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Plädoyer für Menschlichkeit: "Ein Sommer in New York"

Ein Sommer in New York - The Visitor

(cg/tsch) Schon in seiner Drama-Komödie „Station Agent“ (2003) begeisterte Thomas McCarthy einige mit seinem Mut zur Sentimentalität. Es war ein warmherziger Film, der mit viel Sinn für Zwischenmenschliches ein warmes Gefühl im Zuschauer zu erwecken wusste. Sein neuer Film „Ein Sommer in New York“ (Originaltitel: „The Visitor“) setzt auf dieselbe Zutatenmischung und schafft damit den Spagat zwischen Politdrama und Unterhaltung. Doch ein wenig nervt die Stilisierung der Helden: Allesamt sind sie solche Gutmenschen, die man sie sonst nur aus Märchen kennt. Doch zum Glück endet die etwas sentimentale Geschichte nicht in einem zuckersüßen Happy End, wie man zuweilen befürchtet, was „Ein Sommer in New York“ zu einem gut beobachteten, angenehmen und sehenswerten kleinen Drama macht.

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Richard Jenkins wurde für diese Rolle nicht umsonst für den Oscar nominiert. Er ist gut. Mit wenigen Handgriffen und minimalster Mimik macht er seinen Charakter beinahe durchsichtig fürs Publikum. In seinem altmodischen Anzug steht er am Fenster, trinkt Rotwein, setzt sich ans Piano und spielt ein paar Melodien. Doch Spaß macht dem Uniprofessor Walter Vale (Jenkins) sein Leben nicht. Er ist Witwer und hat einen festen Stand im Beruf; es fällt nicht wirklich auf, wenn er nichts tut.

In seinem Zweitwohnsitz in New York überrascht er ein junges Paar in seinem Appartment. Tarek (Haaz Sleiman) und seine Freundin aus dem Senegal, Zainab (Danai Jekesai Gurira) waren auf einen Schwindler hereingefallen, der ihnen die Räume vermietet hatte. In einem Anfall von Nächstenliebe lässt der einsame Mann das betretene Pärchen ein paar Tage bei sich wohnen.

Mit wirklich geringer Geschwindigkeit nähert man sich an. Zainab ist besonders zurückhaltend, Tarek spürt das Interesse des älteren Herren an seinen Trommeln. In der Tat wünscht sich Walter, endlich einmal wieder Leben in sich zu spüren. Völlig überraschend wird der durch und durch liebenswürdige Tarek von der Polizei festgenommen und soll abgeschoben werden. Walter erlebt einen Kampf David gegen Goliath, er gegen die USA, und man fürchtet, dass es nun bald ein Happy End geben wird. Doch McCarthy erzählt nur von Begegnungen, von der Erinnerung dieses traurigen Witwers, der den Tag nicht vergessen wird, als er auf einer kleinen Mauer saß und die Beine baumeln ließ, der Rhythmusgefühl entwickelte und trommeln lernte. Nachdem Tarek festgenommen wurde, lernt Walter seine Mutter (Hiam Abbas) kennen, die ihm gleichermaßen zu einem wertvollen Menschen wird.

Einwenden könnte man, dass die Charaktere fehlerfrei sind. Insbesondere der Araber Tarek hat außer seiner Unpünktlichkeit keine negative Eigenschaft. Gleiches trifft auf seine Mutter und Freundin zu. Die beiden lieben sich ohne jeden Zweifel. Wer Probleme verhandelt haben will, wird in diesem Drama nicht glücklich.

Thomas McCarthy nimmt sich Zeit fürs Zwischenmenschliche, er will Mut machen, einen Schritt nach draußen zu gehen. Im letzten Drittel ähnelt sein bedächtiges, aber auch anklagendes Werk dem letztjährigen Berlinale-Beitrag "London River", bei dem ein Vater und eine Mutter in London auf der Suche nach ihren Kindern waren, voller Angst, dass sie bei den Terroranschlägen ums Leben gekommen sein könnten.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Pandastorm, USA 2007, R: Thomas McCarthy, D: Richard Jenkins, Haaz Sleiman, Hiam Abbass u.a.

Laufzeit: 108 Min.

Kinostart:
14. Januar 2010


"Ein Sommer in New York" ist ein tiefmenschliches Drama vom "Station Agent"-Regisseur über multikulturelle Freundschaften.
"Ein Sommer in New York" ist ein tiefmenschliches Drama vom "Station Agent"-Regisseur über multikulturelle Freundschaften. (Pandastorm Pictures / Visitor Holdings LLC.)

Endlich interessiert Walter (Richard Jenkins) mal wieder etwas. Sein neuer Untermieter (Haaz Sleiman) bringt das Trommeln bei.
Endlich interessiert Walter (Richard Jenkins) mal wieder etwas. Sein neuer Untermieter (Haaz Sleiman) bringt das Trommeln bei. (Pandastorm Pictures / Visitor Holdings LLC.)

Walter (Richard Jenkins) genießt es, endlich wieder für andere da sein zu wollen. Er versucht, seinen illegalen Untermietern zu helfen.
Walter (Richard Jenkins) genießt es, endlich wieder für andere da sein zu wollen. Er versucht, seinen illegalen Untermietern zu helfen. (Pandastorm Pictures / Visitor Holdings LLC.)

Datum: 10.01.2010

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