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Charlie Chaplin ist "Der große Diktator"

Der große Diktator

Schon wegen dieser einen Szene ist "Der große Diktator" ein Fall für den Filmkanon: Diktator Hynkel tänzelt in einer leichtfüßigen Choreografie mit einer schwerelosen Weltkugel - bis der Luftballon-Globus unter seinen Fittichen plötzlich zerplatzt. Acht Tage, nachdem Nazideutschland in Polen einmarschiert war, begann Charlie Chaplin mit den Dreharbeiten seiner fast prophetischen Hitler-Satire. Noch 1941 beriet der US-Senat über ein Verbot der gewagten Komödie. Drei Monate später war die Debatte schon wieder vom Tisch: Deutschland hatte nun auch den USA den Krieg erklärt. ARTE zeigt Chaplins heute unstrittiges Stück Filmgeschichte in restaurierter Fassung im Rahmen des Themenabends "Charlie, der ewige Tramp" - sowie zum Auftakt einer Reihe mit Filmen des vielleicht ersten Superstars des Kinos.

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Darf man Adolf Hitler als Witzfigur zeichnen? Ja, sollte man das sogar? Wann immer die Frage in den letzten Jahren aufgeworfen wurde (etwa 2007 bei Dani Levys eher verunglückter Nazi-Satire "Mein Führer" mit Helge Schneider): Stets wurde auf Chaplins anerkannten Klassiker verwiesen. Doch so entwaffnend wie dem Amerikaner ist niemandem mehr eine Führerfarce gelungen. "Der große Diktator" war Chaplins erster wichtiger Tonfilm. Wer zu hören ist, meinte er damals, der sollte auch etwas zu sagen haben. Doch in den eindrucksvollsten Momenten des Films entlarvt er das agitatorische Geplärre des Massenverführers als unverständliches Kauderwelsch.

Chaplin ging es jedoch nicht alleine darum, den Faschismus der Lächerlichkeit preiszugeben. Er wollte auch den Blick für das Leid der Opfer schärfen. Deshalb ist er in einer Doppelrolle zu sehen. Als jüdischer Barbier stolpert der Stummfilmstar eingangs in Slapstickmanier durch die Schlachtengräben des Ersten Weltkriegs. Später wird der gutmütige, kleine Mann im jüdischen Getto Tomaniens Opfer antisemitischer Übergriffe.

Während der neurotische Führer Hynkel dilettantisch den Angriff aufs benachbarte Austerlich plant - ein paradiesischer Ort mit blühenden Wiesen -, wird der Barbier ins KZ verschleppt. Schließlich flieht er, und es kommt zu einer folgenreichen Verwechslung mit Diktator Hynkel, die Chaplin in ein pathetisches Plädoyer für Menschlichkeit, Nächstenliebe, Freiheit und Demokratie münden lässt. Er wurde jenseits des Atlantiks nicht erhört.

Hätte er um die wahren Zustände in den Konzentrationslagern gewusst, bemerkte Chaplin Jahre später in seiner Autobiografie, dann hätte er den Film nie gedreht. So zählt er jedoch zu den Meilensteinen seines großen Oeuvres, das im Anschluss, um 22.20 Uhr, im Dokumentarfilm "Charlie - Leben und Werk des Charles Chaplin" gewürdigt wird. Filmemacher Richard Schickel zeigt in der deutschen Erstausstrahlung auch, wie Chaplin den Aufstieg Hollywoods zur weltgrößten Filmindustrie beeinflusste. Zu Wort kommen bedeutende Filmschaffende wie Woody Allen, Martin Scorsese, Milos Forman, Johnny Depp und Marcel Marceau sowie seine Kinder, die Schauspieler Geraldine und Sidney.

Die Filme der Chaplin-Reihe bei ARTE im Überblick:

"Moderne Zeiten": Montag, 21.12., 21.00 Uhr

"Lichter der Großstadt": Donnerstag, 24.12., 21.00 Uhr

"Rampenlicht": Montag, 28.12., 21.00 Uhr

"Die Nächte einer schönen Frau": Montag, 28.12., 00.50 Uhr

"Goldrausch": Donnerstag, 31.12., 20.50 Uhr

"The Kid": Donnerstag, 31.12., 22.00 Uhr

Jens Szameit


Diktator Hynkel (Charles Chaplin) hält eine Ansprache für den Rundfunk.
Diktator Hynkel (Charles Chaplin) hält eine Ansprache für den Rundfunk. (ARTE / Roy Export Company Establishment)

Kinder kommen immer gut: Diktator Hynkel (Charles Chaplin) weiß die Massen für sich zu gewinnen.
Kinder kommen immer gut: Diktator Hynkel (Charles Chaplin) weiß die Massen für sich zu gewinnen. (ARTE / Roy Export Company Establishment)

Der jüdische Barbier (Charles Chaplin) und die junge Wäscherin Hannah (Paulette Goddard) sind im jüdischen Getto der Willkür des Polizeistaats ausgeliefert.
Der jüdische Barbier (Charles Chaplin) und die junge Wäscherin Hannah (Paulette Goddard) sind im jüdischen Getto der Willkür des Polizeistaats ausgeliefert. (ARTE / Roy Export Company Establishment)

Datum: 20.12.2009

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