Mit Humor-Fundamentalismus kann er wenig anfangen. Florian Schroeder, hochgehandeltes Kabarett-Allroundtalent, beherrscht sowohl Parodie, scharfzüngige Politsatire als auch Gaga-Komik. Kabarett oder Comedy? Diese Frage stellt sich für den preisgekrönten Senkrechtstarter nicht. In der gelungenen Mischung liegt für den 29-jährigen Wahl-Berliner die Zukunft. Und so glänzt er mit Vielseitigkeit - im Bühnenprogramm "Du willst es doch auch!" sowie in seinen beiden TV-Formaten "SCHROEDER!" (SWR) und "Seitensprung" (3sat, So., 10.05., 21.00 Uhr). Seinen ersten Fernseh-Auftritt absolvierte der Klassenclown bereits mit 14 Jahren in "Schmidteinander". Warum er Oliver Pocher dennoch lieber nicht beerben will, Politiker mehr Sinn für Humor haben als Komiker und die "Kabarett-Taliban" nicht mit ihm redet, verrät Florian Schroeder im Interview.
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teleschau: Herr Schroeder, Ihr Entdecker Harald Schmidt ist frisch geschieden von Oliver Pocher und sucht was Unverbrauchtes für sein neues TV-Ensemble. Wäre das was für Sie?
Florian Schroeder: Nein. Ich bin eine zu große Rampensau, um nur den Assi zu machen! Es würde bei uns so kommen, wie man das schon häufig bei solchen Duos erlebt hat: Plus und Plus ergibt meistens Minus.
teleschau: Dabei klingt "Schmidt & Schroeder" nach einer klasse Politsatire-Sendung ...
Schroeder: (lacht) Es ist dennoch besser, wenn jeder sein Ding macht.
teleschau: So richtig neu im Geschäft sind Sie sowieso nicht mehr. Sie hatten bereits mit 14 Jahren Ihren ersten TV-Auftritt bei "Schmidteinander". Wie kam's?
Schroeder: Ich hatte am heimischen Kassettenrekorder Kohl, Blüm und Lindenberg parodiert und das Band an den WDR geschickt. Die fanden das einfach lustig, dass ein 13-Jähriger die Verve hat, sich da zu bewerben, weil er glaubt, dass er's kann.
teleschau: Hat außer Ihnen selbst noch jemand an Ihre Comedy-Karriere geglaubt - vielleicht die Lehrer, die Sie regelmäßig aufs Korn nahmen?
Schroeder: Nein (lacht). Bei denen stellte sich der Glaube an mein Können erst im Nachhinein ein. Fans gab es höchstens unter Mitschülern.
teleschau: Sie haben nach dem Abitur neben Ihren Comedy-Auftritten auch studiert, Germanistik und Philosophie. Hat jemand gesagt: "Junge, lern was Seriöses!"?
Schroeder: Das habe ich mir selbst gesagt. Ich wollte unbedingt studieren, allerdings weniger, um was Seriöses zu lernen - dann hätte ich Jura oder Medizin machen müssen. Ich wollte über den üblichen Komiker-Tellerrand hinausschauen.
teleschau: Hat Ihr Philosophiestudium auch etwas damit zu tun, dass Sie eher selten bei den Privatsendern zu sehen sind?
Schroeder: Nein. Ich bin sicher ein öffentlich-rechtliches Kind. Aber ich habe keine Berührungsängste mit den Privaten. Ich habe nur irgendwann eingesehen: Ich kann nur da gut sein, wo ich die Bedingungen vorfinde, die ich brauche. Und bei den Öffentlich-Rechtlichen brauche ich seltener zu befürchten, dass ein Redakteur sagt: "Lass doch das mit dem Steinmeier weg. Den kennen unsere Zuschauer nicht!"
teleschau: Sie kriegen problemlos Steinmeier und Heidi Klum unter. Wie schwierig ist der Spagat zwischen politischem Kabarett und Nonsens-Comedy?
Schroeder: Ich empfinde das gar nicht als Spagat. Ein guter Kabarettist ist immer auch ein guter Entertainer, und ein guter Entertainer hat immer auch ein Anliegen. Nur leider gibt es in beiden Lagern Fundamentalisten, die "Kabarett- und Comedy-Taliban". Letztere sagt, wenn in einem Satz einmal das Wort Merkel auftaucht, ist das politisches Kabarett. Und die andere Seite betitelt alles als Comedy, was nicht unmittelbar den Finger mitten in die Wunde legt. Das Irre ist ja, dass diese Diskussionen am Publikum komplett vorbei gehen. Die Leute wollen lachen. Punkt. Aufgabe des Kabarettisten ist es, mehr zu sein als ein Pointen-Dienstleister.
teleschau: Was wünscht sich das Publikum von heute?
