Als omnisexueller, Aliens jagender Zeitreisender schaffte er den großen Durchbruch. John Barrowman, Chef der Geheimorganisation "Torchwood" (13 Folgen, mittwochs, 22.05 Uhr, RTL II), gelingt es spielend, die Welt vor fiesen Kreaturen aus dem All zu retten, dabei blendend auszusehen und heftig mit Männlein, Weiblein und "E.T." zu flirten. Ebenso vielseitig scheint der 42-jährige Schotte auch abseits der BBC-Sci-Fi-Serie zu sein. Der Vollblut-Entertainer betätigt sich neben der Schauspielerei auch als Sänger, Musical-Darsteller, Moderator, Casting-Juror und Buch-Autor. Sein Herz gehört allerdings seit mehr als 15 Jahren seinem Partner Scott. Im Interview verrät der gut aufgelegte John Barrowman, warum er gerne Vorbild für junge Homosexuelle ist, und gibt zudem noch Beziehungs- und Karriere-Tipps.
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teleschau: In "Torchwood" spielen Sie den zeitreisenden Alienjäger Captain Jack Harkness. Hatten Sie selbst schon mal eine Begegnung der dritten Art?
John Barrowman: Nein, noch nicht. Aber dennoch glaube ich nicht, dass wir allein sind im Universum. Es wäre arrogant von uns, anzunehmen, dass wir die intelligentesten Lebewesen im All sind. In meinem Job gibt es allerdings viele seltsame Typen. Vielleicht bin ich ja doch schon dem einen oder anderen Alien begegnet (lacht) ...
teleschau: Auf Zeitreise gingen Sie aber wohl noch nicht. Welcher Epoche würden Sie gerne mal einen Besuch abstatten?
Barrowman: Privat würde ich gerne meine Vorfahren kennenlernen. Beruflich interessieren mich die 40er- und 50er-Jahre, die Zeit der großen MGM-Musicals. Der großartige Musical-Performer Howard Keel sagte mir einmal: "John, Du hättest mir damals wirklich Konkurrenz gemacht." Der unartige Junge in mir würde außerdem gerne ins alte Rom reisen und sich die römischen Bäder anschauen (lacht). In den 50-ern und 60-ern könnte ich mich wiederum als schwuler Mann outen und die Revolution beginnen ...
teleschau: In die Zukunft zieht es Sie nicht?
Barrowman: Doch, mich interessiert vor allem das Thema "Globale Erwärmung". Ich wüsste gerne, was uns diesbezüglich wirklich erwartet und wie wir uns schützen können.
teleschau: Blicken Sie denn optimistisch in die Zukunft?
Barrowman: Ich bin ein Optimist. Ich glaube an die Menschheit. Obwohl in der Zukunft sicher auch schlimme Dinge passieren werden, am Ende werden wir immer das Richtige tun. Bis dahin dauert es vielleicht nur eine Weile.
teleschau: Captain Jack Harkness, der aus dem 51. Jahrhundert stammt, scheint nicht nur sexuell liberal eingestellt zu sein. Glauben Sie, dass unsere Gesellschaft tatsächlich immer aufgeschlossener wird?
Barrowman: In der Zeit, aus der er kommt, ist beispielsweise die sexuelle Orientierung nicht mehr von Bedeutung. Auch in der Realität verändert sich einiges. Wir kommen in vielen Bereichen voran. Aber es gibt immer noch eine Menge Leute, deren Ansichten wir ändern müssen. Ich verlange von den Menschen nicht, dass sie mögen, wie ich bin, aber dass sie mich respektieren. Und wenn sie das nicht tun, sage ich: "F... You! Ich brauche Euch nicht in meinem Leben."
teleschau: In "Torchwood" stehen Sie auf Männer, Frauen - manchmal auch Aliens. Wie reagierte das britische Publikum auf ihre omnisexuelle Rolle?
Barrowman: Das war überhaupt kein Thema. Ich denke, "Torchwood" ist so erfolgreich, weil es von Beziehungen handelt. Ob nun zwischen Männern und Frauen, Männern und Männern, Frauen und Frauen, Aliens und Menschen - das macht keinen Unterschied. Es geht um Emotionen. Ich glaube, niemand hatte ein Problem mit Jack, weil seine Gefühle einfach echt sind.
teleschau: Sie selbst sind seit mehr als 15 Jahren mit Ihrem Partner zusammen. Was ist ihr Geheimnis für eine funktionierende Partnerschaft?
Barrowman: Mein Geheimnis ist, ehrlich miteinander zu sein. Und außerdem: Wenn etwas schief geht in einer Beziehung, muss man sich einfach nur fragen: Liebe ich meinen Partner so sehr, dass diese Beziehung es wert ist, gerettet zu werden? Sollte ein kleiner Fehler alles, was man hatte, zerstören oder ist man erwachsen genug, sich damit auseinanderzusetzen? Ich empfinde sehr viel für Scott, und wir sprechen über unsere Probleme. Es ist wichtig, miteinander reden und auch miteinander streiten zu können.
teleschau: Sie sprechen nicht nur offen über Ihre Gefühle, auf Ihrer Homepage sind auch einige private Fotos von Ihnen zu sehen: mit Ihrem Partner, Ihrer Familie, Ihren Freunden, Ihren Hunden ...
