"Was für eine schöne Braut, wir werden sie nie wieder sehen": Monas Familie blickt ihrem Hochzeitstag mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Braut heiratet über die Grenze hinüber - wenn sie die einmal passiert, gibt es kein Zurück. Denn sie lebt im von Israel annektierten Teil der Golan-Höhen. Der Bräutigam aber wohnt in Damaskus, auf der anderen Seite des Zaunes. Der mehrfach prämierte Festivalfilm "Die syrische Braut" (2004, Regie: Eran Riklis), den ARTE zum wiederholten Mal sendet, zeigt mit einer einfachen Geschichte, mit welchen Schwierigkeiten das Leben im Nahen Osten verbunden ist - und verzichtet dabei darauf, die Welt in Gut und Böse einzuteilen.
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Mona (Clara Khoury) erlebt den entscheidenden Tag in ihrem Leben stoisch und teilnahmslos, um sie herum aber verbinden sich Familie, Kulturen und Politik zu einem explosiven Gemisch. Die ganze Famile kommt angereist. Bruder Hattem (Eyad Sheety) mit seiner russischen Familie wird seit acht Jahren vom Vater geächtet, weil er eine Fremde geheiratet hat. Der andere Bruder, Marwan (Ashraf Barhoum), ein lebensfroher, windiger Geschäftsmann, kommt aus Italien. Vater Hamned (Makhram Khoury) ist gerade auf Bewährung aus israelischer Gefangenschaft entlassen, geht aber trotzdem zur prosyrischen Demonstration, die am Hochzeitstag vor dem Haus prozessiert.
Während die Männer ihr sturköpfiges Spiel um Religion, Politik, Ehre und Treue spielen und sich dabei allzu wichtig nehmen, sind die Frauen der Familie der eigentliche Mittelpunkt des Films. Vor allem Monas Schwester Amal (Hiam Abbas) zeigt, dass man Träume von Gerechtigkeit, Emanzipation und Selbstbestimmung leben kann.
Religiöse Zwänge, politische Unterdrückung, familiäre Lähmungen: Eran Riklis brachte das Kunststück fertig, einen Film zu machen, der die Unbarmherzigkeit der Bedingungen zeigt, dabei trotzdem einen warmen und herzlichen Optimismus ausstrahlt. In den Momenten zwischen den großen dramatischen Auseinandersetzungen sind Zärtlichkeit und ein feiner Humor versteckt. Etwa wenn sich die Hochzeitsparteien an der Grenze nur mit dem Megaphon unterhalten können, während die von Julie-Anne Roth gespielte gutgläubige französische Rot-Kreuz-Mitarbeiterin Jeanne (d'Arc) versucht, die Bürokratie und politische Unbeweglichkeit auf israelischer wie syrischer Seite aufzubrechen.
Und Mona? Mona sitzt derweil vor dem Gittertor, das auf israelischer Seite den kurzen Streifen Niemandsland nach Syrien absperrt. Regungslos, in sengender Hitze - sie wartet ab. Und geht irgendwann einfach los. In ihre Zukunft, die sie selbst in die Hand nimmt.
Johann Ritter
Der Tag der Hochzeit ist für Mona (Clara Khoury) auch ein Tag des Abschieds. (ARTE)
Durch ihre Hochzeit mit einem Syrier ändert sich Monas (Clara Khony) komplettes Leben: Sie muss ihr Dorf, das in den von Israel besetzten Golanhöhen liegt, für immer verlassen. Ihre Familie wird sie nie wieder sehen. (ARTE)
Der Abschied von ihren Eltern (Makram Khoury und Marlene Bajali) fällt der Braut Mona (Clara Khoury) schwer. (ARTE)
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