Matthias Schweighöfer, in "Friendship!" zu sehen
Freundschaft ist mehr als ein WortSchauspieler Matthias Schweighöfer Ein wahrer Schweighöfer-Winter. Der 28-jährige Schauspieler beehrt die Kinogänger seit Dezember an der Seite von Til Schweiger in "Zweiohrküken", außerdem spielt er die Hauptrolle in "12 Meter ohne Kopf". Und nun bildet er mit Friedrich Mücke die perfekte Symbiose in "Friendship!" (Kinostart: 14.01.), einem Roadmovie über zwei Ossis auf ihrem Weg nach San Francisco, ganz ohne Englischkenntnisse. Freundschaft steht auf Matthias Schweighöfers Lebensliste auch ganz weit oben, abgesehen von der schönen Greta, an die er im vergangenen Jahr sein Herz verloren hat. Wohl für immer. Anzeige teleschau: "Friendship!" ist sehr lustig, doch im Grunde hat das Drehbuch viele kitschige Momente. Matthias Schweighöfer: Pathos finde ich etwas Gutes, vor allen Dingen, wenn es um Amerika geht. Das Land steht ja dafür. Ich finde es wichtig, dass "Friendship!" kitschig ist, und wenn wir diese Momente ab und zu brechen ... das ist doch bestens. teleschau: "Wir" steht für Friedrich Mücke und Sie, zwei Freunde, die nach der Maueröffnung mit fehlendem Englisch und dem Begrüßungsgeld nach New York fliegen und anschließend nach San Francisco trampen. Schweighöfer: Ja, Fiete, also Friedrich, und ich waren ein perfektes Team. Wenn der Motor bei uns an war ... teleschau: ... hat man gespürt, was Menschen meinen, wenn sie von "Chemie, die einfach stimmt" sprechen. Schweighöfer: Genau. Das ist unglaublich, oder? Dabei haben wir uns erst am Set kennengelernt. Ich war schon beim Drehen so dankbar, denn noch nie stand ich mit einem Kollegen vor der Kamera, mit dem das Timing so gut funktionierte und der das gleiche Humorverständnis hat. teleschau: Der Name der Komödie scheint Programm: Einerseits entdeckten Sie Friedrich Mücke als neuen Freund, zum anderen steuern Silbermond den Titelsong bei, für die Sie bereits im Musikvideo aufgetreten sind. Was gibt es da für Synergien? Schweighöfer: Die Musiker von Silbermond kenne ich schon sehr lange, wir kommen aus der gleichen Ecke im Osten. Mit Andreas, dem Schlagzeuger, bin ich nicht nur befreundet, er ist auch der Patenonkel meiner Tochter. teleschau: Freundschaften stehen oft sehr weit hinten an, wenn man so frisch eine eigene Familie hat. Schweighöfer: Bei mir nicht. Ich arbeite mit all meinen Freunden zusammen, das ist ein klarer Vorteil, denn dadurch trifft man sich zwangsläufig, das ist gut, selbst wenn man dabei mal arbeitet. Aber ich bin auch froh, dass der Weg zu uns raus die anderen nicht abschreckt. Wir haben jetzt ein Häuschen draußen vor den Toren von Berlin, ein altes Bauernhaus für die Kleine - und immer eine offene Tür. teleschau: Von der auch Gebrauch gemacht wird? Schweighöfer: Ja, meine Freunde sind alle geblieben, das hat sich nicht verändert in den Monaten, seit Greta auf der Welt ist. Diese Menschen stehen für mich aber auch über allem. Ich merke, je besser ich mein Leben handeln kann, desto entspannter läuft alles. Wobei unsere Tochter echt nett ist, sie schläft lange und gut, was heißt, dass sie ab 18 Uhr im Bett ist, und dann hat man Zeit. Außerdem hält unsere Nanny einem den Rücken frei. teleschau: Die meisten Freundschaften stammen bei Ihnen weniger aus Kindertagen, sie entstanden erst in Ihrer Wahlheimat Berlin, oder? Schweighöfer: Das stimmt, macht aber nichts. Ich bin nach der Schule nach Berlin gegangen, weil mein Vater hier gelebt hat. Ich fand das immer spannend. Das war für mich auch schon vorher mehr Heimat als Chemnitz. teleschau: Wie macht sich Ihr Vater, der Schauspieler Michael Schweighöfer, denn so als Opa? Schweighöfer: Mein Vater ist keiner, der in mein Leben eingreift. Der hält sich raus und sagt: "Das machst du schon." Er ist so ein Bär, einer der verschlossen ist. Er macht jetzt auf, ist sehr niedlich mit der Kleinen, spielt viel mit ihr, wenngleich er immer zu laut ist für sie. teleschau: Und die Mutter? Schweighöfer: Die weiß es natürlich immer besser (grinst): Ich erzieh mal das Kind von meinem Sohn ... teleschau: Neben dem Kind, den Freunden, der Familie und den drei Filmen traten Sie 2009 mit German Garment an die Öffentlichkeit, dem Modelabel, das Sie mit drei anderen gründeten ... Schweighöfer: Es ist ein Versuch. Wir wollen ein T-Shirtlabel auf die Beine stellen, und damit in Deutschland eventuell ein paar Jobs schaffen, weil wir hier produzieren. Das ist unsere Idee. teleschau: Auch als Schauspieler möchten Sie autarker und selbstbestimmter arbeiten. Schweighöfer: Es ist eine andere Sache, wenn man selbst bestimmen kann, wo der Zug hinfährt. Ich steig nicht mehr auf und spring wieder ab. Ich möchte meinen Wirkungskreis erweitern, in den Schnitt gehen, Stoffe mitentwickeln, überlegen, wer dazu passt. Auch entscheiden, ob man über eine Szene ein Cello legt oder doch lieber elektronische Musik. teleschau: Da kommen dann auch wieder Silbermond ins Spiel. Schweighöfer: Zum Beispiel. Sie haben mich schon bei Filmen unterstützt und stehen mir bei meinen neuen, eigenen Projekten zur Seite. teleschau: Mögen Sie deren Musik auch privat? Schweighöfer: Sagen wir so: Es gibt Lieder von Silbermond, die ich mag und manche mag ich nicht. Aber vor allem haben mich einige ihrer Songs in meinem Leben begleitet. Ich kenne diese Menschen, finde sie gut und mag, wie sie an ihre Sache herangehen. teleschau: Es gibt ein eigenes Drehbuch von Ihnen. Wissen Sie, wann Sie es verwirklichen können? Schweighöfer: Sobald die Finanzierung steht und das Buch wirklich fertig ist, hoffe ich, dass es losgeht. Ich habe das Skript mit einem Co-Autor geschrieben und werde auch die Regie nicht alleine machen. teleschau: Spielen Sie die Hauptrolle? Schweighöfer: Ja, das schon. Es ist ein Experiment. Ich habe da totale Lust drauf, und ich finde, es wird auch langsam Zeit, was selber auf die Beine zu stellen. Claudia Nitsche |
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