Schroeder: Auch das hartgesottenste Kabarett-Publikum freut sich, wenn es am Ende des Abends das Gefühl hat, die Mehrzahl der Pointen verstanden zu haben.
teleschau: Sie selbst versuchen, die Lager der Humor-Fundamentalisten näher zusammenzubringen ...
Schroeder: Ja, "Seitensprung" bei 3sat etwa beinhaltet einige Elemente, die sonst vermehrt bei den Privaten zu finden sind: Wir verbinden politisches Kabarett mit Talk- und Spielshow-Elementen.
teleschau: Gab's schon Feedback von der "Kabarett-Taliban"?
Schroeder: Nein (lacht), man redet doch nicht miteinander.
teleschau: Ach ...
Schroeder: Vor allem lobt man sich nicht.
teleschau: Und was sagen Ihre öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber? Wie forsch dürfen Sie dort sein als junger Wilder?
Schroeder: Ich stelle keine Einschränkungen fest. Die Sender würden wahrscheinlich dann zu Recht einschreiten, wenn ich jemanden sinnlos beleidigen würde, aber das ist sowieso nicht mein Niveau.
teleschau: Wo liegt Ihre persönliche Hemmschwelle?
Schroeder: Keine Gags über Leute, die es nicht verdient haben. Es gibt einige Stilregeln, aber inhaltlich gibt es keine Tabus. Beim alten Kay Lorentz vom Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" galt der Satz: "Der Inhalt muss angreifbar sein, die Art und Weise nie."
teleschau: Haben Sie schon mal Ärger bekommen nach einer Ihrer Parodien?
Schroeder: Nein, das Selbstverständnis hat sich in den letzten Jahren ja vollkommen geändert. Heute gehört es mindestens in Politikerkreisen zum guten Ton, dass man sich köstlich amüsiert über den gebührenfinanzierten Hofnarren.
teleschau: Sie parodieren auch Kabarett-Kollegen. Haben die Sinn für Humor?
Schroeder: Die Empfindlichkeiten unter Kabarettisten sind größer als unter Politikern, die Humorlosigkeit übrigens auch. Politiker haben sich natürlich auch einen ordentlichen Überlebens-Panzer zugelegt. Es gilt: "Klappe halten, weiter machen!" Wer sich aufregt, hat schon verloren.
teleschau: Politiker sind in der Regel allerdings auch öfter unfreiwillig komisch als Comedians ...
Schroeder: Gut möglich (lacht). Spannend sind für mich immer die Brüche in einer Person. Wenn man merkt, jemand will etwas sein, das er nicht ist: Etwa wenn Wirtschaftsminister Guttenberg bei "Beckmann" erzählt, dass er aufs AC/DC-Konzert geht. Dann sitz ich davor und sage: "Guttsi, gib mir mehr!"
teleschau: Bereiten Sie sich als Satiriker gesondert auf das Superwahl-/ Superkrisenjahr 2009 vor? Üben Sie den Steinmeier?
Schroeder: Den kann ich schon ...
teleschau: ... schauen Sie "Raus aus den Schulden"?
Schroeder: Ich gucke im TV alles quer. Ob Superwahljahr oder nicht, ist grundsätzlich wurscht. Man hat als Kabarettist immer auf Ballhöhe zu sein.
teleschau: Woher holen Sie sich sonst Ihre Inspirationen?
Schroeder: Alles sehen, alles lesen und vor allem: am wirklichen Leben teilnehmen. Das ist das Wichtigste und wird häufig vernachlässigt.
teleschau: Sind Ihre Mitmenschen dann nicht immer auf der Hut?
Schroeder: Nein, die sind das ja gewohnt. Die Kunst liegt ja nicht im plumpen Nacherzählen von Privatem, sondern in der geschickten Verfremdung.
teleschau: Wen haben Sie denn schon so verwurstet?
Schroeder: Zum Beispiel Eltern von Freundinnen, wenn ich in meinem Programm "Du willst es doch auch!" über Partnervermittlung im Internet spreche.
teleschau: Apropos Freundinnen: In Ihrem Programm plädieren Sie auch für frühzeitige Trennungen und die Abschaffung der Ehe. Gab es diesbezüglich noch keine Beschwerden?
Schroeder: Nein, ich umgebe mich mit emanzipierten, coolen Frauen ...
Ute Nardenbach
Florian Schroeder absolvierte mit 14 Jahren seinen ersten TV-Auftritt bei "Schmidteinander". Mit 29 hat er nun zwei eigene Fernseh-Formate, "Seitensprung" (3sat) und "SCHROEDER!" (SWR). (ZDF / Jana Kay)
Florian Schroeder möchte nicht in Harald Schmidts neues TV-Ensemble: "Ich bin eine zu große Rampensau, um nur den Assi zu machen!" (ZDF / Jana Kay)
Kabarett oder Comedy? Florian Schroeder wagt gerne den "Seitensprung". (ZDF / Jana Kay)
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