logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film HomeCinema - Neu auf DVD Kino Film "Public Enemies" kommt an "Heat" nicht ansatzweise heran

"Public Enemies" kommt an "Heat" nicht ansatzweise heran

Public Enemies

Michael Mann verfilmte die Lebensgeschichte des Bankräuberkönigs John Dillinger als bleihaltige, aber wenig packende Filmbiografie mit Johnny Depp.

(mb/tsch) Als man hörte, dass Michael Mann ein Gangsterepos über das Leben des legendären Bankräuber John Dillinger plant, erhoffte man sich einen Film, der die Größe von „Heat“ hat. Doch „Public Enemies“ (nicht zu verwechseln mit dem herausragenden „Public Enemy Nr. 1“) enttäuscht. Obwohl Hollywood-Größen wie Johnny Depp, Christian Bale und Marion Cotillard darin zu sehen sind, wirkt das Ganze wenig überzeugend. Wenn man „Public Enemies“ als ein 30-Jahre-Kostümfilm betrachtet, kann man ihn als durchaus unterhaltsam bezeichnen. Mehr aber auch nicht.

Anzeige
Counter

 

Regisseur Michael Mann ("Heat", "Collateral") wollte wieder mal Geschichte schreiben: Mit "Public Enemies" (2009) verfilmte er die spektakuläre Lebensgeschichte des berüchtigten Chicagoer Bankräubers John Dillinger. Mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Beste Voraussetzungen - eigentlich. Im Dauerfeuer der Maschinenpistolen geht jedoch die Magie eines wahren Gangsterepos verloren. Zumal DVD und Blu-ray-Disc den Kugelhagel zumindest soundtechnisch nicht besonders dynamisch wiedergeben.

Der immerhin 140 Minuten lange Film (auf DVD 134 Minuten) scheitert an der Legende, die er zu erzählen sucht. Dillingers Bild in der Öffentlichkeit sprengte schon zu seinen Lebzeiten sämtliche Kategorien. Sein Tod mit 34 Jahren im Kugelhagel von FBI-Agenten mitten auf einem abendlich belebten Boulevard im Herzen Chicagos inspirierte Songschreiber, Schriftsteller, Filmemacher. Dillinger war ein Popstar, weil er zwar den Banken das Geld raubte, nicht aber den gewöhnlichen Bankkunden.

"Public Enemies" belegt, dass eine gute Besetzung allein nicht ausreicht. Das Projekt bleibt hinter seinen Ansprüchen zurück. Klar, Johnny Depp liefert eine überzeugende Vorstellung ab. Sein John Dillinger steht für all das, was das historische Vorbild auszumachen scheint: Genie und Effektivität bei der Ausführung seiner Überfälle. Dazu ein beneidenswerter Schlag bei den Frauen und ein Hauch Robin Hood. Bis er von seinem erbarmungslosen Jäger, dem FBI-Spezialagenten Melvin Purvis (Christian Bale) aufgespürt wird.

Aber: Dillingers Weg, seine innere Zerrissenheit ist nicht so recht nachzuvollziehen. Der Mensch hinter der Verbrecherikone bleibt nebulös. "Public Enemies" ist reich an Schießereien und Verfolgungsjagden - genug Material für einen unterhaltsamen Film. Aber für ein faszinierendes Gangsterepos reicht es nicht. Mit etwa 670.000 Zuschauern blieb der Film in den deutschen Kinos denn auch etwas hinter den Erwartungen zurück.

Das umfangreiche Bonusmaterial auf Doppel-DVD und Blu-ray-Disc führt zumindest etwas tiefer in die Geschichte. In zahlreichen Featurettes werden Hintergründe erläutert und Zusammenhänge erklärt. Aber auch in den Extras beschränkte man sich zu sehr auf die technischen Aspekte. Die interessanten Kurzfeatures sind auf beiden Datenträgern gleich, die BD ermöglicht zudem über die U-Control-Funktion ein interaktives Filmerlebnis. Während des Films lassen sich Bild-in-Bild-Kommentare einblenden sowie ein historischer Zeitstrahl mit näheren Erläuterungen.

