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Daniel Brühl über seine Figur in "Lila Lila"

Poet für den Moment

Schauspieler Daniel Brühl

Eigentlich sollte Daniel Brühl spätestens seit Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" nicht mehr als der blasse Nette verbucht sein. Doch seiner Meinung nach steckt er noch zu oft im Korsett des lieben Buben. Derzeit arbeitet der 31-jährige Schauspieler jedenfalls massiv daran, sein braves Image zu demontieren. Zu Weihnachten kommt er als echter "Schmierlappen" in die Kinos, verspricht er. Und meint seine Rolle als Banker in Leander Haußmanns Rentnerkomödie "Dinosaurier" (Start: 24.12.). Eine Woche zuvor startet die Romanverfilmung "Lila Lila". Als David Kern schmückt sich Brühl mit fremden Schriftsteller-Federn, um eine Frau zu beeindrucken. "Völlig legitim", findet der Wahlberliner, sichtlich gut gelaunt.

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teleschau: In Alain Gsponers "Lila Lila" spielen Sie den Kellner David Kern, der so gerne ein begnadeter Schriftsteller wäre. Was kommt eigentlich heraus, wenn Sie versuchen zu schreiben?

Daniel Brühl: Oh Gott! Ich denke in dem Moment, in dem ich schreibe: Das ist toll. Mit drei Wochen Abstand staune ich dann über mich - zum Beispiel über die Gedichte, die ich früher geschrieben habe. Außerdem verfasste ich Texte für meine Band. Wenn ich die heute höre, dreht sich mir der Magen um. Besser ist es im Bereich Drehbücher, das liegt mir eher.

teleschau: Sie haben bereits letztes Jahr von Ihrem selbstgeschriebenen Drehbuch erzählt, das Sie verfilmen möchten.

Brühl: Ja, das wartet noch auf seine Zeit. Ich schrieb das Buch mit August Diehl zusammen, aber wir sind einfach zu jung, um dieses Drama heute schon zu spielen. Die Idee finden wir nach wie vor beide gut. Es gibt aber eine andere Geschichte, eine Komödie, deren Drehbuch nach unserer Idee entstand und in absehbarer Zeit verfilmt wird.

teleschau: David Kern findet ein Manuskript und gibt es als sein eigenes aus. Ein dreister Lügner oder ein charmanter Schwindler?

Brühl: Eher die zweite Variante. Er ist jedenfalls kein klassischer Hochstapler. Ich mag solche Figuren sehr: "Catch Me If You Can" mit Leonardo DiCaprio ist einer meiner Lieblingsfilme. Außerdem liegen mir solche Rollen, ich bin selbst leidenschaftlicher Lügner. Die Hälfte der Sachen, die ich erzähle, ist sowieso nicht wahr. Ich finde Lügen spannend - wenn man es nicht tut, um jemandem zu schaden.

teleschau: Um eine Frau zu beeindrucken, ist das okay?

Brühl: Das ist vollkommen in Ordnung und kommt auch in meiner Vita vor. "Ich bin Schauspieler" kommt nämlich gar nicht so gut an (lacht). Früher in der Schule habe ich eine Freundin in Paris erfunden, die hatte einen Namen, eine ausgedachte Adresse, schickte mir Geschenke, die ich mit verstellter Handschrift selbst signierte. Das machte mich bei den Mädchen interessant, bis zu dem Tag, als unser Lehrer den Schüleraustausch nach Paris bekannt gab. Da musste ich kurz vorher natürlich Schluss machen.

teleschau: War das nicht durchsichtig genug, um aufzufliegen?

Brühl: Das schnelle Reagieren auf Unvorhergesehenes macht den Reiz aus. Ich habe es auch bei Lehrern mit Attesten und Entschuldigungen sehr weit getrieben, ein bisschen wie Felix Krull bei der Musterung. Als Entgegenkommen meinerseits redete ich mir allerdings die entsprechende Krankheit ein, sodass sogar die Ärzte dran glaubten. Ich erinnere mich aber auch an einen schwierigen Fall, bei dem ich mich verzettelt habe.

teleschau: Und der wäre?

Brühl: Eine Abiturprüfung, bei der ich mit Magen-Darm-Grippe entschuldigt war und leider ein Attest vom Hals-Nasen-Ohrenarzt hatte. Da wurde ich ausgerufen und musste mich vor einem Gremium verteidigen.

teleschau: Das haben Sie wie geschafft?

Brühl: Ich habe, und das stimmt, eine Hausstauballergie. Also begann ich mit einem immer hilfreichen "Wie Sie wissen ..." und wies auf mein chronisches Leiden hin. Um den Unterricht mit meinem Niesen nicht ständig zu stören, habe ich es unterdrückt und auch vermieden, mich zu schnäuzen. Also habe ich das Sekret geschluckt, was zu extremen Magenverstimmungen geführt hat. Dafür erntete ich zwar skeptische Blicke, aber der verantwortliche Lehrer meinte: Im Zweifel für den Angeklagten.

teleschau: Das klingt ein bisschen erfunden ...

