(tsch) Die "Schillerstraße" (freitags, 20.15 Uhr, Sat.1) hat einen neuen Mieter. Niemand Geringerer als Erfolgs-Schauspieler Jürgen Vogel bezog Ende Januar die berühmte Kölner Bühnen-Wohnung. Gleichzeitig, wenngleich nicht ganz so neugierig beäugt, feierte auch Lisa Feller ihren Einstand in der Impro-Show. Befehle aus dem Off bringen den blonden Lockenkopf (meistens) nicht aus der Ruhe. Denn die 33-jährige, aufstrebende Comedienne spielt unter anderem seit acht Jahren in einer Improvisations-Theater-Combo in Münster. Ihre Spontaneität besteht auch abseits der Bühne den Alltags-Test: Lisa Feller versteht es im Interview problemlos, ihren zweijährigen Sohn Leo und ihren Gesprächspartner gleichzeitig bei Laune zu halten.
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teleschau: Frau Feller, haben Sie sich an den Knopf im Ohr schon gewöhnt?
Lisa Feller: Ja, sofort. Früher, als ich "Schillerstraße" noch im Fernsehen schaute, fand ich die Vorstellung, einen Knopf im Ohr zu haben, total aufregend. Und jetzt fragt man sich, in welchem Ohrenschmalz der wohl vorher gesteckt hat (lacht) ...
teleschau: Oh, die werden nicht gereinigt?
Lisa Feller: Ich weiß das gar nicht. Vielleicht ist es auch wie beim Zahnarzt, wo abends alles desinfiziert wird.
teleschau: Eigentlich war mit der Frage auch die Stimme im Ohr gemeint ...
Lisa Feller: Das ist auch kein Problem. Sie spricht halt zu mir. Übrigens hört man die Anweisungen der anderen Comedians überhaupt nicht. Im ersten Moment dachte ich: "Oh Gott, jetzt bekommen doch alle mit, was ich machen soll!"
teleschau: Würden Sie denn alles befolgen, was von Ihnen verlangt wird? Schlimmstenfalls: Lisa, lauf einmal nackt über die Bühne!
Lisa Feller: Ü-18-Regieanweisungen waren bis jetzt zum Glück nicht dabei. Aber prinzipiell ist eine Grundregel vom Impro-Theater: Ja sagen! Nicht einfach nur blöd gehorsam leisten, sondern jeder Idee positiv gegenüberstehen, weil das die Geschichte weiterbringt.
teleschau: Was war die schwierigste Regieanweisung, die Sie bis jetzt in der "Schillerstraße" bekommen haben?
Lisa Feller: Das war die allererste, und nur deshalb, weil es die erste war. Ich war so unglaublich aufgeregt, völlig unentspannt und stand total neben mir. Dann kam die Regieanweisung, und ich dachte mir nur: "Oh Gott, jetzt muss ich auch noch was tun!"
teleschau: Inzwischen geht es Ihnen aber besser?
Lisa Feller: Manchmal hilft die Aufregung sogar. Aber meistens denke ich mir auf der Bühne nur noch: "Ach, wie schön, jetzt habe ich wieder eine Aufgabe." Impro-Comedy ist eine sehr spannende Herausforderung, die mir großen Spaß macht.
teleschau: Freude am Kontrollverlust. Kann man durch Impro-Comedy auch fürs Leben lernen?
Lisa Feller: Na total! Ich gebe selbst auch Impro-Kurse. Mein Ziel ist es, dass die Teilnehmer schließlich im Alltag nicht mehr "da musste ich improvisieren", sondern "da durfte ich improvisieren" sagen. Ich selbst habe über die Jahre sehr viel gelernt, und ich weiß: Irgendeinen Ausweg gibt es immer. Man neigt dazu, alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen und vorzubereiten, und wenn dann etwas Unvorhergesehenes passiert, haut es einen total aus den Socken. Aber das Leben schenkt uns immer wieder Ausweichmöglichkeiten. Das lernt man auf der Bühne: Es geht immer weiter. Impro heißt ja nicht einfach nur, Gags landen, sondern unvorhergesehenen Situationen gegenübertreten.
teleschau: Kann man Spontaneität tatsächlich lernen?
Lisa Feller: Es bedeutet, Angst abzubauen.
teleschau: Das tun sie nun schon seit acht Jahren mit Impro-Comedy im "placebotheater" in Münster ...
Lisa Feller: Ja, alles begann als Studenten-Combo. 2004 gewannen wir dann den Impro-Cup, und plötzlich klopften auch diverse Firmen an, für die wir nun regelmäßig spielen.
teleschau: Einst bändigten Sie als Lehrerin eine Klasse Grundschüler. War das für Sie nicht spontan und actionreich genug?
Lisa Feller: Ich habe - und darauf bin ich sehr stolz - das Erste Staatsexamen gemacht, aber ich ging danach nicht ins Referendariat. Es macht mir nicht so viel Spaß, Kindern etwas beizubringen, es ist schöner, sich über sie lustig zu machen.
teleschau: Dann waren Sie sicher sehr beliebt als Lehrerin?
Lisa Feller: Ja, und ich finde Kinder auch total super. Aber wenn ich gesagt habe: "So, jetzt setzt Euch mal alle hin!" Dann hieß es nur: "Nö!" Die hatten überhaupt keinen Respekt vor mir. Das war mir zu anstrengend (lacht).
teleschau: Was haben Sie statt des Referendariats gemacht?
