"An ihrer Seite" bleibt er auch nach der Diagnose Alzheimer
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An ihrer Seite
Fiona (Julie Christie) und Grant (Gordon Pinsent) sind seit 44 Jahren verheiratet. Sie sind glücklich, ihr Umgang miteinander ist geprägt von Humor und Zärtlichkeit. Dann häufen sich die Anzeichen, dass mit Fiona etwas nicht stimmt: Immer öfter vergisst sie Dinge und Worte, die Erinnerungen verblassen, frisch abgewaschenes Geschirr landet schon mal im Kühlschrank statt im Regal. Ein Test ergibt: Alzheimer. Mit ihrem wunderbaren Regiedebüt "An ihrer Seite" (2006) erzählt Schauspielerin Sarah Polley ("Mein Leben ohne Worte") gefühlvoll, aber unsentimental davon, wie sich das Leben nach dieser Diagnose verändert. Bei der Berlinale und beim Sundance Festival ein Hit, war dem einfühlsamen Drama im Kino wenig Erfolg beschieden. Das Erste versteckt nun die Erstausstrahlung im Nachtprogramm.
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Als es nicht mehr geht, beschließt Fiona, sich selbst in das Pflegeheim Meadowlake einzuweisen. Für Grant bricht eine Welt zusammen. Zumal eine Regel des Heims besagt, dass die Patienten in den ersten 30 Tagen ihres Aufenthalts keinen Besuch empfangen dürfen - um sich schneller einzugewöhnen. Es ist das erste Mal in ihrer Ehe, dass sie so lange voneinander getrennt sind. Als Grant nach einem quälend langen Monat wieder nach Meadowlake kommt, ist alles anders. Fiona erkennt ihn nicht mehr und kümmert sich stattdessen rührend um Aubrey (Michael Murphy), einen anderen Heimbewohner.
In den Händen eines anderen Regisseurs hätte dieser Stoff leicht zu einem verkitschten schmalzigen Film werden können. Die preisgekrönte Sarah Polley, die ihre Karriere als Schauspielerin ("Mein Leben ohne mich", "Das geheime Leben der Worte") begann, inszenierte die Geschichte über eine Ehe und die Erinnerung als warmherziges Drama mit intelligenten Dialogen und feinsinniger Ironie: leise, poetisch und wunderschön fotografiert.
Basierend auf der Kurzgeschichte "Der Bär kletterte über den Berg" (von Alice Munro) steht dabei die Liebe mit ihren vielen Facetten im Mittelpunkt. Vor allem am Lebensabend gewinnt die Erinnerung eine zentrale Bedeutung, denn viel mehr bleibt uns nicht. Alzheimer-Patienten verlieren somit (fast) alles, das zählt.
Johann Ritter
Fiona (Julie Christie) und Grant (Gordon Pinsent) sind seit 44 Jahren verheiratet, als eine niederschmetternde Diagnose ihr Leben verändert. (ARD / Degeto)
Diagnose Alzheimer: Fiona (Julie Christie) und Grant (Gordon Pinsent) haben schwere Zeiten zu durchleben. (ARD / Degeto)
Auch nach 44 Ehejahren bestimmen Humor und Zärtlichkeiten den Alltag von Grant (Gordon Pinsent) und Fiona (Julie Christie). (ARD / Degeto)
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