Als Grieche wurde er berühmt: "Mein Name ist Dimitri Stoupakis, ich bin 30 Jahre alt, von Zeichenstern Fraujung und in meiner Zeitfrei bastle ich so Häuschenvogel mit meinem Schwanzfuchs", erklärte Rick Kavanian in "Der Schuh des Manitu". Schon zuvor in der "Bullyparade" durfte sich das Münchner Dialektgenie austoben und begeisterte das Fernsehpublikum mit skurrilen Figuren wie dem sächselnden, ewig grimmigen Jens Kasirske oder dem einfach gestrickten Schwaben-Klaus. In seinem Bühnenprogramm "Kosmopilot" (Di., 31.03. und 07.04., 21.15 Uhr, ProSieben; DVD-Veröffentlichung: 27.03.), mit dem er seit 2006 in unregelmäßigen Abständen tourt, beweist der 38-Jährige, dass noch viel mehr in ihm steckt. Die Klitschko-Brüder und schweizerdeutsche Snowboardlehrer zum Beispiel ...
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teleschau: Herr Kavanian, in Ihrem Programm erzählen Sie unter anderem von Ihren traumatischen Erlebnissen mit Snowboards und den dazugehörigen Schweizer Lehrern. Zählen Sie mittlerweile zu den "Lords of the Boards"?
Rick Kavanian: Leider immer noch nicht. Ich will es aber auch gar nicht mehr lernen. Es war so frustrierend, als dauernd kleine Kinder vorbeikamen und mir zeigten, wie es geht. Ich dachte: "Das gibt's überhaupt nicht, warum können die das?" Und: Ich musste am Babyhang üben, das war richtig ätzend. Zwischen zehn und 13 lernte ich Skifahren, das ging einigermaßen, aber Snowboarden ist gar nicht mein Ding.
teleschau: Haben Sie Tipps für angehende Skifahrer?
Kavanian: Nicht zu sehr in die Rückenlage gehen, wurde mir immer gesagt. Ich war immer einer, der sich gern am Schaft vom Stiefel ausruhte. Aber es ist schon Jahrtausende her, dass ich auf den Brettern stand. Vielleicht sollte ich das auffrischen.
teleschau: Nimmt Sie überhaupt noch irgendein Schweizer Skilehrer auf, nachdem Sie diese Berufsgruppe durch den Kakao gezogen haben?
Kavanian: Das ist eine gute Frage. Ich hoffe es. Ich müsste mich vielleicht als jemand anderes ausgeben. Als amerikanischer Tourist möglicherweise.
teleschau: Ist es einfacher, fiktive Figuren wie Dimitri Stoupakis zu entwickeln oder reale Personen wie Edmund Stoiber oder die Klitschkos zu imitieren?
Kavanian: Das ist sehr verschieden. Bei Edmund Stoiber brauchte ich viel Übung und dachte zwischendurch auch, ich sollte es besser lassen. Ich muss ehrlich sagen, mein Stoiber ist eine Art Free-Jazz-Variante. Er ist sehr eigen. Und die anderen Figuren, die ich spiele, sind nicht erfunden. Es gibt für alle Charaktere eine reale Grundlage. Menschen, die ich sehe, die mich beschäftigen und die ich mag. Ich versuche, sie auf meine Art und Weise zu interpretieren. Ich habe kein Computerprogramm, in dem ich einen Franken generieren kann, der lispelt und hektisch ist.
teleschau: Das heißt, Sie haben in Ihrem Bekanntenkreis einen Rocker Giagl, einen Jens Kasirske und einen Dimitri Stoupakis?
Kavanian: Jens Kasirske ist eine Ausnahme, der stammt nicht aus meinem Bekanntenkreis. 1988 machte meine Schulklasse einen Ausflug nach Berlin. An einem Tag waren wir auf der Ostseite. Am Checkpoint Charlie kontrollierte uns ein Grenzpolizist, der war einfach Jens Kasirske. Der war wahnsinnüsch böse. Der mochde misch überhaubt nisch: "Stdellen Sie sisch mal stramm hin, Augn geradeaus. Brille runder, Kopf nach lings drehn. Stobb. Aufrecht, hab isch gesagd." Er war unheimlich streng, den bekam ich nicht mehr aus meinem Kopf.
teleschau: Wobei Sie auch immer mit Klischees spielen ...
Kavanian: (lacht) Das ganze Leben ist ein Klischee.
teleschau: Anders formuliert: Sind Parodien gefährlich? Die Klitschkos beispielsweise können sich wehren.
Kavanian: Absolut, und wie die sich wehren können. Aber ich unterstelle ihnen, dass sie einen gesunden Humor haben und sehen, dass ich zwei Meter kleiner bin als sie. Ich appelliere an ihre ukrainische Vernunft.
teleschau: Von den beiden liegt also noch kein Feedback vor?