Brühl: Bei manchen Anekdoten, die man häufig erzählt, mag das schon mal vorkommen, dass man sie ausschmückt und etwas neu moduliert. Wenn man die Freundin verteidigt hat, gegen einen Typen, dann waren es beim nächsten Berichten schon zwei, mit denen man es aufnahm. So spiced man seine Geschichten etwas auf - und im Rückblick weiß ich dann manchmal selbst nicht mehr so genau, wie es eigentlich war.

teleschau: Warum machen Sie das, aus Spaß an der Freude?

Brühl: Ja, und um für das Gegenüber das Gespräch interessanter zu gestalten. Beides.

teleschau: Wann hatten Sie denn das letzte Mal ein schlechtes Gewissen?

Brühl: Das habe ich häufiger. Aber mir fällt gerade kein wirkliches Beispiel ein, außer dass ich bei Sachen, die ich vergesse, mir dämliche Ausreden einfallen lasse, statt es einfach zuzugeben.

teleschau: Geben Sie zu, dass Ihnen die Riesenbanner mit Ihrem Konterfei, die für "Lila Lila" vor der Berliner Volksbühne hingen, schmeicheln?

Brühl: Die sorgten eher für Verwirrung. Da gab es ganz viele Anrufe, was ich da spiele und warum ich jetzt unter David Kern firmiere, ob das ein Künstlername sei ... Meist finde ich, dass ich auf Fotos ziemlich beknackt aussehe, aber ich lebe damit. Schließlich stehe ich hinter meiner Arbeit.

teleschau: Immerhin gehen Sie in Großaufnahme für 24 Jahre durch. So alt ist David Kern, oder?

Brühl: Ja, stimmt (lacht). Das Michael-J.-Fox-Syndrom, ich spiele wieder mal einen Jüngeren. Das legt sich aber, da tut sich bei meinen Rollen in nächster Zeit etwas. Ich finde jedoch selbst, dass ich für manche Männerrollen nicht geeignet bin. Neulich hatte ich ein Angebot als Vater zweier Kinder, das glaube ich mir einfach nicht.

teleschau: Den Lieben und Netten nimmt man Ihnen scheinbar immer ab, oder?

Brühl: Wenn man einen roten Faden sucht, geht es in die Richtung des braven Charakters, aber "Das weiße Rauschen" oder "Die fetten Jahre sind vorbei" waren keine Sympathieträger. Außerdem: Wenn man greifbar ist, ein bestimmter Typ, ist das einfacher für Filmemacher. Ich habe dann ja immer noch die Möglichkeit auszubrechen.

teleschau: Wie jetzt bei Leander Haußmanns "Dinosaurier".

Brühl: Oh ja, da spiele ich einen Franjo-Pooth-Typ. Über diese Banker-Rolle habe ich mich sehr gefreut. Das war ein Ausflug! Der Typ ist ein absoluter Schmierlappen, und ich hatte Angst, mich im Spiegel anzuschauen, weil er so beschissen aussieht. Solche Auftritte von mir häufen sich im nächsten Jahr. Drei Projekte habe ich, in denen ich den Unsympath spiele.

teleschau: Gehört die erneute Zusammenarbeit mit Wolfgang Becker acht Jahre nach "Good-Bye, Lenin!" dazu?

Brühl: Ja. Wir drehen wieder miteinander. Wolfgang Becker bringt den Roman "Ich und Kaminski" von Daniel Kehlmann auf die Leinwand, ich spiele die Hauptrolle.

teleschau: Das ist doch auch ein Hochstapler im weitesten Sinn.

Brühl: Ich sag doch, die liegen mir.

Claudia Nitsche


David Kern (Daniel Brühl) hat es in "Lila Lila" satt, für Frauen unsichtbar zu sein. Er geht unter die Hochstapler. Das wiederum findet Daniel Brühl durchaus sympathisch.
David Kern (Daniel Brühl) hat es in "Lila Lila" satt, für Frauen unsichtbar zu sein. Er geht unter die Hochstapler. Das wiederum findet Daniel Brühl durchaus sympathisch. (Falcom)

Daniel Brühl in "Dinosaurier": "Da spiele ich einen Franjo-Pooth-Typ."
Daniel Brühl in "Dinosaurier": "Da spiele ich einen Franjo-Pooth-Typ." (2009 Constantin Film Verleih GmbH)

Verstrickt sich in seinem Lügengebilde: David Kern, gespielt von Daniel Brühl, der was Lügen angeht, ebenfalls aus dem Vollen schöpfen kann.
Verstrickt sich in seinem Lügengebilde: David Kern, gespielt von Daniel Brühl, der was Lügen angeht, ebenfalls aus dem Vollen schöpfen kann. (Falcom)

Datum: 14.12.2009

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