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Keine Romantik, kein Witz: die romantische Komödie "Lila Lila"

Lila, Lila

(vm/tsch) Ein netter Kellner verliebt sich in ein nettes Mädchen, das Literatur liebt. Er gibt sich als Poet aus, um sie beeindrucken, und verheddert sich in einem Netz aus Lügen. Die Story von „Lila Lila“ klingt eher wie eine romantische Komödie aus Hollywood als ein deutscher Film. Und in Hollywood hätte so eine Produktion in ähnlicher Weise amüsiert wie etwa ein Meg-Ryan-Film: klischeehaft und etwas albern, aber irgendwie angenehm. Doch im Fall von „Lila Lila“, einer leider stark abgewandelten Adaption des gleichnamigen Martin-Suter-Romans, ist so eine Geschichte langweilig. Das Ganze ähnelt einem uninteressanten Theaterstück, nein, eher einem Fernsehfilm für 13-Jährige, dessen Charaktere und Schauspieler so blass sind, dass man sie schon fünf Minuten nach dem Film-Abspann vergessen hat.

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Im Roman erfährt Marie (Hannah Herzsprung) nie von der Lüge ihres Freundes David (Daniel Brühl), das Buch macht sich auf böse Art und Weise über den Literaturbetrieb lustig. Doch dies wurde gestrichen und abgewandelt. Der Film befasst sich mit der Medienhysterie, die Menschen über Nacht zum Star macht. Ein sehr oberflächlicher Tausch, doch Gsponer ("Das wahre Leben") ist ein zur Satire fähiger Regisseur.

Er wollte diesen Film unbedingt. Zusammen mit Brühl, seinem Drehbuchautoren und dem Produzenten bettelte er Suter an, ihnen die Rechte an seinem Roman zu verkaufen. Es sei ein hartes Ringen gewesen, heißt es. Vielleicht habe es geholfen, dass er, Gsponer, selbst auch Schweizer ist, mutmaßt der Regisseur. Martin Suter wurde nach erfolgreichen Verhandlungen über jeden Schritt des Skripts informiert ...

Marie liebt die Literatur und David, der Kellner, liebt Marie. Als er in einem Nachttisch vom Flohmarkt ein Manuskript findet, eine Liebesgeschichte aus den Fünfzigern, die ihn zum Weinen bringt, zeigt er sie Marie. Er behauptet, er habe den Roman geschrieben. Sie ist begeistert, schickt das Manuskript heimlich an einen Verlag, der veröffentlicht es, und David wird zum Star, der noch nicht mal anständig lesen kann, was er geschrieben haben will.

Er fühlt sich ohnehin schon unwohl in der Rolle des gefeierten Schreibers. Doch dann taucht noch ein Mann (Henry Hübchen) auf, der "mal den Jungen kennenlernen will, der mit seinem Roman so erfolgreich ist". In der Folge erlebt der Zuschauer ein enervierendes Versteckspiel.

Einziger Lichtblick dieser sich dahin schleppenden, einem Theaterstück ähnelnden Erzählung ist der aufgekratzte Henry Hübchen, der diesen langweilig inszenierten Film ein wenig aus der Baldrianspur wirft. Brühl spielt so zurückhaltend, dass er tatsächlich unsichtbar wirkt, Hannah Herzsprung bleibt beliebig. Jede Bewegung wird ganz vorsichtig eingefangen, so als müsste man um Erlaubnis fragen, ob es denn für alle Beteiligten in Ordnung wäre, was als Nächstes passiert. Auf jeder Einstellung liegt eine Patina, die den Verdacht nahelegt, der 33-jährige Gsponer sei doppelt so alt. Die Menschen und ihre Handlungen sind bieder, oft hilflos. Bedächtig ist jeder Schritt, der sanft von der Musik eingelullt wird, als wären wir wieder in den Fünfzigern.

So kurzsichtig die Idee, ein Mädchen mit einem fremdgeschriebenen Roman zu beeindrucken, so kindergartenhaft ist der weitere Verlauf mit noch mehr Heimlichkeiten und dem nachfolgenden klischeehaften Ruhm. Gsponer macht zu keinem Zeitpunkt das Leben mit einer falschen Identität greifbar, das Schicksal der Filmfiguren beeindruckt niemanden. "Lila Lila" besitzt dann doch eher den Charakter eines Fernsehfilms.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Falcom Investment, Deutschland 2009, R: Alain Gsponer, D: Daniel Brühl, Hannah Herzsprung, Henry Hübchen u.a.

Laufzeit: 108 Min.

Kinostart:
17. Dezember 2009


Die Romanverfilmung "Lila Lila" macht Daniel Brühl zum Poeten und endlich für das andere Geschlecht sichtbar. Zumindest Hannah Herzsprung ist augenscheinlich begeistert.
Die Romanverfilmung "Lila Lila" macht Daniel Brühl zum Poeten und endlich für das andere Geschlecht sichtbar. Zumindest Hannah Herzsprung ist augenscheinlich begeistert. (Falcom)

Ob Marie (Hannah Herzsprung) in David verliebt ist oder nur in seinen wunderbaren Roman, lässt sich lange Zeit nicht genau sagen ...
Ob Marie (Hannah Herzsprung) in David verliebt ist oder nur in seinen wunderbaren Roman, lässt sich lange Zeit nicht genau sagen ... (Falcom)

Bei einer Lesung passieren David (Daniel Brühl) nur Pannen. Doch selbst die finden alle nur niedlich.
Bei einer Lesung passieren David (Daniel Brühl) nur Pannen. Doch selbst die finden alle nur niedlich. (Falcom)

Datum: 17.12.2009

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