"Viele Mädchen sind nicht für diesen hammerharten Job gemacht"
Moderator / Model-Experte Peyman Amin
In "Germany's next Topmodel" war er der Bösewicht. Einer, der mit schonungslosen Kommentaren nicht nur zartbesaitete Mädchen zum Weinen brachte. Wünscht man sich so jemanden als WG-Vorsteher? Und doch hat ProSieben Peyman Amin als markantes Gesicht für die längst überfällige "Zweitverwertung" seiner megaerfolgreichen Klum-Show und ihrer Kandidatinnen ausgesucht. In "Die Model WG" (ab Do., 14.01., 20.15 Uhr) will der 38-Jährige mit iranischen Wurzeln zeigen, wie der Alltag im Traumberuf Model abseits von künstlichen "Challenges" und "Foto-oder-nicht"-Cliffhangern funktioniert.
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teleschau: Sie sind von Paris nach München gezogen und haben Ihren Job als Agent bei der Pariser Agentur IMG Models aufgegeben. War die eigene Fernsehshow der Grund dafür?
Peyman Amin: Nein, ich habe mich schon im Sommer 2008 entschieden, aus Paris wegzugehen. Die ersten Gespräche für "Die Model WG" waren erst ein Jahr später. Der Grund dafür, mich beruflich zu verändern, war ein anderer. Nach drei Staffel "GNTM", die parallel zu meiner Arbeit bei IMG Models liefen, war ich einfach ausgebrannt. Ich habe zwölf Jahre lang für die vielleicht größte Model-Agentur der Welt gearbeitet. Ich bereue keine Sekunde, die ich in Paris verbracht habe. Aber es war an der Zeit, etwas zu verändern.
teleschau: Wie aufwendig war die Doppelbelastung?
Amin: Drei bis vier Monate pro Jahr dauert die Arbeit an einer Staffel "Germany's Next Topmodel". Diese Monate waren immer extrem intensiv. Ich arbeitete von unterwegs, hatte ein Team in Paris, das ich von der Ferne aus leitete. Es war eine aufreibende, anstrengende Zeit. Wenn die Leute in Los Angeles ins Bett gingen, fing die Arbeit bei mir erst so richtig an. Dann hing ich die halbe Nacht am Telefon. So etwas hältst du nicht ewig durch. Jetzt freue ich mich auf neue Dinge. Ich mache unter anderem "Die Model WG" und bin in der Planung für zwei weitere Projekte, die mit Models und Mode, aber nichts mit Fernsehen zu tun haben.
teleschau: Hatten Sie die Idee zur "Model WG"?
Amin: Nein, der Anstoß dazu kam aus Österreich. "Austria's Next Topmodel" entstand zwar nach unserer deutschen Sendung. Bei "Die Model WG" war es nun aber andersherum. Ich fand die Idee super. Es waren viele Models mit Potenzial bei "Germany's Next Topmodel" zu sehen. Es kann aber eben nur eine gewinnen. Bei meiner neuen Sendung ist es mir wichtig, den Alltag des Modellebens zu zeigen - abseits des Coachings. Die Leute interessiert es, wie Models im Alltag leben. Wie viele Termine hat man da pro Tag? Wie stressig ist das Ganze? Über was spricht man beim Zusammenleben?
teleschau: Leben Models im echten Leben auch in solchen Wohngemeinschaften? Werden sie von den Agenturen unterhalten?
Amin: Model-WGs sind nicht unüblich in der Branche. Die Models zahlen ihre Miete selbst. Aber die Agenturen helfen gern bei der Vermittlung von Wohnraum auf Zeit. Models sind ständig unterwegs. Nur selten finden die Jobs dort statt, wo die Models leben. Mode ist eine sehr schnelle Branche. Nicht selten erfährst du von einem Job und musst dich gleich in den nächsten Flieger setzen. Wenn die Mädchen in verschiedenen Städten eine Bleibe mit Kolleginnen aus der Branche haben, ist das eine gute Sache. Man kann sich gegenseitig unterstützen, versteht die Lebenssituation des Anderen. Dazu werden Kosten gespart - wie in jeder WG. Natürlich gibt es bei den Models auch die gleichen Probleme wie in einer normalen WG. So sauber und ordentlich wie beim Einzug in der ersten Folge, sieht man die Wohnung danach nicht noch einmal.
teleschau: Ist eine Model-WG zickiger als eine mit - sagen wir - normalen Studentinnen?
