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Alicia Keys macht auf "Element Of Freedom" Pop statt Soul

Alicia Keys The Element Of Freedom

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Natürlich ist von der Intimität alter Tage nicht mehr viel übrig geblieben. Die Klavierläufe, die Songs wie "Falling" ausmachten und deren Verhaftung im Soul der 70er-Jahre, all das ist eigentlich schon seit dem letzten Studioalbum "As I Am" passé. Und "The Element Of Freedom" geht, was den Aufwand in Sachen Produktionsarbeit betrifft, noch einen Schritt weiter. Wie so oft kann man diesen Paradigmenwechsel zweifach lesen: Einmal ist die Öffnung zum Pop eine Erhöhung der eigenen Allgemeingültigkeit und eine Emanzipation aus dem so oft als rein schwarze Musikrichtung wahrgenommenen Soul. Andererseits verwischt die Glätte die Konturen, die gute Stücke nun einmal brauchen, manchmal doch sehr auf Alicia Keys' viertem Album.

"The Element Of Freedom" als eine der üblichen Materialschlachten der modernen Popmusik zu betrachten, würde aber zu kurz greifen - weil der Entscheidungsehrgeiz Alicia Keys' immer einer größere Rolle zu spielen scheint als irgendwelche Kalkulationen der Marktforschungsabteilung ihrer großen Plattenfirma. Genau ein Feature gibt es auf dem Album - und das passt zahnradgenau: Beyoncé singt bei "Put It In A Love Song", eine verblüffend keck produzierte R'n'B-Hymne, in der die Harmonie durch einen stringenten Percussion-Beat vor dem Abdriften in den Kitsch gerettet wird. Deren Ehemann Jay-Z dagegen blieb entgegen entsprechender Spekulationen zu Hause: "Empire State Of Mind", die große Zusammenarbeit auf dessen letztem Studioalbum "The Blueprint III", findet sich auf "The Element Of Freedom" zwar in einer neuen Version, aber ohne den Rapper.

Repräsentativ sind beide Songs nicht. Das Markenzeichen des Albums ist ein anderes, eines, das schon im Video zur ersten Single "Doesn't Mean Anything" hinreichend durchdekliniert wurde: Pop als Teppich, der mit einem gewissen Aufwand inszeniert sein muss. "Try Sleeping With A Broken Heart" etwa beginnt mit einem Geräusch, das auch als Hubschrauber durchgehen könnte, wird dann aber zu einer wirklich extrem breit angelegten Radiohymne, die das Absterben der eigenen Gefühligkeit thematisiert, aber mit seinen Arrangements alle Inhalte an den Rand drängt. "Love My Disease" funktioniert, was den Inhalt angeht, ähnlich, verlässt aber gerade rechtzeitig die Celine-Dion-Gefahrenzone und läuft als dicker, präzise inszenierter Soulsong mit Gospelnote.

Und intim wird's selten. Selbst die Songs, die auf einem Klavierlauf aufbauen, etwa "Like The Sea", sind reich ausgestattet. Und manchmal, vor allem im wirklich schrecklich Richtung Radio schielenden "Distance And Time", hat man eben den Eindruck, dass die Produzenten hier noch einmal mit ihrem Politurtuch drübergegangen sind. Aber es ist eben Popmusik in der Variante, die auch als Trailermusik in "Nur die Liebe zählt" funktionieren würde. Auch die muss irgendwoher kommen.

Alicia Keys auf Deutschland-Tournee

09.05.2010, Frankfurt, Festhalle

12.05.2010, Hamburg, Color Line Arena

13.05.2010, Oberhausen, König-Pilsener-Arena

Jochen Overbeck


Datum: 15.12.2009

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