Die 14-jährige Anna freut sich: Gerade hat sie sich ihren neuen Lieblingssong als Klingelton auf ihr Handy geladen. Kostenlos natürlich, so stand es auf der Internetseite, die sämtliche Mobilfunkspäße anbietet. Wenige Wochen später flattert eine saftige Rechnung ins Haus, mit einer unvollständigen Absenderadresse. Anna soll angeblich ein teures Abonnement abgeschlossen haben, daran erinnern kann sie sich allerdings nicht. Mit diesen und anderen Methoden werden Internet-User auf dreiste Weise abgezockt. Aus diesem Grund rief die EU 2008 eine Ermittlungsaktion ins Leben, "Sweep 2008", und ließ über 300 dubiose Websites überprüfen.
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"Habe ich etwas übersehen?" "Habe ich aus Versehen auf ein 'Ok' geklickt und mich damit zu irgendetwas verpflichtet?" Die Unsicherheit ist groß, vor allem, da eine gewisse Gratis-Mentalität nirgendwo sonst so verbreitet ist wie im Internet. Doch wenn die unerwartete Zahlungsaufforderung einmal da ist, verfallen viele Verbraucher in Panik und suchen den Fehler zuerst bei sich selbst. Wie kann es sein, dass man für fünf angeworbene Frei-SMS plötzlich 99 Euro bezahlen soll? Wegen immer häufigerer Beschwerden bei Verbraucherzentralen in ganz Europa rückten vor allem sogenannte Anbieter von Handydiensten in das Visier der Europäischen Union. Seit Juni 2008 wurden unter Leitung der EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, Meglena Kuneva, 301 Internetseiten in diesem Bereich überprüft.
Das Ergebnis lässt aufhorchen: 159 Seiten mussten Korrekturen vornehmen, 54 wurden komplett geschlossen. Eine genaue Aufschlüsselung der Untersuchung ist auf www.europa.eu unter dem Stichwort "Sweep 2008" abrufbar. Fast die Hälfte aller Seiten wies eine mangelhafte Preistransparenz auf: Angaben zu anfallenden Kosten fehlten oftmals ganz oder konnten nur mit Lupe beim Kleingedruckten aufgespürt werden, Abonnements waren als solche meist nicht ausgezeichnet.
Bei 75 Prozent der Websites waren Kontaktdaten der Händler nicht ersichtlich. Laut EU-Recht müssten jedoch immer Name, Anschrift und auch E-Mail-Adresse des jeweiligen Anbieters angegeben sein. Die nationalen Durchsetzungsbehörden der 27 Mitgliedsstaaten gingen gegen die auffällig gewordenen Seiten mit Abmahnungen, Unterlassungsaufforderungen, Bußgeldern und Schließungen vor.
In Deutschland hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 20 Seiten abgemahnt, die ihre Angebote überarbeiten mussten. Durch die Aktion sollen vor allem Kinder und Jugendliche geschützt werden, die bei Mobilfunkdiensten die größte Zielgruppe darstellen.
Doch nicht nur Mitglieder der niedrigeren Altersgruppen gehen regelmäßig in die Abofalle. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt auf seiner Homepage www.vzbv.de eindringlich vor harmlos erscheinenden Seiten, auf die man gut und gerne im Alltag stoßen kann: Einige werben beispielsweise mit Gratisdiensten, für die man aber seine Daten hinterlegen muss. Doch sofort nach Inanspruchnahme werden Rechnungen verschickt.
Ruhig bleiben und keinesfalls der Zahlungsaufforderung nachkommen, heißt dann die Devise. Auch wenn die Anbieter Inkassounternehmen beauftragen oder mit Strafanzeige drohen, um Druck auszuüben. Auf jeden Fall sollten Betroffene die Verbraucherzentrale vor Ort aufsuchen, die individuelle Rechtsberatung oder auch Muster-Antwortbriefe anbietet. Gegen die Betreiber der betrügerischen Seiten direkt vorzugehen, ist in vielen Fällen nicht möglich, da diese ihren Sitz meist im Ausland haben. Allerdings erzielte eine Klägerin erst kürzlich einen gerichtlichen Erfolg gegen eine Anwältin, die sich als "Geldeintreiberin" für eine der Websites über Jahre eine goldene Nase verdient hatte.
Um erst gar nicht in eine der Internetfallen zu tappen, wird unter www.vzbv.de ein zu hundert Prozent kostenfreies Faltblatt mit dem Namen "Erst durchblicken - dann anklicken" bereitgestellt, außerdem führt ein Link "Kostenfallen im Internet" direkt zu einer Auflistung der momentan geführten Verfahren gegen die Abzocker. Auf der Homepage der Verbraucherzentrale Hamburg www.vzhh.de findet man unter dem Stichwort "World Wide Nepp" aller bisher negativ aufgefallenen Betreiber-Websites. Und auch die von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz betriebene Seite www.klicksafe.de versorgt User mit allen Tipps und Tricks, um sich in den unendlichen Weiten des World Wide Web sicher bewegen zu können. Seine Daten aber niemals leichtfertig im Netz zu hinterlassen, ist und bleibt nach wie vor der beste Schutz vor Onlinebetrug.
Julia Kreissl
Die Europäische Union nahm in einer Untersuchung undurchsichtige Internetanbieter von Mobilfunkanwendungen unter die Lupe. (www.europa.eu)
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mahnte in Deutschland 20 Internetseiten ab. (www.bvl.bund.de)
Beim Bundesverband der Verbraucherzentralen finden User in der Abzockfalle Rat und Hilfe. (www.vzbv.de)
Datum: 23.11.2009
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Diskussion: "Sweep 2008 - Kostenfallen im Internet" lesen
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