Amin: Das glaube ich nicht. Es wäre so, wenn zwei Mädchen gleichen Typs in einer WG wohnten. Die könnten sich in der Tat um die gleichen Jobs streiten. Ist bei uns aber nicht der Fall. Natürlich sind wir in einer Branche, in der es um Oberflächlichkeit, um das Äußere geht. Schönheit ist etwas Subjektives. Über sie lässt es sich immer streiten - vor allem in einer Model-WG.
teleschau: Als Bewohnerinnen haben Sie vor allem besonders markante Teilnehmerinnen alter Staffeln ausgesucht. Die sehr junge Sarina zum Beispiel. Von der weiß man, dass sie schnell weint und das TV-Publikum mit ihrer offenen Naivität polarisiert. Kann man das dem Mädchen gegenüber überhaupt verantworten?
Amin: Die Auswahl der Mädchen fand natürlich unter verschiedenen Gesichtspunkten statt. Mir persönlich war dabei wichtig, auch Models zu haben, die Jobs bekommen - sonst können wir ihren Alltag nicht zeigen. Ich glaube zum Beispiel, dass Sarina sehr gut arbeiten wird und das ist der entscheidende Punkt. Zuvor konnte sie ihr Potenzial einfach noch nicht ganz ausreizen. Sarina ist ein sehr ehrgeiziges Mädchen, sie möchte unbedingt arbeiten. Darauf kommt es für mich an.
teleschau: Über ihr Potenzial als Model hinaus haben Sie Mädchen ausgesucht, die beim Zusammenleben eine gewisse Fallhöhe erwarten lassen. Larissa hatte schon bei "Germany's next Topmodel" viele Feinde. Und auch Tessa gilt nicht unbedingt als harmoniesüchtig ...
Amin: Natürlich müssen wir uns mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass man Tessa und Larissa in eine WG gesteckt hat. Aber auch wir können die Gesetze der Fernsehunterhaltung nicht außer Kraft setzen. Die Leute wollen spannende Dinge sehen. Für mich als Betreuer dieser WG besteht eine wichtigste Aufgabe darin, dass das Zusammenleben funktioniert. Dennoch steht die Arbeit für mich im Vordergrund.
teleschau: Larissa steht am Anfang von "Die Model WG" vor der Entscheidung, ob sie weiter die Schule besucht und das Abitur macht oder in der Wohngemeinschaft bleibt. Muss man da als WG-Vorsteher nicht ganz klar die Verantwortung für das Mädchen sehen, es heimschicken und Larissa damit vor sich selbst schützen?
Amin: Natürlich stehen wir zu unserer Verantwortung. Ich habe in solchen Fällen den Models immer geraten: "Mach wenigstens dein Abitur! Das ist die Basis für deine Zukunft." Was ein nebenbei betriebenes Studium betrifft, ist das wieder eine andere Frage. Trotzdem ist meine Empfehlung eine Sache - die Entscheidung liegt letztlich bei den Models. Beziehungsweise bei deren Eltern, wenn die Mädchen unter 18 sind.
teleschau: Musste Heidi Klum ihr Okay zu dieser neuen Show geben?
Amin: Natürlich interessiert es Heidi, was aus ihren Mädchen wird. Aber es ist nicht meine Aufgabe, mit Heidi wegen dieser Show zu kommunizieren. Das muss der Sender klären.
teleschau: In "Germany's next Topmodel" ist Ihre Aufgabe die des harten Hundes. Müssen Sie sich verstellen, um sie auszufüllen. Wie sehr spielen Sie dort eine Rolle?
