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Goyas GeisterMilos Forman lässt sich Zeit, wenn er sich einem neuen Film zuwendet. Manchmal dauerte es zwei, manchmal drei Jahre, bis der Meisterregisseur aus Tschechien ein neues Werk abgedreht hat. Vor "Goyas Geister" (2006), den die ARD nun wiederholt, nahm er sich sogar eine Pause von sieben Jahren. Das beeindruckende Historienepos zeigt Gewalt und Unrecht, aber auch die unerschütterliche Kraft der Aufklärung. Natalie Portman darf einmal mehr zeigen, dass sie jedem die Show stehlen kann, auch der Titelfigur eines Films. Anzeige Das Porträt über den spanischen Maler Francisco de Goya und seine Zeit ist mehr als nur ein weiteres Werk im in letzter Zeit so beliebt gewordenen Genre der sogenannten Biopics. Es ist vielmehr eine opulente Abrechnung mit all jenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die in der Historie Leid, Unheil und massenhaftes Sterben heraufbeschworen haben. Konkret geht es um das ausgehende 18. Jahrhundert im Spanien der katholischen Inquisition. Getrieben von der Angst, sie könnte ihre Macht und damit auch ihren Reichtum einbüßen, verfolgt die Kirche jeden, der vom traditionellen Lebensstil abweicht und sich vielleicht sogar den Ideen der sich ausbreitenden Aufklärungsbewegung gegenüber aufgeschlossen zeigt. Goya (Stellan Skarsgård) gehört auch zu dieser Gruppe - Grund genug für die Autoritäten, einen Anhaltspunkt zu finden, mit dem man ihn zum Schweigen bringen kann. Doch Goya selbst bleibt trotz seiner Eigenwilligkeit weitgehend unpolitisch. Was ihn schützt, sind seine mächtigen Freunde. Seine Muse und heimliche Geliebte Inès (Natalie Portman) aber muss für all das zahlen, wofür Goya aufgrund seines Schutzpanzers nicht belangt werden kann: Obwohl ihre Familie und Goya selbst versuchen, sie mithilfe des korrupten Klerikers Lorenzo (Javier Bardem) freizukaufen, verschwindet sie schlussendlich im Kerker. Erst nach eineinhalb Jahrzehnten wird sie im Zuge des Einzugs Napoleonischer Truppen befreit. Goya, der nun mitschwimmt auf der Welle der hereinschwappenden Aufklärung, setzt sich vehement für seine Angebetete ein und sucht mit ihr nach Inès' Tochter, die sie im Verlies zur Welt brachte, nachdem sie von Lorenzo vergewaltigt worden war. Der Untäter selbst hat sich inzwischen von einer manipulativen Speerspitze der Inquisition zum Vorkämpfer der französischen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gewandelt, muss aber mit den Konsequenzen seiner dunklen Vergangenheit leben. "Goyas Geister" ist spannendes Geschichtskino, reich an gewaltiger Emotionalität, mit deutlichen Verweisen auf universale wie zeitlose Missstände: Machtmissbrauch, Selbstbereicherung, aber vor allem religiöser Fanatismus sind hochaktuelle Problematiken, die Forman mit seinen Hauptdarstellern Stellan Skarsgård als Goya, Javier Bardem als Lorenzo und allen voran Natalie Portman als Inès wirkungsvoll thematisiert. Der Spannungsbogen rankt sich zwar zunächst um die Machtherrlichkeit der Kirche und wie sie missbraucht wurde, schwenkt aber schließlich zu der Frage, ob die Suche nach Gerechtigkeit nach geschehenen Gräueltaten Früchte tragen kann. Der 75-jährige Autor Jean-Claude Carriere, der schon für Regisseur Volker Schlöndorff die Drehbücher zu "Die Blechtrommel" (1979) und "Der Unhold" (1996) verfasste, schrieb mit "Goyas Geister" in Zusammenarbeit mit Milos Forman sein 129. Skript und zeigt auf ergreifende Weise, wie wichtig es grundsätzlich ist, zu schauen, was sich hinter den Gemälden unserer Welt abspielt. Jasmin Herzog |
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