Deutschland ist schön, seine Landschaften typisch, seine Bauwerke weltberühmt ... und seine Einwohner zum Brüllen. Mal sehen. Das hyperaktive Improvisationstalent Ralf Schmitz ("Schillerstraße") wird nun für die Sat.1-Personality-Comedy "Schmitz in the City" (vier Folgen, ab 31.07., freitags, 20.15 Uhr) vier deutschen Städten einen Besuch abstatten und dort nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem die Einheimischen und ihre Sitten und Gebräuche unter die Lupe nehmen. Die Reiseroute des kurzweiligen Heimatkundeunterrichts führt den 34-jährigen Gewinner des Deutschen Comedypreises von Bochum über Münster und Nürnberg nach Frankfurt am Main.
Anzeige
teleschau: Wenn "Schmitz in the City" ist, worauf müssen sich die örtlichen Ordnungskräfte einstellen?
Ralf Schmitz: Ich werde mir natürlich die Städte ganz genau anschauen - ohne Rücksicht auf Verluste. (lacht) Aber keine Sorge: Ich entführe keine Schwäne oder so was ...
teleschau: Du hast es eher auf die Einheimischen abgesehen ...
Schmitz: Ja, das ist das Schöne. Ich gehe zu besonderen Orten, lerne die Menschen auf der Straße kennen und improvisiere. Das liebe ich.
teleschau: Ist es nicht beunruhigend, wenn man gar keine Ahnung hat, was auf einen zukommt?
Schmitz: Gar nicht. Man stellt mir kleine, vorher recherchierte Aufgaben in den Städten, aber es gibt keine vorgeschriebenen Pointen. Und das ist toll. Ich gehe offen in die Situationen rein und lerne auch noch eine ganze Menge - über die Stadt, aber vor allem über die Menschen.
teleschau: Kannst Du fremde Menschen leicht zum Mitmachen bewegen?
Schmitz: Schon, ich bin ein offener Typ. Aber es geht mir nicht darum, jemanden vorzuführen, weil er jetzt plötzlich vor der Kamera steht und überfordert ist. Natürlich gibt es hier und da skurrile Typen ... Es geht nicht um Zynismus, sondern um das Miteinander.
teleschau: Warum prüfst Du gerade Bochum, Münster, Nürnberg und Frankfurt? Hast Du bei Deinen Bühnen-Touren durch Deutschland vielleicht festgestellt, dass das Publikum dort am dankbarsten ist?
Schmitz: Ich war schon in so vielen Städten mit meinem Live-Programm, aber ich könnte jetzt nicht behaupten, dass die Bochumer tausendmal besser sind als andere Deutsche. Um Gottes willen, so was darf ich gar nicht sagen! Alle Menschen sind gleich. (verschmitzt)
teleschau: Also gibt es auch keine Humor-Karte von Deutschland - mit hohen Spaß-Bergen und tiefen humorfreien Schluchten?
Schmitz: Die gibt es bestimmt. Aber ich habe diese Schluchten bisher noch nicht entdeckt. Ich hatte immer Schwein.
teleschau: Du bleibst für "Schmitz in the City" allerdings im Westen. Ist das Absicht?
Schmitz: Nein. Das ist tatsächlich ein Fauxpas, den wir nicht bedacht haben. Verdammte Hacke!
teleschau: Wird das noch nachgeholt?
Schmitz: Ja, auf jeden Fall. Bei der nächsten Runde soll es nach Leipzig gehen. Die ist allerdings erst im Herbst.
teleschau: Ein zweiter Durchgang von "Schmitz in the City" ist also schon fest eingeplant?
Schmitz: Hundertprozentig!
teleschau: Einige Deiner Kollegen hatten ja nicht gerade großes Quotenglück am Freitagabend-Sendeplatz bei Sat.1 ...
Schmitz: Ach, darüber sollte man sich nicht so einen Kopf machen. Mir macht das Spaß, was ich tue, und wenn ich ein bisschen Glück habe, dann überträgt sich das auch auf das Publikum.
teleschau: Und wenn nicht?
