Mario Barth ist durchaus nicht das falsche Stichwort. Zwar hat Bülent Ceylan noch nicht wie sein Comedy-Kollege das Berliner Olympiastadion gefüllt. Aber immerhin die SAP-Arena im heimischen Mannheim. 10.000 Menschen sahen Ende Mai ein Best-of-Programm des 33-jährigen Deutsch-Türken live, dessen Merchandising-Vertrieb passenderweise von Mario Barths Bruder Matthias betreut wird. "Die großen Bühnen, in die Richtung geht es jetzt", freut sich Ceylan, den die Entwicklung nicht einmal sonderlich zu überraschen scheint. Immerhin, so gibt er zu bedenken, sei er schon rund zehn Jahre im Geschäft. RTL hat den Galaabend des Verkleidungs- und Parodiekünstlers aufgezeichnet und strahlt den Show-Mitschnitt "Bülent Ceylan live" am Samstag, 26. September, um 22.30 Uhr aus.
Anzeige
teleschau: 10.000 Zuschauer, und dann ist auch noch das Fernsehen dabei: Rutscht einem da das Herz in die Hose?
Bülent Ceylan: Gar nicht. Ich bin so lange dabei, habe so hart gearbeitet und dachte mir: Das muss ich jetzt genießen. Da hieß es: locker bleiben! Am Ende ist mir aber doch ein Stein vom Herzen gefallen, dass alles glattging.
teleschau: Funktioniert so ein Massenhumor eigentlich anders als der auf der kleinen Bühne?
Ceylan: Man muss mehr Gas geben, mehr Energie rüberbringen, das ist klar. Diejenigen, die ganz hinten in den "Muppet Show"-Rängen sitzen, sollen ja auch was vom Abend haben.
teleschau: Bei Mario Barth hat man manchmal den Eindruck, die Leute liegen schon am Boden, wenn er nur "Verstehste?" sagt. Ist das nicht verführerisch und ein bisschen erschreckend, wenn man so eine Menschenmenge quasi unter Kontrolle hat?
Ceylan: Da ist was dran. Man braucht als Comedian schon ein wenig Distanz zu dem, das man tut. Aber es ist nicht leicht. Wenn 10.000 Leute in Lachen ausbrechen, nur weil man eine Jacke holt und sie wissen, jetzt kommt die Anneliese oder der Harald (zwei langjährige Kunstfiguren, d. Red.), dann ist das tatsächlich verführerisch.
teleschau: Du hast ja mal Politik studiert. Hättest Du zum Massenverführer Talent?
Ceylan: (lacht) Ein Diktaatoorr? Nein, Dinge zu versprechen, die ich nicht halten kann, das liegt mir nicht. Dafür bin ich leider zu ehrlich. Wobei, die meisten Politikstudenten werden ja nicht Politiker, sondern gehen in die Medien.
teleschau: Wäre das auch Dein Plan gewesen, falls es mit der Comedy-Karriere nicht geklappt hätte?
Ceylan: Ja, Radio- oder Fernsehredakteur, das hatte ich mir überlegt. Aber das wäre nichts geworden. Mich zog es immer vor die Kamera, das steckt so in mir drin. Mittlerweile sehe ich Comedy auch nicht mehr als Beruf, sondern als Berufung, als Leidenschaft.
teleschau: Bist Du dennoch ein politischer Mensch geblieben? Deine Programme spiegeln das ja wieder ...
Ceylan: Na klar. Die ganzen Typen, die ich darstelle, das sind ja alles potenzielle Wähler. Da werden gesellschaftspolitische Probleme wie Rassismus schon angesprochen. Allerdings gehe ich politisch nicht wie beim Kabarett in die Tiefe. Ich finde auch Alltagsthemen wie Einkaufen wichtig: Beispielsweise, dass das Salz nie neben dem Zucker steht, sondern immer da, wo man es nicht vermutet. Das Salz ist der Heilige Gral der Supermärkte.
teleschau: Verfehlte Supermarktpolitik sozusagen. Beschäftigen den Privatmenschen Bülent Ceylan denn auch Themen wie etwa die Integrationspolitik?
