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Charlotte Gainsbourg machte "IRM" mit Beck zusammen

Charlotte Gainsbourg IRM

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Mit ihrem Namen kann man sich's leisten: Für ihr letztes Album "5.55" verpflichtete Charlotte Gainsbourg keine Geringeren als Nigel Godrich (Produzent, Radiohead), Air (Songwriting), Neil Hannon (The Divine Comedy, Text) und Jarvis Cocker (Ex-Pulp, ebenfalls Text). Mit den beiden Letztgenannten also Großmeister des geschliffenen britischen Witzes, mit den Beteiligten insgesamt Könner in Sachen geschmackvoll-zeitloser Popmusik. Für "IRM" begab sie sich jetzt in die Hände eines einzelnen Mannes - in jene von Stil-Chameleon Beck. Was das Album durchgängig spannender macht als seinen Vorgänger, die Einzelergebnisse aber auch schwankender.

Dennoch: Sich für "IRM" auf die Talente des Herrn Hansen zu verlassen, war sicherlich die richtige Entscheidung der 38-jährigen Schauspielerin ("I'm Not There", "Antichrist"). Denn als eine Art erste Selbstbehauptung angesichts des musikalischen Erbes ihres Vaters Serge Gainsbourg funktionierte das letzte Album in seiner Geschmacks- und Stilsicherheit sehr gut. Um dem langen Schatten des großen Enfant terrible des französischen Pops zu entkommen, braucht es aber doch etwas mehr. Hier kommt Beck, aber auch Charlotte Gainsbourg selbst ins Spiel: An Musik und Texten für "IRM" arbeiteten beide in diversen Sessions gemeinsam.

So leiht die Sängerin den Songs eben nicht nur ihre unzweifelhafte schöne, verraucht-verruchte Chanson-Stimme, sondern lässt sich von Beck zu Experimenten antreiben. Die Vorabsingle "Heaven Can Wait" ist dabei noch recht konventioneller, beatlastiger Retro-Pop, wie man ihn aus dem Hause Hansen gewöhnt ist. Und Songs wie "In The End" oder "Time Of The Assassins" sind auch nicht mehr als netter und verspielter Folk-Pop. Beim Titeltrack etwa jedoch verwirrt das Duo mit laut schepperndem Schlagzeug, industriellen Störgeräuschen und Gainsbourgs seltsam losgelösten Sprech-Singsang, der gegen Ende des kurzen Songs vollkommen ins Ätherische abdriftet.

Ähnlich überraschend: "Trick Pony1" mit verzerrten Gitarren, ein rumpeliger Blues-Rock-Song. Am besten funktioniert das Zusammenspiel beider, die Gratwanderung zwischen Song und Experiment, aber in "Voyage", in dem afrikanische Trommel-Rhythmen und Percussioninstrumente auf einen fast schon klassischen Akustikgitarren-Chanson mit teilweise dick aufgetragenen Streichern treffen.

Insgesamt eine spannende, weil spannungsgeladene Platte, deren Ergebnisse aber eben erneut auf die/den Beteiligten zurückzuführen sind. Bis Charlotte Gainsbourg als Musikerin ähnlich begeistert wie als Schauspielerin - oder gar ihr Vater - sind noch einige Entwicklungsschritte notwendig. Aber ein großer ist mit "IRM" sicher schon getan.

Stefan Weber


Datum: 15.12.2009

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