Barrowman: Ich habe nichts zu verbergen. Das will ich auch nicht. Wenn jemand ein Bild meiner Hunde sehen will, dann kann er das. Wieso sollte ich mich abschotten, nur weil ich berühmt bin. Das ist das Beste, was mir je passiert ist. Ich weiß meine Fans zu schätzen.
teleschau: Ist Ihre Offenheit auch Selbstschutz? Je mehr Sie von sich selbst preisgeben, umso weniger Raum bleibt für Gerüchte ...
Barrowman: Ja, weil ich die Wahrheit sage, muss niemand irgendetwas erfinden. Wenn doch mal Gerüchte entstehen und ich der Presse sage, dass sie nicht stimmen, dann glaubt man mir. Denn jeder weiß, ich bin ehrlich und freimütig.
teleschau: Sehen Sie sich auch als Vorbild für junge Homosexuelle?
Barrowman: Das soll sich jetzt nicht selbstgefällig anhören: Aber ich hätte, als ich aufwuchs, gerne ein Vorbild wie mich gehabt. Ich hätte gerne zu jemandem aufgeschaut, der schwul ist, aber wie ich Autos mag, Technik, Outdoor-Sport - männliche Sachen eben. Ich hätte gerne mit neun Jahren, als ich wusste, ich bin irgendwie anders, jemanden gehabt, der mir meinen Weg zeigt. Ich bin sehr gerne ein Vorbild, wenn ich jungen Menschen damit helfen kann, mit sich selbst ins Reine zu kommen.
teleschau: "Anything Goes" ist der Titel Ihrer Autobiografie. Ist das Ihr Lebensmotto?
Barrowman: Der Titel hat eine doppelte Bedeutung. Zum einen begann mit der gleichnamigen Show von Cole Porter meine Karriere. Und natürlich beschreibt "Anything Goes" auch meine Lebenseinstellung. Derzeit arbeite ich übrigens an einem weiteren Buch, in dem ich meinen Fans zu verschiedenen Themen - etwa zum Coming-out - Tipps gebe und noch mehr von meinem Leben erzähle. Ich bekomme sehr viele Zuschriften, in denen ich um Rat gefragt werde.
teleschau: "Anything Goes" trifft auch beruflich auf Sie zu: Sie sind Schauspieler, Sänger, Musical-Darsteller, Moderator, Juror, Buch-Autor. Als was sehen Sie sich hauptsächlich?
Barrowman: Ich bin ein Entertainer. Ich verrate nicht, ob ich irgendetwas lieber mache. Sonst heißt es gleich, dass ich das andere nur halbherzig tue. Schließlich liebe ich es, Arbeit zu haben. Und in Zeiten der Finanzkrise ist das besonders wichtig (lacht) ...
teleschau: Haben Sie Ihre Karriere hauptsächlich Ihrem Fleiß zu verdanken?
Barrowman: Man muss hart arbeiten und Chancen wahrnehmen. Ich kenne einige Menschen, die lieber nichts tun, als beispielsweise einen Werbespot zu drehen. Ich sage nur: "Seid Ihr blöd? Das ist Arbeit! Das ist Aufmerksamkeit! Bekommt Euren Hintern hoch! Hört auf, so anspruchsvoll zu sein, und dreht den verdammten Spot!" Das ist meine Arbeitsmoral.
teleschau: Seit einiger Zeit helfen Sie als Juror diverser Casting-Shows auch Nachwuchs-Talenten auf die Sprünge. Viele Casting-Karrieren sind aber nicht gerade von langer Dauer ...
Barrowman: Wenn man einen anständigen Manager hat und vorbereitet ist auf das, was einen erwartet, sind Casting-Shows ein guter Karriere-Einstieg. Außerdem laufen solche Sendungen über Jahre und geben hunderten von Menschen einen Job. Diejenigen, die sich am lautesten über Casting-Formate beschweren, haben meistens zu wenig Talent, um selbst mitzumachen, oder sind einfach nur neidisch. Deshalb sage ich: "Hoch mit dem Hintern und bewerbt Euch doch einfach das nächste Mal, anstatt rumzumeckern!"
Ute Nardenbach
"Torchwood"-Anführer John Barrowman ist ein wahres Multitalent: Der 42-jährige Schotte ist Schauspieler, Sänger, Musical-Darsteller, Moderator, Juror, Buch-Autor ... (RTL II / 2006 BBC / Steve Brown)
John Barrowman ist Optimist: "Ich glaube an die Menschheit. Obwohl in der Zukunft sicher auch schlimme Dinge passieren werden, am Ende werden wir immer das Richtige tun." (RTL II / 2006 BBC)
"Torchwood"-Star John Barrowman spricht offen über seine Homosexualität: "Ich bin sehr gerne ein Vorbild, wenn ich jungen Menschen damit helfen kann, mit sich selbst ins Reine zu kommen." (RTL II / 2006 BBC / Adrian Rogers)
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