Ceylan: Natürlich. Früher wurden Ausländer als Gastarbeiter ins Land geholt und man dachte, sie würden wieder gehen. Stattdessen sind ganze Familien nachgekommen und leben nun in kleinen Ghettos. Das läuft von beiden Seiten nicht ideal. Wer hier leben will, sollte in jedem Fall die Sprache lernen, sonst geht mit Integration nicht viel.
teleschau: Leistest Du als Deutsch-Türke mit Deinem Programm ein bisschen Integrationshilfe?
Ceylan: Indirekt vielleicht schon. Die Mannheimer sind sehr stolz auf mich, weil ich den Kurpfälzer Dialekt verbreite. Für die bin ich auch nicht der Türke, sondern der "Monnemer Headbanger". Einer aus der Stadt. Ein Deutscher sagte mir mal, durch mich habe er eine andere Art Türken kennengelernt. Aber von denen gibt's noch mehr, Ihr müsst nur die Augen aufmachen!
teleschau: Wenn die Mannheimer Dich so ins Herz geschlossen haben, dann war der Auftritt im Mai wohl ein Heimspiel?
Ceylan: Schon, aber einfacher macht das die Sache nicht. Ich wohne ja noch in der Region, das erhöht den Druck. Wenn Du in einer fremden Stadt ein schlechtes Programm auf die Bühne bringst, ist das nicht so wild. Aber hier treffe ich mein Publikum auf der Straße wieder, hier will ich ja leben.
teleschau: Aus Mannheim zieht es Dich nach wie vor nicht weg?
Ceylan: Nein, schon deshalb nicht, weil ich meine Inspiration aus den Menschen hier beziehe. Ich bin in Mannheim sehr verwurzelt. Die ganze Rhein-Neckar-Region ist außerdem nicht nur schön, sondern auch praktisch. Man ist schnell in Frankreich, in einer halben Stunde in Köln. Ein guter Tour-Ort.
teleschau: Tour-Ort ist ein gutes Stichwort. Kostest Du das Rock'n'Roll-Leben "on the road" so richtig aus? Du giltst als Frauentyp ...
Ceylan: Naja, ich habe natürlich schon den Vorteil, dass ich als Komiker nicht so aussehe, als könnte ich keinen anderen Beruf ausüben. Aber man muss schon bodenständig bleiben und öfter mal dankend ablehnen. In jeder Stadt 'ne Frau, das führt nur zu Schwierigkeiten, das bringt nichts.
teleschau: Dann ist das Tourleben nicht so aufregend, wie man's sich vorstellt?
Ceylan: Ist es nicht, nein. Sex, Drugs & Rock'n'Roll kann ich nicht unterschreiben. Für mich gibt's nur Rock'n'Roll.
teleschau: Und wie sieht er aus, der Rock'n'Roll-Alltag eines Comedians?
Ceylan: Kamillenteetrinken vor dem Auftritt.
teleschau: Seltsame Definition.
Ceylan: Auf der Bühne gehe ich ab, meine einzige Droge ist Adrenalin. Davor sitze ich meistens wie der Glöckner von Notre Dame mit Rückenschmerzen im Auto. Dann kommt ein Fitnesstrainer, der mich einrenkt. Dann verrenke ich mich beim Auftritt, muss wieder eingerenkt werden. Dann schlafe ich auf einer schlechten Matratze im Hotel und muss wieder eingerenkt werden. Es ist nicht so einfach.
teleschau: Da freut man sich auf zu Hause.
Ceylan: Ja, es gibt dann nichts Schöneres, als wenn Mama und Papa einem ein Nutellabrot schmieren. Ich muss auch mal abschalten, kann nicht immer in der Rolle bleiben, will mich nicht dauernd produzieren. Auch in Interviews. Den Typ auf der Bühne, den kennt man ja. Aber der Mensch dahinter ist ja auch interessant.
Jens Szameit
"Ich bin so lange dabei, da hieß es: locker bleiben!" Bülent Ceylan wollte seinen Auftritt vor 10.000 Fans in der Mannheimer SAP Arena einfach nur "genießen". (RTL / Andreas Mann)
Ein bodenständiger Frauentyp: Bülent Ceylans Rock'n'Roll-Temperament entfaltet sich ausschließlich auf der Bühne. (RTL / Andreas Mann)
Bülent Ceylan hat viele Talente. Hochdeutsch gehört eher nicht dazu. (RTL / Andreas Mann)
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream