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"Tage oder Stunden" wäre super ohne sein kitschiges Finale

Tage oder Stunden

Ein sozialer Amoklauf dient einem Mittvierziger in "Tage oder Stunden" als Abschiedstour durch sein bisheriges Wohlstandsleben.

(cg/tsch) Midlife Crisis: Da fangen Männer an, sich die Haare zu färben, peinliche Klamotten zu tragen oder ihre Frauen zu betrügen. Doch Antoine (Albert Dupontel) reicht das nicht. Alles muss weg, denkt er sich. Arbeit, Familie, Freunde, einfach alles. Er begeht eine Art geistigen und sozialen Selbstmord. Er will keinen Neuanfang, eigentlich weiß er gar nicht so genau, was er will. Aber er kann nicht mehr sein altes Leben leben. Regisseur Jean Becker („Ein mörderischer Sommer“) inszeniert in „Tage oder Stunden“ die Midlife-Crisis eines Mannes sehr geistreich und originell. Doch das ist leider nur in der ersten Hälfte des Dramas genießbar, denn das Finale, in dem der Film mündet, ist ziemlich kitschig und ganz und gar nicht nachvollziehbar. Schade.

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Mal ehrlich: Aufrichtigkeit ist in vielen Situationen des Alltags nicht das angebrachte Mittel. In einer Besprechung zu sagen, wie sehr der Job langweilt, ohne Rücksicht mit allen Konventionen zu brechen und das Lächerliche auch dem Lächerlichen preisgeben - das klingt nach schwerer Midlife-Crisis. Und "Tage oder Stunden" (2008) ist in der Tat zunächst ein Film, der einen Mann bei seinem bedingungslosen Ausstieg aus seinem Bilderbuchleben begleitet. Regisseur Jean Becker inszenierte diesen sozialen Amoklauf, der nun auf DVD erscheint, nach einem leider etwas verwirrenden Drehbuch.

In den ersten Minuten zerstört Antoine (Albert Dupontel) mutwillig und berechnend seine heile Welt: erfolgreich im Job, eine wohlbehütete Familie, materielle Sicherheit - all das langweilt ihn. Dieser erste Akt ist wundervoll, ein mit leichtem, satirischem Strich gezeichneter Ausbruchsversuch aus dem Konventionsknast, den sich nicht einmal Antoines wunderschöne Frau Cécile (Marie-Josée Croze) erklären kann.

Zumal Jean Becker mit immer neuen falschen Fährten für Verwirrung sorgt, die allzu schnell ermüdend wirkt. Irgendwann ist Antoine einfach weg, aufgebrochen nach Irland, um einen belastenden Vater-Sohn-Konflikt zu lösen. Die Drehbuchlogik wird spätestens hier aufgegeben. Klar, alles muss raus, alles, was nervt, alles was belastet. Aber es ist ein kalkuliert-melancholisches, absurdes und schwer nachzuvollziehendes Finale, auf das Jean Becker zusteuert.

In einem 21-minütigen Making Of wird ein Blick hinter die Kulissen gewährt - ein ganz netter Zusammenschnitt kleiner Versatzstücke. Da es sich aber um das einzige Extra handelt, reicht es nicht für eine zufriedenstellende Ergänzung zum Film. Sowohl die Bild- als auch die Tonqualität sind dem dialogorientierten Drama angemessen. Die Farben sind äußerst realitätsnah gehalten, ein wenig mehr Brillanz hätte ihnen aber gut getan. Hin und wieder kommt es zu leichten Unschärfen, und die Umrisse verschwimmen etwas. Der Sound weist viele Details auf und klingt sehr klar, aber leider spielt er sich nur in den Frontboxen ab.

Vera Seeberg

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1 / 2.0), Französisch (5.1 / 2.0)
untertitel Deutsch
extras Making Of
laufzeit 81 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 18 Euro
bewertung bild befriedigend
bewertung ton befriedigend
bewertung extras ausreichend

Credits:
(F 2008, R: Jean Becker, D: Albert Dupontel, Marie-Josée Croze, Pierre Vancek u.a.)


Freunde beschimpfen, Kunden verprellen, die Familie beleidigen: "Tage oder Stunden" ist zumindest in der ersten Hälfte eine gelungene Abrechnung mit gesellschaftlichen Konventionen, die aber in ein klebriges Finale führt.
Freunde beschimpfen, Kunden verprellen, die Familie beleidigen: "Tage oder Stunden" ist zumindest in der ersten Hälfte eine gelungene Abrechnung mit gesellschaftlichen Konventionen, die aber in ein klebriges Finale führt. (Arsenal)

Mann hinter Glas: Antoine (Albert Dupontel) fühlt sich von seinem bisherigen Leben verarscht.
Mann hinter Glas: Antoine (Albert Dupontel) fühlt sich von seinem bisherigen Leben verarscht. (Arsenal)

Antoine (Albert Dupontel) und Cécile (Marie-Josée Croze) führen eine traumhafte Ehe - bis der Gatte keine Lust mehr hat.
Antoine (Albert Dupontel) und Cécile (Marie-Josée Croze) führen eine traumhafte Ehe - bis der Gatte keine Lust mehr hat. (Arsenal)

Datum: 27.12.2009

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