.12.2005
22:45:00
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| Minks' Tochter Marie (Jasmin Schwiers) ist in der Techno-Szene untergetaucht und arbeitet als Barkeeperin. (ProSieben / Tobis StudioCanal) |
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| Marc Schrader (August Diehl, links) und Minks (Christian Redl) bewundern bei einem Sammler ein kunstvoll gestochenes Ganzkörpertattoo. (ProSieben / Tobis StudioCanal) |
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| Marc Schrader (August Diehl, links) und Minks (Christian Redl) sollen eine rätselhafte Mordserie aufklären. Den Opfern wurden ihre wertvollen Tattoos vom Körper entfernt. (ProSieben / Tobis StudioCanal) |
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