Die Lobby der Werwölfe wächst stetig. Zuerst präsentierte J.K. Rowling mit Professor Lupin in "Harry Potter" ein äußerst handzahmes Exemplar. Stephenie Meyer legte mit der "Twilight"-Saga nach ("New Moon" läuft derzeit im Kino). Ihr heulender Gestaltwandler Jacob mutierte gar zum Teenie-Schwarm. Bei "Scream"-Regisseur Wes Craven ("Nightmare") fielen die Tierchen etwas weniger putzig aus. Er versuchte sich 2005 an der Legende vom Wolf im Manne, der bei Vollmond seine haarigen Seiten entdeckt. Mit dem wenig besinnlichen Werk "Verflucht", das ProSieben nun an Heiligabend wiederholt, schuf der Horror-Meister allerdings nur einen halbherzigen Genre-Mix, der weder komisch noch grausig ist.
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Dabei gibt sich Christina Ricci ("Monster", "Speed Racer") alle Mühe, als streitbare Fernsehjournalistin eine gute Figur zu machen. Durch Zufall wird sie von einem unbekannten Wesen gebissen, als sie Zivilcourage beweist, um Shannon Elizabeth (bekannt durch leichtbeschürzte Rollen wie in "American Pie") vor dem sicheren Tod zu retten. Craven mixt mit sichtlichem Spaß zahllose Stilmittel unterschiedlicher Film-Gattungen. So ist Riccis Filmbruder (Jesse Eisenberg) ein Highschool-Loser, der - ebenfalls während der missglückten Rettungsaktion gebissen - ungeahnte Kräfte entwickelt und mit den gemeinen Jungs an seiner Schule aufräumt.
Ricci durchlebt derweil eine seltsame Wandlung hin zu einem Ungetüm. Gleichzeitig begibt sie sich auf die Suche nach dem ursprünglichen Werwolf, der munter weiter wildert. Verdächtige sind schnell gefunden. Einer davon ist der liebenswerte Joshua Jackson ("Dawson's Creek"), seines Zeichens Horrorparty-Veranstalter und Liebhaber des zur Femme fatale mutierenden Mauerblümchens Ricci. Doch am Ende kommt natürlich alles anders: Verdächtigungen zählen nicht viel in einem Genre, in dem Überraschungen das einzig interessante Merkmal sind.
Während dem Zuschauer viele plötzliche Wendungen und Aha-Erlebnisse serviert werden, gibt es kaum Schreckmomente. Als Ersatz dienen leichtfertig zusammengeschnittene Verfolgungen, plötzlich herabfallende Torsi und lautlos hinter der wachsamen Hauptfigur auftauchende Übeltäter. Das gab es schon zu häufig zu sehen und erlebt bei Craven nur eine Auferstehung ohne humorigen Twist. Denn was bei "Scream" gelang - beißend-ironische Seitenhiebe auf einen unsinnig-erfolgreichen Filmkult auszuteilen und damit selbst einen neuen Trend anzustoßen - das ist "Verflucht" leider nicht vergönnt.
Eine kürzlich reanimierte Kultfigur Wes Cravens könnte da mehr Glück beim Publikum haben. Ab April 2010 sorgt Freddy Krueger in "A Nightmare on Elm Street" zumindest in den USA wieder für schlaflose Nächte. Diesmal streift sich nicht Robert Englund, sondern Jackie Earle Haley den Klingenhandschuh über.
Franziska Kramer
Wes Cravens "Verflucht" mit Christina Ricci ist ein halbherziger Genre-Mix, der weder komisch noch grausig ist. (ProSieben / Dimension Films)
Ellie (Christina Ricci) kann es am Anfang gar nicht glauben, dass sie von einem echten Werwolf angegriffen wurde. (ProSieben / Dimension Films)
Nachdem Jenny (Mya, links) und Becky (Shannon Elizabeth) bei einer dubiosen Wahrsagerin üble Zukunftsvisionen erfahren mussten, versucht Jenny, ihre Freundin zu beruhigen. (ProSieben / Dimension Films)
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