Kitsch in Großaufnahme: "Rendezvous mit Joe Black"
.
Rendezvous mit Joe Black
Das letzte Rätsel der Menschheit ist gelöst: Der Tod ist im Grunde ein charmanter Mann mit einer räumlich multiplen Persönlichkeit. Er trinkt Kaffee mit Milch und Zucker, hat blendend weiße Zähne und raucht nicht. Er besitzt magische Kräfte und ein Spiegelbild, er hat unkontrollierbare Emotionen und sogar Erektionen. Und vor allem: Er sieht aus wie Brad Pitt. Wer sich selbst davon überzeugen will: vox zeigt - wieder einmal - "Rendezvous mit Joe Black" (1998).
Anzeige
Irgendwann entschließt sich der Tod, mal zu schauen, von wo er die Menschen holt, und kommt auf die Erde. Der Multimillionär William Parrish (Anthony Hopkins) ist an der Reihe, aber der attraktive Sensenmann verrät ihm noch nicht, wann er gehen muss. Bis dahin begleitet der Typ aus dem Jenseits sein nächstes Opfer im Alltag. Parrish stellt ihn seiner Familie als Joe Black vor. Dessen seltsame Ansichten und Lebensgewohnheiten sorgen für allerlei Probleme in Parrishs Leben. Lustig geht es deshalb aber beileibe nicht zu.
Das meiste, was auf dieser Welt geschieht, interessiert den Tod nicht. Wohl aber erliegt er seinen Gefühlen, als er Parrishs Tochter Susan (Claire Forlani) kennenlernt. Sie lieben sich, und Joe Black gerät in einen schweren Konflikt. Er mag nicht mehr zurück in seine vermutlich dunkle Welt, hat doch so viel Liebreiz auf dieser, auf unserer Seite des Daseins sein Herz erhellt.
Regisseur Martin Brest inszenierte "Rendezvous mit Joe Black" 1998 ganz bewusst im opulenten Stil großer Filmepen. Erzählt wird geduldig, mit Sinn für Details und dem unbedingten Willen, eine Laufzeit von drei Stunden zu erreichen, was schließlich gelingt. Das Gute am Film: Anthony Hopkins und seine Geschichte. Er ist nicht etwa ein übler Kerl, der angesichts seines bevorstehenden Endes geläutert würde und zum Menschenfreund mutierte. Nein, Parrish ist ein normaler, guter Typ - und er wird es bleiben. Was er sagt, ist spannend; was er denkt, interessiert; was er tut, macht neugierig.
Das geht auch dem Tod selbst nicht anders. Joe Black war eine der schwierigsten Rollen in der Karriere des Brad Pitt, und er meistert sie ordentlich. Auch ihm legt das Drehbuch über weite Strecken Fesseln an: karge Wortwahl, eintönige Mimik - und doch wird spürbar, dass etwas mit ihm geschieht.
Nach dem Erfolg der "Inglourious Basterds" lässt es der Hollywood-Beau auf der Leinwand aktuell etwas ruhiger angehen. Sein interessantestes neues Kinoprojekt trägt den US-Titel "The Tree Of Life" - ein Fantasy-Drama von Terrence Malick ("Badlands"). Der Film, der 2010 ins Kino kommt, ist das sechste Werk des Meisterregisseurs in gut 40 Jahren.
Tom Ruder
Der Tod (Brad Pitt) möchte das Leben kennenlernen und erfahren, warum die Sterblichen diese Welt nicht verlassen wollen. (vox)
Der Multimillionär William Parrish (Anthony Hopkins, links) hat den leibhaftigen Tod, Joe Black (Brad Pitt), im Haus. (vox)
Eine Liebe ohne Zukunft: Joe Black (Brad Pitt) und Susan (Claire Forlani). (vox)
Er versteht sich als kritischer Autor, aufrüttelnder Dokumentarfilmer und politischer Aufklärer: Michael Moore, ein Regisseur, den Gegner freilich einen manipulativen Meinungsmacher schimpfen. Dass ProSieben ...
"Stealing Klimt" - Der Titel von Jane Chablanis und Martin Smiths brisanter Dokumentation hat ein Objekt, aber kein Subjekt. Eines ist klar: Kunst stehlen, kann nur der, dem sie nicht gehört. Doch wer ...
Was passiert, wenn man Poesie, Horror und Action zusammenwürfelt und ungefähr 60 Filme pro Jahr daraus macht? Wenn man manchmal die Logik außen vor lässt und stattdessen mit Slapstick und Humor für Auflockerungen ...
Schon im Vorfeld der Welturaufführung des - jetzt auf DVD erhältlichen - Dokumentarfilms "Die große Stille" (2005) beim Filmfestival in Venedig 2005 wurde von einem "radikalen Kinoereignis" gesprochen. ...
Im Kino ab 27.4.Tag für Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt, wie Graz verbraucht. Auf rund 350.000 Hektar, vor allem in Lateinamerika, werden Sojabohnen für die österreichische Viehwirtschaft ...
(tsch) Wer hoch fliegt, kann tief fallen - so wie die französische Fußballnation: Auf den Doppeltriumph bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 folgte das torlose Vorrundenaus in ...
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream