"T-Bags" Chancen, den Zuschauerpreis für den sympathischsten Knastbruder zu gewinnen, standen denkbar schlecht. Als irrer Mörder, Vergewaltiger, Pädophiler und Rassist war er wohl mit Abstand der böseste Bube im "Prison Break"-TV-Gefängnis. Robert Knepper spielte das Monster aber derart lustvoll und launig, dass er gleich zu Beginn der Ausbruchsserie zum Publikumsliebling der etwas spezielleren Sorte avancierte. Nach vier Jahren wurde die Knast-Saga in den USA nun eingestellt, Knepper und seine Mit-Insassen sind seit Kurzem wieder auf freiem Fuß. Bei "T-Bag" hat die Resozialisierung bestens geklappt. Vor "Prison Break" (donnerstags, 23.10 Uhr, RTL; Staffel vier ab 02.04.; DVD-VÖ Staffel drei: 27.03.) konnte Knepper mehr schlecht als recht von seinem Traumberuf leben, wie der überaus sympathische Schauspieler im Interview verrät. Jetzt ist eine Hollywood-Karriere für den 49-Jährigen in greifbarer Nähe.
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teleschau: Wechseln manche Menschen die Straßenseite, wenn sie Ihnen begegnen?
Robert Knepper: Nein (lacht). Am Anfang machte ich mir darüber aber auch große Gedanken. Und tatsächlich: Vor ein paar Jahren wartete ich auf einen Aufzug, die Tür ging auf, und drinnen knutschte ein hübsches, junges Pärchen. Als das Mädchen mich sah, kreischte sie fürchterlich. Wenig später wurde sie aber feuerrot und entschuldigte sich bei mir.
teleschau: Heutzutage erschreckt sich niemand mehr vor Ihnen?
Knepper: Früher gab es den "Ach du Schreck, das ist ja T-Bag!"-Moment öfter. Die Figur hat sich aber mit der Zeit entwickelt. Klar, er ist ein Monster, aber er ist auch sehr einfühlsam, witzig ... und ich bekomme auch sehr viele seltsame Briefe, in denen mir mitgeteilt wird, wie sexy er ist (lacht).
teleschau: Darf man einen Mörder, Rassisten, Pädophilen so spielen, dass die Zuschauer so etwas wie Sympathie für ihn empfinden?
Knepper: Es ist eine sehr außergewöhnliche Figur, aber ich möchte kein moralisches Urteil über sie abgeben. Was jedoch mein Schauspiel betrifft: Vor Jahren sagte mir einmal mein liebster Schauspiel-Lehrer, Bill Esper: "Wenn Du eine Figur übernimmst, spiel sie interessant. Plage Dich nicht mit einem langweiligen Charakter herum." Und eines kann man über "T-Bag" ja wohl wirklich nicht sagen: dass er langweilig ist.
teleschau: Aber Sie sagten bereits, dass Sie zunächst schon Bedenken hatten, ihn zu spielen ...
Knepper: Als ich das Drehbuch las, dachte ich: "Was mache ich hier? Ich habe ein kleines Kind. Ich will keinen Pädophilen spielen!" Aber dann sah ich all die anderen Aspekte der Figur. Was ist wohl mit "T-Bag" passiert, als er ein kleiner Junge war? Gegen was kämpft er an? Diese Fragen haben mich interessiert. Aber urteilen möchte ich nicht über ihn, sonst könnte ich ihn auch nicht spielen.
teleschau: Wie fanden Sie nach einem Drehtag als "T-Bag" wieder zu sich selbst?
Knepper: Ich hatte bei "Prison Break" keinen Fahrer. Ich fuhr selbst zum Set hin und wieder nach Hause zurück. Diese Zeit reichte mir, um runterzukommen. Der beste Ausgleich zu diesem Job war aber mein kleiner Sohn. Ben ist jetzt fast sieben Jahre alt. Ich wusste, wenn ich mit dem Morden, dem Schlagen, den Bosheiten fertig bin, ruft mir in einer halben Stunde dieses kleine Kind: "Papa, Papa, komm her, spiel mit mir!" entgegen. Dann kommt man ganz schnell über alles hinweg.
teleschau: Sind Sie ein Familienmensch?