Kavanian: Bei einer Veranstaltung in Berlin kam Wladimir zu mir und sagte: "Du bjist eecht ljustig." Aber ich weiß nicht, ob er zu diesem Zeitpunkt etwas von meinem Programm wusste.
teleschau: Sind ausländische Dialekte eigentlich schwieriger zu erlernen als inländische?
Kavanian: Das kann ich nicht pauschal unterschreiben. Ich habe zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Rheinischen. Das liegt mir gar nicht. Es kann sein, dass ausländische Dialekte mir vertrauter sind, weil ich dank meiner armenischen Wurzeln mehrsprachig aufwuchs. Aber man muss alle Dialekte üben. Ich weiß: Wenn ich den einen oder anderen eine Zeit lang nicht gesprochen habe, verlerne ich ihn.
teleschau: Wie viele Sprachen sprechen Sie?
Kavanian: Vier: Armenisch, Rumänisch, Deutsch und Englisch.
teleschau: Wie entdeckten Sie Ihr Talent für Dialekte?
Kavanian: Zum einen entwickelte ich schon als Kind ein Gehör dafür. In meiner Zeit beim Radio kultivierte ich das Imitieren, weil ich nur meine Stimme hatte und sie möglichst vielfältig einsetzen wollte. Mich faszinieren die Klänge verschiedener Sprachen. Es ist mein Pferdstecken, wie Dimitri sagen würde.
teleschau: Wie lang brauchen Sie im Gespräch, um herauszuhören, aus welcher Gegend ihr Gegenüber stammt?
Kavanian: Das geht relativ schnell, aber ich könnte nicht immer die Hand ins Feuer legen. Kürzlich gab ich einer Frau ein Interview, die behauptete, sie käme aus der Schweiz, lebe aber seit fünf Jahren in Berlin. Ich rätsele immer noch, ob sie mich brutalst gut verarschte: Ich hörte die ganze Zeit angestrengt zu und dachte "Das gibt es doch nicht, irgendwann muss sie doch in die Falle tappen". Aber sie sprach lupenreines Hochdeutsch.
teleschau: Wer ist eigentlich Ihr Testpublikum?
Kavanian: Meine allererste direkte Testperson ist meine Frau. Und dann gibt es ein paar gute Freunde, die mir sagen: "Rick, das ist nicht komisch, das kann man nicht machen."
teleschau: Dann gehört Ihre Frau nicht zu den Komikerfrauen, die nicht über die Witze Ihres Mannes lachen können?
Kavanian: Nein, zum Glück nicht. Ilkas Sinn für Humor ist sehr gut ausgeprägt, und sie sagt mir immer ihre ehrliche Meinung. Wenn sie meint, eine Nummer wäre zu schwer zu verstehen oder zu testosteronlastig oder zu klischeehaft, dann vertraue ich ihrem Urteil und rudere noch einmal zurück.
teleschau: Hatten Sie zu Beginn Ihrer Tour Angst, dass es heißen könnte: "Der Typ aus der 'Bullyparade' ist allein gar nicht witzig"?
Kavanian: Ja, natürlich. Ich war sehr aufgeregt, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die Leute Spaß an dem haben, was ich tue. Das ist sehr beruhigend, denn ich wünschte mir seit acht oder neun Jahren, etwas ohne "Bully" Herbig und Christian Tramitz zu machen. Nicht, weil ich die beiden nicht mag, sondern weil Gruppenarbeit auch immer Kompromissarbeit ist. Über all die Jahre sammelten sich viele Ideen an, die ich nun verwirklichen kann.
teleschau: Zum Beispiel, Stand-up statt Sketche zu machen ...
Kavanian: ... und nicht verkleidet zu sein, in Frauenkleidern mit Make-up und High Heels. Ich bin sozusagen unplugged unterwegs, in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen. Dass die Leute daran auch Spaß haben, ist für mich das größte Glück.
teleschau: Was war die größte Umstellung beim Sprung auf die Bühne?
Kavanian: Ich habe nichts, hinter dem ich mich verstecken kann. Auf der Bühne bin ich antastbar, verletzbar. Beim Fernsehen bekomme ich nicht mit, ob die Leute mich unmöglich finden. Höchstens am Tag darauf, wenn E-Mails und Anrufe eingehen. Das Publikum quittiert sofort jeden Witz, die guten wie die schlechten.
Annekatrin Liebisch
Schon in der "Bullyparade" war Rick Kavanian berühmt für seine Wandelbarkeit. (ProSieben / Jürgen Olczyk)
Vom sächselnden Ex-Kosmonauten bis zum schwyzerdütschen Teenie: Rick Kavanian kann alles. (ProSieben / Jürgen Olczyk)
Rick Kavanian ist seit 2006 mit seinem Soloprogramm "Kosmopilot" auf Tour. (ProSieben / Jürgen Olczyk)
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