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"Brüno" kommt nicht ganz an "Borat" heran

Brüno

Sacha Baron Cohen schlägt wieder zu: Diesmal ballert sein Charakter Brüno mit schwulen Stereotypen und Humor unterhalb der Gürtellinie um sich.

(vm/tsch) Sacha Baron Cohen hat viele Gesichter: Als Rapper Ali G. wurde er mit seiner eigenen provokativen Show bekannt, dann schickte er sein Alter Ego Borat, einen kasachischen Reporter, auf die Leinwand und nun schlüpfte er in die Haut des schwulen Mode-Reporters „Brüno“ aus Österreich. Doch damit sorgte er nicht für eine solche Furore wie 2006 mit „Borat“. Nein, er ist nicht zahmer geworden, aber der Humor in „Büro“ beschränkt sich zu sehr auf Schwulen-Stereotypen. Witzig ist das Ganze aber allemal.

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Irgendwo hört der Spaß auf - selbst für den sonst recht schamlosen Sacha Baron Cohen. Um dem jüngst verstorbenen King of Pop Respekt zu zollen, entfernten er und Regisseur Larry Charles eine komplette Szene aus dem gemeinsamen Werk "Brüno" (2009), das nun auf DVD und Blu-ray-Disc erscheint. Darin versuchte Cohen in einem Interview mit Michael Jacksons Schwester LaToya, an die Telefonnummer ihres berühmten Bruders zu kommen. Ob das Gespann Cohen-Charles seit dem umstrittenen "Borat" (2006) milder geworden ist?

Nachdem Cohen als kasachischer Reporter Borat und schriller Rapper Ali G. für Furore sorgte, schickte er im Sommer sein drittes Alter Ego auf die Leinwand: Brüno. Mit 19 Jahren kann das Fashion Victim bereits auf eine große Karriere zurückblicken - immerhin moderierte der tuntige Österreicher "Funkyzeit", die "wichtigste Modeshow aller deutschsprachigen Länder außer Deutschland". Entscheidend ist jedoch die Vergangenheitsform: Mit einem grandios vergeigten Auftritt bei der Mailänder Fashion Week katapultierte sich der Star in seinem Heimatland ins Abseits.

Doch von wegen Karriere-Knick: Brüno bricht nach Los Angeles auf, um "Österreichs größter Star seit Hitler" zu werden. Nur wie? Ausgiebig suhlt Cohen sich in Körperflüssigkeiten und provoziert seine Gesprächspartner, um ihnen die unmöglichsten Statements zu entlocken. So räumt die Mutter eines Babymodels ein, dass ihr Kind in einer Woche problemlos noch fünf Kilogramm abnehmen könnte. Solche Szenen, die dem Publikum die Kinnlade herunterklappen lassen, bleiben aber die Ausnahme. Oft hat es den Anschein, dass Cohens geschmacklose Fallen nicht die erhoffte Reaktion auslösen - selbst der größte Hinterwäldler dürfte wissen, dass "Brüno" zu schwul ist, um wahr zu sein.

Fremdschämen für Fortgeschrittene: Cohens eigener Humor provoziert oft unterhalb der Gürtellinie und ist sicher nicht Jedermanns Geschmack. Passend zum Dokumentar-Stil der Komödie präsentiert sich "Brüno" technisch spartanisch. Während das nicht immer scharfe und mitunter körnige Bild auf DVD noch eine solide Figur macht, reizt die Blu-ray-Disc lange nicht die Möglichkeiten des Mediums aus. Trotz Surround-Sound (auf BD sogar im verlustfreien HD-Format) klingt der Ton beider Silberlinge eher nach Stereo, der Fokus liegt klar und auch zurecht auf den Dialogen.

Bemerkenswert ist allerdings das umfangreiche Bonuspaket, das neben einem Audiokommentar und einem Interview auch etliche entfallene Szenen bietet - unter anderem die gestrichene LaToya-Jackson-Sequenz.

Gregor Jossé

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Niederländisch
extras Entfallene Szenen; Ungekürzte Szenen; Interview mit Lloyd Robinson; Audiokommentar Sacha Baron Cohen (Darsteller) und Larry Charles (Regie)
laufzeit 78 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras sehr gut

Credits:
(USA 2009, R: Larry Charles, D: Sacha Baron Cohen, Gustaf Hammarsten, Clifford Bangale u.a.)


Fremdschämen leicht gemacht: Sacha Baron Cohen versucht erneut, die Amerikaner aus der Fassung zu bringen.
Fremdschämen leicht gemacht: Sacha Baron Cohen versucht erneut, die Amerikaner aus der Fassung zu bringen. (Universal)

Brüno ist nach Borat und Ali G das dritte Alter Ego des Briten Sacha Baron Cohen, das die Leinwand erobert.
Brüno ist nach Borat und Ali G das dritte Alter Ego des Briten Sacha Baron Cohen, das die Leinwand erobert. (Universal)

Als Moderator von "Funkyzeit" war Brüno (Sacha Baron Cohen) ein Star - doch ein Eklat auf der Mailänder Fashion Week beendete seine Karriere.
Als Moderator von "Funkyzeit" war Brüno (Sacha Baron Cohen) ein Star - doch ein Eklat auf der Mailänder Fashion Week beendete seine Karriere. (Universal)

Datum: 30.11.2009

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