Lisa Feller: Das wollte mein Professor auch wissen. Er gab mir eine ganz gute Note und fragte, wo es mich denn nun hinverschlägt. Als er erfuhr, dass ich jetzt zum Insel-Radio nach Mallorca gehe, wollte er mich am liebsten nachträglich noch schlechter bewerten. Ich hatte vorher schon Studenten-Radio gemacht und Theater gespielt. Wie man halt so anfängt ... Und als mir der Erste Geld für meine Comedy zahlte, dachte ich nur: "Mann, ist der blöd! Mir macht das doch Spaß."
teleschau: Und Sie sind ein wahres Multitalent: Sie treten im Theater, im Radio und im TV auf, haben ein eigenes Bühnenprogramm. Müssen Sie immer unter Strom stehen?
Lisa Feller: Ja (lacht), ich muss! Als ich schwanger wurde, dachte ich zuerst: "Jetzt ist es vorbei mit der Comedy!" Bis ich merkte, dass es mit Kind auch geht.
teleschau: Zu Beginn Ihres Bühnenprogramms "Ex und Hopp" heißt es: "Um ehrlich zu sein, stehe ich heute nur hier, um ein paar Minuten für mich zu haben." - Flüchten Sie etwa vor Mann und Kind?
Lisa Feller: (lacht). Nein, das ist einfach nur ein ganz banaler, platter Gag, der allerdings immer funktioniert. Ich finde mein Kind super.
teleschau: Und Ihren Mann? Ein wichtiger Themenpunkt bei "Ex und Hopp" ist seine Ex ...
Lisa Feller: Eines Tages meinte er, ich müsste unbedingt mal seine Ex kennenlernen. Ich dachte nur: "Freund, Du wirst mich gleich kennenlernen!" Aber sie war natürlich total nett - da hätte ich doppelt kotzen können ... In gemeinsamen Gesprächen mit Freunden stellte sich schnell heraus, dass "die Ex" an sich ein absolutes Comedy-Thema ist. Eigentlich war es die Idee meines Mannes. Er ist mein größter Fan und Förderer. Das klingt jetzt vielleicht schleimig, aber mein Mann ist wirklich toll.
teleschau: Und er unterstützt Sie auch dabei, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen?
Lisa Feller: Ja, bisher war er als Wirtschaftsinformatiker selbstständig und konnte von zu Hause aus arbeiten. Seit ein paar Tagen arbeitet er allerdings in Hamburg. Ich bin gespannt, wie das nun klappt. Aber ich habe auch eine super Babysitter-Infrastruktur mit Mama und Schwiegermama.
teleschau: Was sagt Ihr Mann dazu, dass Sie jetzt öfter bei Jürgen Vogel "zu Hause" vorbeischauen?
Lisa Feller: Mein Mann ist bei jeder "Schillerstraße" dabei. Da besteht keine Gefahr. Aber Jürgen ist schon eine coole Sau! Und außerdem ein super Teamplayer.
teleschau: Es hat ja einige überrascht, dass er der neue Hauptmieter der "Schillerstraße" wird ...
Lisa Feller: Ja, mich auch. Ich las die Neuigkeit im Urlaub in Barcelona in einer deutschen Boulevardzeitung. Ich war total perplex. Die Nachfolge von Cordula Stratmann anzutreten, ist nicht leicht. Jürgen ist außergewöhnlich. Er verleiht der "Schillerstraße" eine ganz eigene Note.
teleschau: Durch die "Schillerstraße" werden Sie nun einem breiteren Publikum bekannt ...
Lisa Feller: Das hoffe ich doch (lacht). Nicht, dass das alles einfach so an mir vorbeizieht und ich noch nach hundert Folgen unerkannt über die Straße gehen kann. Derzeit drehen sich jedenfalls noch keine Teenies kichernd weg. Aber mein Stand-up-Programm läuft momentan auch richtig gut. Ich empfehle mich also ebenfalls auf den Bühnen. Vor Kurzem spielte ich auch im Programm von Cindy aus Marzahn.
teleschau: Die Comedy-Frauen unterstützen sich also gegenseitig. Haben es weibliche Comedians schwerer?
Lisa Feller: Nun zunächst heißt es: "Endlich mal eine Frau!" Dann aber gleich: "Dann muss die jetzt aber richtig gut sein!" Der Weg ist für Frauen im Comedy-Business keinesfalls geebnet. Man muss ganz schön ackern.
teleschau: Träumen Sie davon, auch einmal wie Mario Barth ein ganzes Stadion zu füllen?
Lisa Feller: Das muss echt nicht sein. Das Olympiastadion ist jetzt für alle das Synonym für: "Boa, da hat's einer geschafft!" Wie Dieter Nuhr so schön sagte: "Mario Barth hat den Sozialneid in die Comedy gebracht." Ich bin aber so was von zufrieden, wenn ich einfach nur entspannt von der Comedy leben kann.
Ute Nardenbach
Lisa Feller liebt ihren Job: "Als mir der Erste Geld für meine Comedy zahlte, dachte ich nur: 'Mann, ist der blöd! Mir macht das doch Spaß." (HB Management)
Lisa Feller war bei ihrem ersten Einsatz in der "Schillerstraße" sehr aufgeregt: "Dann kam die Regieanweisung, und ich dachte mir nur: 'Oh Gott, jetzt muss ich auch noch was tun!" (Sat.1 / Frank Hempel)
Freude am Kontrollverlust: Lisa Feller spielt unter anderem seit acht Jahren in einer Improvisations-Theater-Combo in Münster. (Sat.1)
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