Mit dem "Internet-Freischwimmer" kommt er gut voran. MTV-Altmeister Markus Kavka hat nicht nur das ZDF, sondern auch das Web als journalistische Plattform für sich entdeckt. Im Zweiten produzierte er mit "Wahl im Web" erstmals eine Hybrid-Sendung, die sowohl im Fernsehen als auch im Internet zu sehen war. Seit März moderiert er die MySpace-Show "Kavka vs. The Web". Jetzt treibt der 41-Jährige mit "Kavka" die Verzahnung von Internet und Fernsehen weiter voran. Am 21. April sendet der ZDFinfokanal die Pilotfolge des Magazins. "Arbeit ist das ganze Leben?" lautet der Titel der ersten Live-Sendung, zu der Kavka einen prominenten Gast, aber auch das Publikum und Web-Zuschauer auf www.zdf.de zur Diskussion einlädt. Im Interview erzählt Markus Kavka mehr über das neue Projekt, sein Leben im und mit dem Netz und wie es war, sich von seinen MTV-Formaten zu trennen.
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teleschau: Herr Kavka, wie lange wird man Sie noch bei MTV sehen?
Markus Kavka: Zumindest dieses Jahr noch. In meinem Vertrag ist vorgesehen, dass ich einmal in der Woche "brand:neu" moderiere. Ich finde allerdings, dass es ein bisschen altbacken ist, eine Stunde lang nur Videos anzumoderieren. Darum habe ich mit MTV vereinbart, dass wir die Studiozeit in Berlin - ich bin nur noch mittwochs im Sender - ein bisschen besser nutzen, indem wir beispielsweise eine Online-Ergänzung zur Sendung produzieren.
teleschau: Ein Tribut an die vernachlässigte Internet-Community?
Kavka: Tja, wenn es eines gibt, das MTV in den letzten Jahren nicht auf dem Schirm hatte, dann den Stellenwert, den das Netz jetzt bei jungen Leuten eingenommen hat. Mit seinem Fernsehangebot kann MTV den Status, den es einmal hatte, nicht mehr halten. Es wurde versäumt, die starke Marke, die der Sender ja immer noch ist, auf 360 Grad auszubauen. Hätte man ein vernünftiges Web- und Mobile-Angebot, dann wäre alles versammelt, woraus junge Menschen heute Unterhaltung und Information beziehen. Das will man nun auch aufholen, nur ist momentan eben nicht so viel Geld da. Darum wurden ja auch meine MTV-Sendungen eingestellt und durch Formate ersetzt, die die Programmchefs kostenlos aus dem MTV-Netzwerk bekommen.
teleschau: Wie ist es möglich, dass Musikfernsehen heutzutage ohne Musik und Moderatoren existieren kann?
Kavka: Die Quoten sprechen ja kurioserweise für den Kurs. Gerade bei MTV sind sie so hoch wie in den letzten Jahren nicht. Das ist für jemanden, der mit dem Musikfernsehen der 90-er aufgewachsen ist, schwer zu verstehen. Damals waren Videoclips exklusiver TV-Content. Jetzt macht es keinen Sinn mehr, das Programm damit zu bestreiten, weil die ganzen Videos auch online zur Verfügung stehen. Stattdessen haben sich jetzt alternative Formate etabliert, die von den jungen Menschen zwischen 14 und 19 Jahren sehr gut angenommen werden. Die mussten bezüglich des Musikfernsehens noch nicht einmal ihre Sehgewohnheiten ändern. Jugendliche stören sich auch nicht daran, dass sie Klingelton-Werbung serviert bekommen. Das ist für die eine spitzenmäßige Serviceleistung.
teleschau: Enttäuscht Sie das als alten Hasen nicht?
Kavka: Im Gegenteil: Diese Entwicklungen sind für mich, der ich so lange dabei bin, total nachvollziehbar. Es war weder eine Riesenüberraschung noch eine Tragödie, dass die meisten meiner Sendungen eingestellt wurden.
teleschau: Hatten Sie unter diesen Voraussetzungen keine Angst, den Spaß an der Arbeit zu verlieren?
Kavka: Sobald ich gemerkt hätte, dass ich alles als mühsam empfinde, hätte ich sofort eingepackt. Mir war schon immer ganz wichtig, dass mich Neugierde und Eigeninteresse antreiben. Ich empfand meinen Beruf wirklich meist als bezahltes Hobby. Teilweise hat er mir so viel Spaß gemacht, dass ich komplett vergaß, dass das mein Beruf ist.
teleschau: Derzeit nehmen Sie sich neben dem Musik-Fernsehen auch anderer Themen und Medien an. Zur Landtagswahl in Hessen haben Sie die Sendung "Wahl im Web" moderiert. Werden Sie sich diesbezüglich im Superwahljahr 2009 wieder engagieren?
Kavka: Ja, das wollen wir noch dreimal in diesem Jahr machen: zur Europawahl Anfang Juni, Ende August zu den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und natürlich zur Bundestagswahl im September. Die Rückmeldungen der Zuschauer zu "Wahl im Web" waren extrem positiv. Gerade aus der Netz-Community: Teilweise platzte der Chat aus allen Nähten. Das war ein großer Ansporn.
teleschau: Welche Möglichkeiten bietet Ihnen das Netz neben der schnellen Zuschauerreaktion?