Knepper: Das Vatersein hat mein ganzes Leben verändert. Es ist einfach unglaublich. Im ersten Jahr "Prison Break" blieb meine Familie allerdings in Los Angeles, während wir in Chicago drehten. Damals war "T-Bag" wirklich teuflisch, ein skrupelloses Monster. Ich glaube, ich hätte die erste Staffel nicht drehen können, wäre meine Familie in der gleichen Stadt gewesen. Ich brauchte das erste Jahr, um allein zu sein, um mit den Dämonen zu sprechen. Aber danach hätte ich ohne meine Familie nicht weitermachen können.
teleschau: Nach vier Staffeln "Prison Break" sind Sie nun auf freiem Fuß. Freuen Sie sich über Ihre neu gewonnene Freiheit?
Knepper: Es ist ein bittersüßes Gefühl. Diese vier Jahre haben meine Karriere verändert. - Dank "Prison Break" habe ich jetzt überhaupt erst eine Karriere (lacht). In den letzten 20 Jahren nahm ich zwar viele Schauspiel-Jobs an, aber "Prison Break" war der große, weltweite Durchbruch. Einerseits betrachte ich das Ende also mit Wehmut. Außerdem ist es ja auch momentan keine gute Zeit, um arbeitslos zu sein. Andererseits denke ich, die Show sollte sich mit einem Knall verabschieden. Und genau das wird passieren ...
teleschau: Außerdem sind Sie nun ein gefragter Mann. Nach Ihrer Rolle als Bösewicht in "Transporter 3" sind Sie für einige weitere große Kinoprojekte im Gespräch wie Sylvester Stallones Actionfilm "The Expendables" ...
Knepper: Dieser Deal hat leider nicht geklappt. Außerdem wurde noch geschrieben, dass ich im Remake der "Vögel" mitspielen soll. Davon weiß ich jedoch nichts. Das ist aber einer meiner Lieblingsfilme, daher fand ich die Neuigkeit aufregend (lacht). Das Internet ist schon lustig ...
teleschau: Dort war auch zu lesen, dass Sie aus finanziellen Gründen vor Ihrem "Prison Break"-Erfolg mit der Schauspielerei aufhören wollten, um Park Ranger zu werden ...
Knepper: Das stimmt wiederum. Ich hatte eine Rolle in der HBO-Serie "Carnivàle", übernahm einen kleinen Part in George Clooneys "Good Night, and Good Luck" und in "Hostage" mit Bruce Willis, aber das brachte alles nicht viel Geld. Mein Sohn war damals etwa zwei Jahre alt, und meine Frau sagte: "Schatz, entweder suchst Du Dir jetzt einen anderen Job oder ich muss mir eine Arbeit suchen!" Ich bin altmodisch und wollte, dass mein Junge seine Mutter hat, also schaute ich mich nach Arbeitsstellen um. Als Kellner wollte ich nicht wieder arbeiten. Dann hätte ich mich umgebracht! Und da ich neben der Schauspielerei auch die Natur liebe, beschloss ich, Park Ranger zu werden. Ich bewarb mich, war sogar bereit, die lustige Uniform zu tragen, habe dann aber nichts mehr davon gehört ...
teleschau: So gingen Sie halt in den Knast ...
Knepper: Ja, am nächsten Tag sprach ich für "Prison Break" vor, bekam den Job und im September wurde die Serie über Nacht zum großen Hit. Im November riefen dann die Park Ranger an: "Robert, wir haben einen Job für Dich, aber wir glauben nicht, dass Du ihn brauchst!" Sie waren große Fans der Sendung. Das alles zeigt mir: Man weiß nie, wann einem etwas Gutes wiederfahren wird. Im einen Moment bitte ich sie förmlich darum, für sie Toiletten schrubben zu dürfen, und im nächsten sage ich ihnen: "Wenn ich zurück bin in L.A., helfe ich Euch vielleicht beim Spendensammeln."
teleschau: Genauso schnell könnte es aber auch wieder vorbei sein mit dem Erfolg ...
Knepper: Dessen bin ich mir bewusst. Mein Vater sagte immer: "Wenn Du glaubst, dass Du so unheimlich wichtig bist, steck Deinen Finger in einen Eimer Wasser, zieh ihn heraus und sieh zu, wie schnell sich das Loch wieder füllt." Wirkliche Sorgen mache ich mir aber nicht. Dann habe ich halt wieder mehr Zeit für meine Familie ...
Ute Nardenbach
In der Rolle des wahnsinnigen Knastbruders "T-Bag" in "Prison Break" gelang Robert Knepper der große Durchbruch. (RTL)
Seit Jahrzehnten ist Robert Knepper (49) Schauspieler: "Dank 'Prison Break' habe ich überhaupt erst eine Karriere", gesteht er. (RTL)
Der Mann mit dem wohl irrsten Blick im Fernsehen: Robert Knepper spielt "T-Bag" lustvoll und launig. (20th Century Fox)
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