Der Krieg gegen die Drogen ist längst verloren. In Richard Linklaters "A Scanner Darkly" (2005), den RTL II jetzt in Free-TV-Erstausstrahlung zeigt, kämpft Keanu Reeves in der Rolle des Polizisten Fred als einer der Letzten gegen den übermächtigen Feind - und auch er weiß bald nicht mehr, auf welcher Seite er steht. Fast die ganze Gesellschaft ist süchtig nach der Substanz "D", die hilflose Regierung reagiert mit einem Überwachungsstaat. Eines ihrer wichtigsten Werkzeuge: Sogenannte "Jedermann-Anzüge", die die eigene Identität verschleiern - auch vor Verbündeten. Drogenproblematik, Überwachungsstaat und Spiel mit den Identitäten, dazu ein Schuss Paranoia - sehr viel auf einmal. Doch gute Darstellerleistungen und eine faszinierende Optik machen einiges wett.
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Regisseur Linklater vertraute in "A Scanner Darkly" auf den Stil, den er schon in "Waking Life" benutzte: Als Realfilm gedreht, wurden die Bilder später koloriert, um einen Comic-Look zu erzeugen und den Film auf eine surreale Ebene zu hieven.
Fred wohnt als verdeckter Ermittler mit den Drogensüchtigen Barris und Luckman (Robert Downey jr. und Woody Harrelson, beide Darsteller haben selbst einige Erfahrungen mit harten Drogen gemacht) zusammen. Um keinen Verdacht zu erregen, hat er anfänglich gelegentlich selbst Substanz "D" benutzt - nun ist er abhängig. Und erste Schäden lassen nicht lange auf sich warten.
Sein Verstand beginnt zu bröckeln, als er von seinen Vorgesetzten den Auftrag bekommt, bei der Beschattung der Drogen-WG besonderes Augenmerk auf sich selbst zu legen. Mit der Festnahme der Dealerin Donna (Winona Ryder) will er den ganz großen Befreiungsschlag hinter sich bringen. Doch die Dame ist nicht nur kriminell, sondern auch sehr attraktiv ... Allmählich verschwindet Fred in einem Sumpf aus Gier und Lust, der ihn schließlich in die Entzugsklinik "New Path" und hinter das Geheimnis der Substanz "D" führt.
Richard Linklaters dystopischer Science-Fiction-Thriller über Drogenprobleme in einer paranoiden Gesellschaft entstand nach einem düsteren Roman von Philip K. Dicks, der darin auch seine eigene Drogensucht verarbeitete. Explizit und tragisch wird der langsame, aber stetige Zerfall des Cops gezeigt, der sich irgendwann in einer selbst erschaffenen Realität bewegt, die in der Grauzone zwischen der Wirklichkeit und seinen Drogenfantasien liegt.
Es ist aber nicht immer leicht, der verworrenen Geschichte zu folgen. Selbst Woody Harrelson hatte damit so seine Probleme: "Es war sehr interessant. Ich hatte das Buch gelesen, und ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was da passierte. Dann habe ich den Film gemacht, weil ich Lust darauf hatte. Ich wollte mit Richard Linklater, Keanu Reeves, Robert Downey jr. und Winona Ryder arbeiten. Ich wollte es machen, aber ich weiß immer noch nicht, worum zum Teufel es in diesem Film geht. Aber ich weiß, es ist sehr interessant."
Jasmin Herzog
Donna (Winona Ryder) und Fred (Keanu Reeves) verstehen sich gut - wissen aber nicht, wer der jeweils andere wirklich ist. (RTL II / Warner)
Freds Mitbewohner Barris (Robert Downey jr.) bringt seine Tage mit Rauchen und sinnlosen Diskussionen zu. (RTL II / Warner)
Donna (Winona Ryder) bringt Fred in eine Entzugsklinik. (RTL II / Warner)
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