Kavka: Ich kann aktiv dazu beitragen, was im Web passiert. Es ging ziemlich schnell, dass ich im Internet nicht nur mehr Inhalte konsumierte, sondern auch eine eigene Sendung moderierte. Ich lerne, das Netz wirklich zu nutzen. Als ich im letzten Herbst auf Lesetour war, erkundigte ich mich immer mal wieder, wie der Vorverkauf lief. Die Zahlen waren zwar in Ordnung, aber dann stellte ich spaßeshalber mal die Termine als Bulletin bei MySpace und Facebook rein und verlinkte sie bei Twitter. Durch diese drei kleinen Aktionen haben sich die Vorverkaufszahlen innerhalb weniger Tage verfünffacht.
teleschau: Ein Beleg dafür, dass die Jugend von heute das Internet als Informationsquelle Nummer eins nutzt ...
Kavka: Klar. Die Mediennutzung der Menschen, die ich vornehmlich anspreche, hat sich komplett verändert. Es ist kein Zufall, dass es meine MySpace-Sendung gibt, dass wir weiter "Wahl im Web" senden und dass "Kavka" auf dem ZDFinfokanal eben ein Web-Fernseh-Polit-Magazin ist. Ich will nicht mit Traditionen brechen, ich sehe das Internet nur als anderen Ausspielkanal.
teleschau: In "Kavka" beziehen Sie die Zuschauer via Internet ein. Wie muss man sich das Format vorstellen?
Kavka: Die Sendung findet live vor Publikum im "Watergate", einem Berliner Club, statt. Es besteht auch die Möglichkeit per "Skype" daran teilzuhaben oder parallel mit anderen Zuschauern zu chatten. Meine Aufgabe wird sein, die Fäden zusammenzuhalten und trotzdem ziemlich spontan auf den Input der Zuschauer zu reagieren.
teleschau: Man hat den Eindruck, dass Sie sich beim ZDFinfokanal ein mündigeres, reiferes Jugendpublikum gesucht haben.
Kavka: Klar, beim ZDF mache ich kein Programm für 14-Jährige (schmunzelt). Die Zielgruppe ist hier deutlich älter: Bei 25 Jahren steigen wir frühestens ein und rechnen bis Mitte 40. Für mich persönlich macht das gar nicht so einen großen Unterschied, weil ich ja auch mit den MTV-Zuschauern nicht geredet habe wie mit kleinen Kindern. Es war alles von gegenseitigem Respekt geprägt, und insofern wird sich meine Ansprache gar nicht großartig ändern. Es ist auch vom ZDF explizit gewünscht, dass ich mir selbst treu bleibe. In der Sendung werden sicher überwiegend politische und gesellschaftliche Themen verhandelt, aber die Art und Weise der Präsentation hängt maßgeblich von meiner Person ab.
teleschau: Wird Markus Kavka beim Öffentlich-Rechtlichen dennoch solider?
Kavka: Das muss man natürlich beobachten (lacht). Tatsächlich war ich bei meinem ersten Job für das ZDF die erste Viertelstunde lang ein bisschen verunsichert, wie ich mich ausdrücken, wie ich mich geben soll. Es ging ja um eine relativ ernsthafte Angelegenheit, die Hessen-Wahl, da kann man sich leicht aufs Glatteis begeben. Und deswegen moderierte ich zunächst mit angezogener Handbremse. Aber im Laufe der Sendung stellte ich fest: "Hey, das macht ja richtig Spaß hier!" Wirklich verstellen könnte ich mich wahrscheinlich auch gar nicht. Und außerdem: Die beim ZDF haben schon mitbekommen, dass ich kein Teenie-Moderator bin, sondern auch über andere Dinge Bescheid weiß als über Britney Spears.
teleschau: MTV-Kollegen wie Sarah Kuttner versuchen es auch bei den Öffentlich-Rechtlichen ...
Kavka: Man hat dort jetzt sehr wohl erkannt, dass es höchste Zeit ist, sich nicht nur auf die Älteren zu konzentrieren. Das soll jetzt überhaupt nicht zynisch klingen, aber die werden nicht mehr so lange Gebühren zahlen ... Der Versorgungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen beinhaltet für mich nicht nur eine gewisse Themenbreite, sondern es muss auch an alle Altersschichten gedacht sein. Wenn man - außer den Sportübertragungen - nur Sendungen im Programm hat, die selbst die 30-Jährigen kalt lassen, kann man von denen auch keine Gebühren verlangen. Das Problem will man nun angehen ... Dazu sagt meine Agentur immer im Scherz: "Markus, du befindest dich momentan in einer echten Win-win-Situation!"
Alexandra Petrusch
Markus Kavka moderiert das neue ZDF-Magazin "Kavka" - online und im ZDFinfokanal. (ZDF / Pietschmann)
MTV-Altmeister Markus Kavka moderierte im Januar die Online-Wahlsendung des ZDF zur hessischen Landtagswahl. Es soll nicht die letzte "Wahl im Web" gewesen sein. (MTV)
Markus Kavka musste zusehen, wie MTV immer mehr veraltete Musiksendungen aus dem Programm nahm. Für ihn jedoch eine nachvollziehbare Entwicklung. (MTV)
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