Vampire Weekend Contra
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Es ist wahrscheinlich der einzig mögliche Schritt nach einem von der Kritik gefeierten Debüt, einem Album, das 2008 den größtmöglichen Indie-Pop-Konsens darstellte: Vampire Weekend geben "Contra". Denn das New Yorker Quartett setzt alles daran, sein Image als nerdig-nette Collegerock-Jungs mit Afrobeat-Spleen und Paul Simons "Graceland" im Plattenschrank loszuwerden. Und schafft nicht nur dies mit erstaunlicher Leichtigkeit, sondern mit "Contra" auch ein gleichermaßen kompaktes wie ausuferndes, ein allgemeingültiges und dennoch den Zeitgeist auf den Punkt bringendes Pop-Meisterwerk.Eine kompakte Spieldauer von knapp über 35 Minuten, zehn Songs, in denen Vampire Weekend scheinbar einmal um die halbe Welt reisen und dennoch bei sich selbst ankommen - das sind nur die rein äußerlichen Qualitäten dieses Albums. Denn die Band bleibt eben nicht stehen, rettet nur die wichtigsten inneren Werte ihres selbstbetitelten Debüts herüber: Ein Rhythmusgefühl, das nicht auf den geraden Schlagzahlen westlicher Musik basiert. Die schier nicht zu bändigende Euphorie und Leichtigkeit, die zu einem Gutteil auf Ezra Koenigs knabenhaft-heller und herzerwärmend-fröhlicher Stimme beruht. Und nicht zuletzt ihr Händchen für clevere, dennoch höchst eingängige Popmelodien. Die - so zeigt sich auf "Contra" - in jeglicher musikalischer Form ihre wunderbare Gestalt annehmen können. Gleich der Opener "Horchata" überrascht mit lateinamerikanischen (Percussion-)Instrumenten wie Marimba, Rebolo und Shekere und filigranen Streichern - auf die beim Debüt noch tonangebenden Indie-Pop-Gitarren wartet man vergebens. An ihrer Stelle erklingt - wie an vielen Stellen des Albums auch - eine wahre Armada von Keyboards, Samplern und Synthesizern, die aber zu keinem Zeitpunkt an 80er-Jahre-Pop-Peinlichkeiten erinnern. So zaubern Vampire Weekend bei "White Sky" ein unbeschwertes Afrobeat-Stück, bei "Diplomat's Son" nutzt die Band ein Sample von Global-Dancepop-Queen M.I.A., um einen herrlich verschleppten Baile-Funk-Track entstehen zu lassen. Und wenn dann doch Gitarren auftauchen, dann auch nur, um sie wie bei "Cousins" mit höchster Geschwindigkeit durch einen Ska-Rhythmus zu jagen. Wie auch immer man es dreht und wendet: Netter Indie-Pop war gestern. Denn Vampire Weekend schaffen mit "Contra" womöglich das erste Popalbum, das westliche Melodien und globale Dance-Rhythmen nicht nur meisterhaft (wie es etwa The Very Best und bereits erwähnte M.I.A. schon getan haben), sondern auch massenkompatibel zusammendenkt. Und dass ihr Zweitling zudem noch am Anfang eines neuen Jahrzehnts steht, darf Hoffnung machen. Auf mehr Popmusik, die die positiven Seiten der Globalisierung auch musikalisch nachvollzieht. Vampire Weekend auf Deutschland-Tournee 19.02., Berlin, Astra 20.02., Köln, Gloria 21.02., Hamburg, Uebel & Gefährlich
Stefan Weber
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Wertung 
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