Auf der Technikseite fällt zunächst der dumpfe Sound auf. Sowohl dem Dolby Digital-Mix der DVD als auch den DTS-Spuren der BD (im englischen Original in DTS-HD MA) fehlt es an Dynamik und Klarheit. Die Feuergefechte wirken dumpf, der Sound spielt sich überdies meist in den Frontboxen ab. Das Bild hingegen wurde ordentlich transferiert. Es wirkt, wie im Kino, etwas pixelig, was der Aufnahmemethode Manns geschuldet ist, der mit HD-Handkameras drehte. Detailgenauigkeit und Schärfewerte sind auf der Blu-ray-Disc vor allem bei den Close-Ups beeindruckend, die DVD macht ihren Möglichkeiten entsprechend ebenfalls eine gute Figur.

Alfred Kunze

bewertungsbox

bildformat 2,40:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Bulgarisch, Estnisch, Lettisch, Litauisch
extras Audiokommentar Michael Mann (Regie); Featurettes: Legendär: Feinde, Michael Mann: Die Entstehung von "Public Enemies"; Der Letzte der legendären Verbrecher, Auf den Spuren Dillinge
laufzeit 134 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton befriedigend
bewertung extras befriedigend

Credits:
(USA 2009, R: Michael Mann, D: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard u.a.)


"Public Enemies" erzählt die Lebensgeschichte des Bankräuberkönigs John Dillinger als packende Filmbiografie.
"Public Enemies" erzählt die Lebensgeschichte des Bankräuberkönigs John Dillinger als packende Filmbiografie. (Universal)

Mit Bleipuste, aber eigentlich ganz nett: John Dillinger (Johnny Depp) galt als der beliebteste Verbrecher der Großen Depression.
Mit Bleipuste, aber eigentlich ganz nett: John Dillinger (Johnny Depp) galt als der beliebteste Verbrecher der Großen Depression. (Universal)

Großer Rummel nach Dillingers Verhaftung: Die Medien können nicht genug bekommen vom glamourösen Bankräuber.
Großer Rummel nach Dillingers Verhaftung: Die Medien können nicht genug bekommen vom glamourösen Bankräuber. (Universal)

Datum: 14.12.2009

Diskussion: ""Public Enemies" kommt an "Heat" nicht ansatzweise heran"

Um eine Diskussion zu ""Public Enemies" kommt an "Heat" nicht ansatzweise heran" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Bekommt "Das weiße Band" auch noch den Golden Globe?
    Michael Hanekes Drama "Das weiße Band" (2009) wird mit Preisen überhäuft - unter anderem gewann der Film die Goldene Palme von Cannes und den Europäischen Filmpreis. Jetzt besteht auch eine Chance auf ...

    Ein schwächerer Haneke-Film: "Caché"
    Cannes ist für Michael Haneke ein gutes Pflaster. An der Croisette schätzt man den schonungslosen Blick des Gewaltchronisten. Nicht erst, seit dort im vergangenen Jahr sein "Weißes Band" als bester Film ...

    „Man fängt immer bei null an“
    Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke anlässlich der Oscar-Nominierung seines Spielfilms „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ im Interview.

    Deutscher Filmpreis 2010
    Michael Haneke ist der große Gewinner des Abends – ganze zehn Lolas sahnte sein Film „Das weiße Band“ ab. Aber auch andere hatten Grund zum Jubeln – und das deutsche Kino zeigt, dass es in der Lage ist, ...

    Black Swan (DVD & Blu-Ray)
    Ballett ist langweilig und Schwanensee der Inbegriff biederer Kunst? Nicht bei Darren Aronofsky, der sich vom Indie-Filmer zu einem der vielversprechendsten Regisseure Amerikas hochgearbeitet hat – und ...

    Michael
    Wenn Erwachsene Kinder jahrelang einsperren und sexuell missbrauchen, dann ist das regelmäßig ein gefundenes Fressen nicht nur für die Boulevardpresse. Offensichtlich möchten viele Menschen wissen, wie ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 39 - id = 8131 - task = view - option = com_content - limitstart= 0