Amin: Ich finde nicht, dass ich als harter Hund auftrete. In der Tat kamen jedoch während der ersten beiden Staffeln viele Leute mit genau diesem Vorwurf auf mich zu. Zuletzt wurde es immer weniger. Nicht deshalb, weil ich mich verändert habe, glaube ich, sondern weil die Menschen verstanden haben, dass ich einfach authentisch bin. Wenn ich am Anfang einer Staffel einer Teilnehmerin sage, dass sie kein Talent hat, tue ich dem Mädchen damit einen Gefallen. Keinem ist geholfen, wenn ich ein mäßig begabtes Model über den grünen Klee lobe und später ist es dann regelmäßig überfordert. Sollte ich auch dann noch harte Kommentare absondern, wenn wir schon recht weit in einer Staffel sind und nur noch eine Auswahl talentierter Mädchen dabei ist, hat das auch seinen Grund. Dann will ich die Kandidatinnen pushen, das Letzte aus ihnen herausholen. Der Model-Job ist ein harter Beruf. Viele Mädchen stellen sich das viel zu einfach vor. Man ist als sehr junges Mädchen Monate lang alleine unterwegs. Man trifft auf wildfremde Menschen, muss sehr viel arbeiten. Zwölf Stunden auf hochhackigen Schuhen herumlaufen und danach nachts nur zwei oder drei Stunden schlafen. Gegen die Härten des Model-Alltags ist mein Auftreten das eines Softies.
teleschau: Nach dem Selbstmord von Robert Enke diskutierte Deutschland viel über den Zusammenhang von Depressionen und öffentlichem Druck. Bei Models liegt der Fokus der Kritik immer stark auf den Essstörungen. Sind Depressionen auch ein Thema in der Modelwelt?
Amin: Natürlich. Da liegt bei uns als Agenten eine große Verantwortung. Wenn wir merken, dass Mädchen über längere Zeit in einem Loch hängen, seelische Probleme haben, müssen bei uns die Alarmglocken klingeln. Die Mädchen sind sehr jung, und ich glaube, dass gerade der Umgang mit vielen fremden Menschen unter den hektischen, professionellen Bedingungen des Business vielen von denen sehr schwer fällt. Sobald uns bei IMG etwas aufgefallen ist, sind wir aktiv geworden, haben psychotherapeutische Hilfe empfohlen. Damit sind wir wieder beim Thema. Der Job ist hammerhart und sehr viele Mädchen sind nicht dafür gemacht. Wer psychisch nicht extrem stabil ist, sollte sich lieber einen Beruf mit mehr Beständigkeit suchen.
teleschau: Wie gehen Sie mit der eigenen Prominenz um? Man kann davon ausgehen, dass Sie mit Ihrem markanten Äußeren und einer extrem erfolgreichen Sendung wie den "Topmodels" überall erkannt werden. Hat Sie das verändert?
Amin: Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch. Meine Familie, meine Freunde - das ist alles sehr wichtig für mich. Sie geben mir die Möglichkeit, mich zu besinnen. Ich sage ihnen immer, wenn sie an mir irgendwelche Allüren oder Großkotzigkeiten feststellen, sollen sie mir Bescheid sagen und sofort Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen rufen. Bis jetzt hat noch keine dieser Institutionen an meine Tür geklopft.
teleschau: Wenn Sie von Familie reden, meinen sie Eltern und Brüder. Wie sieht es mit der Gründung einer eigenen Familie aus?
Amin: Ich habe seit drei Monaten eine Freundin, mit der es bis jetzt sehr gut läuft. Zur ganz großen Überraschung darf man sagen, dass sie Model ist (lacht).
Eric Leimann
Mode-Schwerstarbeiter Peyman will trotz TV-Ruhm und eigener Show bodenständig bleiben. (ProSieben / Andre Poling)
Coach Peyman Amin (Mitte) beim Einzug in "Die Model WG" - umringt von seinen Schützlingen (von links) Anni, Aline Annabelle, Sarina, Denise, Larissa und Tessa. (ProSieben / Oliver S.)
Zu viel Stress durch "Topmodels" und den Job als Modelagent - Peyman (rechts, mit Ex-Juror Rolf Scheider sowie den Siegerinnen Barbara Meier und Lena Gercke) hat sich selbstständig gemacht. (ProSieben)
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