Das dicke Ende steht zwar noch bevor, aber schon jetzt ist klar: "Lost", diese mysteriöse Robinsonade von J.J. Abrams, zählt mit zum Besten, was das Medium Fernsehen dieser Tage zu bieten hat. Am Montag, 6.4., endet bei ProSieben die vierte Staffel von "Lost" in einer spektakulären Doppelfolge - am Donnerstag, 9.4., geht es bereits mit Season fünf weiter, wenngleich nur beim Pay-TV-Channel Fox (empfangbar über Premiere). Einer, der von Anfang an dabei war, ist Jorge Garcia (35). Er spielt den etwas tollpatschigen, irren, aber liebenswerten Millionär Hurley. Nicht nur rein äußerlich ein Pfundskerl, wie sich im Interview herausstellte ...
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teleschau: In Deutschland sind wir mit der Ausstrahlung von "Lost" mal wieder hoffnungslos hinterher. Hier endet bald die vierte Staffel im Free-TV, die fünfte ist vorerst nur im Pay-TV zu sehen. Haben Sie schon mal eine Folge auf Deutsch gesehen und dabei Ihre Synchronstimme gehört?
Jorge Garcia: Ich habe bislang nur ein paar Clips auf Deutsch gesehen. Da waren auch Szenen dabei, in denen ich ein paar Dialoge hatte. Hört sich witzig an, meine Synchronstimme.
teleschau: Sie arbeiten auf Hawaii, ein Ort, der für viele Menschen das Traumreiseziel schlechthin darstellt, verdienen einen Haufen Geld und sind berühmt. Mal ehrlich: Gibt es auch irgendwelche Schattenseiten an dem Job?
Garcia: Klingt super, oder? Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass wir dort kaum Privatsphäre haben. Es kommen jedes Jahr eine Menge Urlauber nach Hawaii und jeder hat einen Fotoapparat dabei. Ich kann beispielsweise nicht durch Pearl Harbor laufen, ohne dass ich permanent abgelichtet werde oder Autogramme gebe muss. Insofern ist es immer etwas ärgerlich, wenn Freunde zu Besuch kommen und sie die ganzen Locations abklappern wollen. Ich sag dann immer: "Ohne mich!" Ansonsten kann ich mich nicht beschweren (lacht).
teleschau: Ganz allgemein gefragt: War "Lost" das Beste, was Ihnen im Leben passieren konnte?
Garcia: Mit Sicherheit. Vor langer Zeit habe ich mal eine To-Do-Liste erstellt, auf der unter anderem stand: Ich würde gerne eine Serie drehen, die nicht nur in einem Studio spielt. Ich würde gerne mal auf Hawaii leben. Und ich wäre gerne Teil von etwas, das die Menschen weltweit begeistert. Und dann kam "Lost" - Jackpot, Baby!
teleschau: Sie waren einer der ersten Schauspieler, die für "Lost" gecastet wurden - und sind zum echten Publikumsliebling avanciert. Was macht Hurley Ihrer Meinung nach so beliebt?
Garcia: Ich glaube, er ist der Typ, mit dem sich die meisten identifizieren können. Entweder, weil die Menschen selbst so sind oder sie zumindest einen Typen wie ihn kennen. Er versucht nicht, der Held zu sein oder das Kommando zu übernehmen. Er ist eher ein Teamplayer, wenngleich ein bisschen verschroben ...
teleschau: Und wortkarg obendrein. Haben Sie eigentlich mal nachgezählt, wie oft sie das Wort "Dude" bislang sagen mussten?
Garcia: Nein, zum Glück nicht. War bestimmt oft (lacht).
teleschau: Welche Figur finden Sie selbst am interessantesten in der Serie?
Garcia: Mir gefällt die Rolle von Benjamin und das Geheimnisvolle dahinter am besten ...
teleschau: Und was ist mit Ihrer eigenen? Hurley sah zuletzt einen Haufen toter Menschen und landete wieder in einer Nervenheilanstalt ...
Garcia: Stimmt! (lacht).
teleschau: Wissen Sie schon, was aus Hurley werden wird?
Garcia: Ehrlich, keine Ahnung! Wir werden bis kurz vor dem Dreh im Dunkeln gelassen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Meist bekommen wir unser Skript erst eine Woche vor dem Drehstart. Aber das ist mir ehrlich gesagt ganz recht. So läuft man nicht Gefahr, sich zu verplappern ...
teleschau: Könnten Sie uns stattdessen Ihre eigenen Theorien über ein paar Dinge verraten? Was hat es beispielsweise mit den Zahlen 4, 8, 15, 16, 23 und 42 auf sich?
Garcia: Manche behaupten, die Zahlen sind Teil einer Gleichung, die das Ende der Welt voraussagt. Klingt schaurig, aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach Details (lacht).
teleschau: Und was ist diese wabernde Rauchsäule?
Garcia: Keine Ahnung! Aber darauf bin ich selbst sehr gespannt - vor allem, weil Ben dieses Ding offenbar auf Knopfdruck entfesseln kann. Was es auch ist - die Macher haben uns versprochen, dass es eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt (lacht).
teleschau: Gibt es die auch für die Statue mit den vier Zehen?
Garcia: Ha! Schön, dass Sie sich an die erinnern. Manche sehen darin eine Anspielung auf den Koloss von Rhodos oder gar auf Atlantis. Aber ich hoffe ja immer noch darauf, dass wir irgendwann eine riesige Statue zu Gesicht bekommen, der ein Fuß fehlt.
teleschau: Jacob ...
Garcia: Jacob ist fies! Zuerst dachte ich, Jacob wäre eine Art Projektionsfläche, in der man sich selbst erkennt. In einer der ersten Szenen in der Hütte im Wald war ich es nämlich, der als dunkle Figur in dem Stuhl saß. Aber das wurde nachträglich geändert, was natürlich alles nur verwirrender macht. Aber ich glaube langsam, dass Jacob ein brillantes Genie war, das auf der Insel über ungewöhnliche Geistesfähigkeiten besaß, die nicht mit seinem Körper starben. Vielleicht ein Medium ...
teleschau: Am Ende der vierten Staffel verschwindet einfach die ganze Insel, weil Ben an einem Rad dreht. Ist die Insel eine riesige Zeitmaschine?
Garcia: Das ist alles sehr mysteriös, das gebe ich zu. Aber ich möchte Ihren Lesern nicht die Vorfreude auf die fünfte Staffel verderben, in der zumindest andeutungsweise erklärt wird, was es damit auf sich hat.
teleschau: Letzte Frage: Existiert wenigstens so etwas wie ein Masterplan bis zum Ende der Serie im nächsten Jahr? Oder lassen sich J.J. Abrams und die Autoren die Auflösung von allem auf den letzten Drücker einfallen?
Garcia: Glauben Sie mir: Sie haben einen Plan, wie das Ganze enden soll. Nur: Sie verraten ihn keinem (lacht).
Gerd Hilber
"Hurley versucht nicht, der Held zu sein oder das Kommando zu übernehmen. Er ist eher ein Teamplayer, der sich um das Wohl der Gruppe sorgt", sagt Jorge Garcia über seinen "Lost"-Charakter. (ABC Studios / Florian Schneider)
Konnte unter die meisten Punkte auf seiner persönlichen Karriere-To-Do-Liste bereits ein Häkchen setzen: Jorge Garcia. (Touchstone Television)
Armer, reicher Hurley (Jorge Garcia): Obwohl er im Lotto gewonnen hat, glaubt er, er sei verflucht. (Touchstone Television)
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