"La vie en Rose": klassisches Biopic über Edith Piaf
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La vie en Rose
Natürlich endet der Film mit "Non, je ne regrette rien". Kurz, turbulent und exzessiv war das Leben von Edith Piaf, die auf der großen Bühne noch viel kleiner wirkte, als sie es ohnehin war. Aber sie bereute nichts, und der Chanson, den sie da zum Ende ihrer Karriere sang, ist mehr ein Statement als eine Zusammenfassung oder gar Entschuldigung. Es ist ein monumentaler Film, den Olivier Dahan aus dem Leben des "Spatzen von Paris" gemacht hat und den die ARD nun zeigt. "La Vie En Rose" (2007) - das sind große Bilder, schwelgerische Kamerafahrten, Detailverliebtheit bei der verschwenderischen Ausstattung. Die ganze französische Nation huldigt mit dem Regisseur ihrer großen Tochter, die doch in Wahrheit so klein und zerbrechlich war.
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47 Jahre hat sie es auf der Erde ausgehalten, und in dieser Zeit hat Edith Piaf gelebt, geliebt und gesungen. Sie kam von der Straße, sprach die Sprache der einfachen Leute. Sie soff und war zügellos. Sie liebte und war gierig nach Leben. Sie ruinierte sich und konnte nichts dagegen tun. Marion Cotillard spielt diese Frau und ihre Macken, die körperlichen wie die seelischen, mit Hingabe und Inbrunst. Versessen bis ins Detail, trifft sie die knarzende Stimme und die trotzigen Bewegungen der Chanteuse genau und verleiht ihrer Rolle eine große Authentizität.
Geboren 1915 in einem Pariser Elendsviertel wurde Edith Piaf von der Mutter verlassen und vom Vater abgeschoben. Sie lebte einige Jahre im Bordell der Großmutter, in der Normandie. Bis sie alt genug war, mit dem Ein-Mann-Zirkus-Betrieb ihres Vaters durch das Land zu ziehen. Die Kindheit war nicht das, was man als glücklich bezeichnet. Aber auch sie hatte ihre schönen Momente, und vor allem bescherte sie dem kleinen, schwächlichen Mädchen einen eisernen Willen, ein schwer kontrollierbares Temperament und eine unersättliche Lebensgier.
Das zu zeigen, genau darum geht es Olivier Dahan. Er schickt den Teenager zurück auf die Straßen von Paris, "ihrer" Stadt, wo sie von Louis Leplée (Gérard Depardieu) für sein Cabaret entdeckt wird, und führt sie von dort auf die Bühnen der Welt, durch die Ohren in die Herzen der Menschen. Dahan inszenierte seinen Film als Puzzlespiel, zeigt Ausschnitte, Episoden, die sich zu einem Gesamtbild fügen.
Es sind viele Zeitebenen, durch die der Regisseur scheinbar willkürlich leitet: die Kindheit, die ersten Schritte auf den Pariser Bühnen, die Exzesse und die Gewalt mit ihrer besten Freundin Simone (Sylvie Testud) im Milieu der Habenichtse, die Erfolge in New York, die glücklichen Momente mit dem Boxer Marcel Cerdan (Jean-Pierre Martins) - Piafs großer Liebe - und den Verfall am Ende des Lebens. Die Anekdoten sind nur scheinbar zufällig, denn sie folgen den Melodien, die von den Emotionen vorgegeben werden: Die Gefühle bestimmen den Schnitt.
Das ist weniger verwirrend als zu befürchten. Der Film macht eine Entwicklung deutlich, die Rückblenden und Blicke in die Zukunft zeigen, wie die Piaf ihr Leben meisterte. So gut es ging zumindest, und am besten ging es mit Chansons und auf der Bühne. Es wird viel gesungen in den zweieinhalb Stunden, all die Klassiker wie "Padam", "La Vie En Rose", "L'accordéoniste" und natürlich "Non, je ne regrette rien". Olivier Dahan benutzte dafür, so oft es ging, Originalaufnahmen. Auch wenn Marion Cotillard eine würdige Darstellerin ist und absolut glaubhaft in allen Alters- und Lebenslagen, die Stimme der Piaf kann niemand imitieren.
"La vie en Rose" ist in der Essenz ein ganz normales Bio-Pic, eine Künstlerbiografie, wie es sie zuletzt häufig im Kino zu sehen gab. Der Film lässt einiges aus, erwähnt anderes nur beiläufig. Charles Aznavour, Jacques Cocteau und Charlie Chaplin, allesamt Freunde der Piaf, tauchen gar nicht auf, ihre Verbindungen zur Résistance während der Nazi-Zeit bleiben unerwähnt. Marlene Dietrich und Edith Piafs im Alter von zwei Jahren gestorbene Tochter haben jeweils eine Szene. Die harten Fakten weichen den großen Gefühlen. Dem Film daraus einen Vorwurf zu machen, wäre vorschnell und ungerecht. Er ist emotional und bewegend, weil er von einem emotionalen und bewegenden Leben erzählt. Es geht um eine kleine Frau, die in ihrer Einfachheit, in ihrer schlichten Art, der ganz großen Sehnsucht nach Leben, die jeder einmal spürt, eine gewaltige Stimme lieh.
Vera Seeberg
Edith Piaf (Marion Cotillard) lebte für das Singen. (ARD / Degeto)
Berauscht von den ersten Erfolgen: Edith Piaf (Marion Cotillard) und ihr Entdecker Louis Leplée (Gérard Depardieu). (ARD / Degeto)
Das große Glück, die echte Liebe: Der Boxer Marcel Cerdan (Jean-Pierre Martins) schenkte Edith Piaf (Marion Cotillard) die glücklichsten Stunden ihres Lebens. (ARD / Degeto)
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