Schmitz: Wenn irgendetwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe, finde ich das natürlich auch nicht gerade toll, dann steckte ja kein Herzblut, keine Leidenschaft darin. Zunächst denke ich mir auch: "Verdammt nochmal, warum?!" Aber keine Sorge, das kann mich nicht umhauen. Ich habe nie das Gefühl: "Oh Gott, wie lange schaffe ich es wohl noch, oben zu bleiben?" Solange man das tut, was man gerne macht, kann nicht viel schiefgehen. Daran glaube ich fest.
teleschau: Nach den ersten vier Folgen von "Schmitz in the City" geht die große Deutschlandreise für Dich erst richtig los. Du tourst monatelang mit Deinem neuen Programm "Schmitzophren" durch die Lande. Wird man davon nicht auch ein bisschen gaga?
Schmitz: Das ist körperlich natürlich mitunter anstrengend, aber das macht nichts, weil man eine Menge zurückbekommt - für die Seele. Aber ich will jetzt nicht zu philosophisch werden ...
teleschau: Nur zu ...
Schmitz: An so einem Bühnenabend findet ein gegenseitiger Austausch statt. Ich habe eine Menge Kontakt mit dem Publikum. Ich trete nicht nur für die Leute auf, sondern auch für mich. Wenn ich das nicht könnte, würde mir ein ganz wesentlicher Punkt in meinem Leben fehlen.
teleschau: Dann wüsstest Du gar nicht mehr, wohin mit Deiner Energie ...
Schmitz: (lacht) Man wird es nicht glauben, aber ich kann sogar mal ruhig sitzen und ein Buch lesen. Aber es stimmt schon, dass ich gerne zügig unterwegs bin.
teleschau: Dein Programm heißt "Schmitzophren". Meinst Du Dich?
Schmitz: Ja, aber das sind wir doch alle. Als schizophren bezeichnet man ja landläufig Menschen, die eine geteilte Persönlichkeit haben, was rein psychologisch nicht so ganz stimmt. Letztendlich soll "Schmitzophren" nur heißen, dass in einem Menschen viele Personen und Facetten schlummern, und genau das zeige ich auf der Bühne.
teleschau: Berichtest Du auch wieder von Deiner Lebenspartnerin, der berühmten Katze Minka aus Deinem Buch "Schmitz' Katze"?
Schmitz: Ja klar, die ist mittlerweile 24 Jahre alt, taub und hat Alzheimer. Sie ist der älteste Freund, den ich habe. Der Arzt nennt sie Methusalem.
teleschau: Ist die auch "Schmitzophren"?
Schmitz: Die hat's erfunden. (lacht) Die ist "Katzophren", die hat echt einen Knall.
teleschau: Kommt Minka mit auf große Deutschlandtour?
Schmitz: Bist Du wahnsinnig! Man kann doch keine alte Katze durch die Republik schleppen. Die bleibt zu Hause. Wird aber gut versorgt.
teleschau: Und schmollt, wenn Du zurückkommst ...
Schmitz: Jetzt hat sie ja Alzheimer und weiß nicht mehr, dass sie so lange alleine war. Früher war sie immer sehr beleidigt und hat sich verkrümelt. Das Mit-dem-Arsch-nicht-angucken haben ja Katzen erfunden.
teleschau: Gibt es denn mittlerweile auch eine nicht tierische Partnerin in Deinem Leben?
Schmitz: Mal so, mal so. (lacht)
teleschau: Aha ...
Schmitz: Ich komme nach Hause: Manchmal ist eine da, manchmal nicht ... Aber die Katze geht immer vor. Sie hat die älteren Rechte.
Ute Nardenbach
Comedian Ralf Schmitz besucht für seine Personality-Show "Schmitz in the City" vier deutsche Städte. (Sat.1 / Willi Weber)
Comedian Ralf Schmitz liebt es, zu improvisieren und sich mit dem Publikum auszutauschen. (Sat.1 / Willi Weber)
Ralf Schmitz, Gewinner des Deutschen Comedypreises, ist guter Dinge: "Solange man das tut, was man gerne macht, kann nicht viel schiefgehen." (Marcus Müller / MM-Fotodesign)
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream