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"Wenn Liebe so einfach wäre", gäbe es diesen Film nicht

Wenn Liebe so einfach wäre

(mb/tsch) Man findet einander, man verliert einander, dann findet man wieder einander: Nach diesem Schema bewegt sich nahezu jede romantische Komödie aus der Traumfabrik. Und doch zeichnet dieses Genre jedes Mal Erfolge, die man nicht für möglich gehalten hätte angesichts der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Auch „Wenn Liebe so einfach wäre“ bewegt sich innerhalb des bekannten Rahmens. Was die Qualität dieser Liebesromanze ausmacht, ist jedoch die Tatsache, dass wir es hier mit zwei Darstellern zu tun haben, die nicht für dieses Genre abonniert sind: Meryl Streep und Alec Baldwin. Die beiden verleihen dem Film, der sich mit dem Gefühlschaos jenseits der 50 auseinandersetzt, eine Authentizität, die man in den meisten gefühlsduseligen Romanzen vergeblich sucht. Und doch geht das Ganze nicht über gute Unterhaltung hinaus.

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Schon als Meyers in "Was das Herz begehrt" Jack Nicholson als Rentner-Gigolo auf Diane Keaton treffen ließ, begeisterte sie damit eine Zuschauergeneration, die im Kino ob all der Jungspunde schon lange keine altersgerechten Identifikationssymbole mehr gefunden hatte. Mit ihrer neuen gefühlsduseligen Erzählung aus eigener Feder, die im englischen Original den Titel "It's Complicated" trägt, lädt sie einmal mehr dazu ein, einen Blick hinter vermeintlich zerrüttete Paarbeziehungen im fortgeschrittenen Alter zu werfen.

Und tatsächlich ist einiges kompliziert an dieser Romanze, die sich dem gängigen Schema des Findens, Verlierens und Wiederfindens verweigert. Auf erfrischend bodenständige Weise wird das zweite Liebesglück zweier voneinander geschiedener Eheleute portraitiert. Auch hier treffen erneut zwei Granden Hollywoods aufeinander: Meryl Streep und Alec Baldwin - ein ungewöhnliches, aber überraschend stimmiges Traumpaar.

Erzählt wird die Geschichte von Jane (Streep) und Jake (Baldwin), die es zu Wohlstand und drei gemeinsamen Kindern brachten, doch nach 19 Jahren Ehe entschieden, besser getrennte Wege zu gehen. Er, der schneidige Anwalt, vermählte sich mit einer rassigen Schönheit in den Zwanzigern. Sie, begabte Köchin, treusorgende Mutter und manchmal etwas pedantische Gewohnheitsfrau, versucht, ein neues eigenes Zuhause auf dem Land mit großem Gemüsegarten und noch größerer Küche aufzubauen. Obwohl sie seit zehn Jahren voneinander geschieden sind, stieben unerwartet die Funken, als sich beide bei der Studienabschlussfeier ihres Sohnes in der schillernden Barwelt von New York näherkommen und im gemeinsamen Hotelbett landen. Fortan entspinnt sich ein emotionales Verwirrspiel.

Nancy Meyers geht es offenkundig um das Problem der Vorbelastung, von der wiederentfachte Liebe befallen wird, wenn sie in späteren Lebensjahren Knospen schlägt. Die bravourös spielende Meryl Streep macht das spürbar. Sie will sich bedingungslos fallen lassen, doch der Verstand funkt dazwischen. Was in jungen Jahren so einfach schien, wird nur schwierig.

Denn da ist ja noch der selbst frisch geschiedene Architekt Adam (ungewöhnlich introvertiert: Steve Martin), der versucht, zarte Bande zu seiner Auftraggeberin zu knüpfen, indem er besonders engagiert den Anbau ihres Landhauses plant. Die Komplikationen sind in diesem Szenario also offensichtlich und in erster Linie psychologischer Natur. Aber auch ein Psychiater kann da nicht weiterhelfen.

Die 60-jährige Streep und der erst 51-jährige Baldwin (der jedoch einen 58-Jährigen spielt) leben in ihren Rollen förmlich auf, verleihen ihnen sprühende Selbstironie und sympathische Bodenständigkeit. Während er in der spontanen Affäre mit seiner Ex-Frau eine glückliche Fügung erkennt, will sie ihn auf Abstand halten, ohne ihm jedoch widerstehen zu können. Für ihn wird das lustvolle Aufeinandertreffen zur Augen öffnenden Erfahrung: Plötzlich fühlt er sich in seiner Beziehung zu seiner deutlich jüngeren Frau als wandelndes Klischee. Sie dagegen schwankt zunehmend bei der Entscheidung, ob sie die Spätblüte ihrer Beziehung nun gut oder schlecht finden soll. Nicht zuletzt sind da ja auch noch die Hoffnungen ihrer erwachsenen Kinder, die nur zufällig von der Liaison ihrer Eltern erfahren und insgeheim eine späte Familienzusammenführung ersehnen.

Drehbuch-Aussetzer wie eine deplatzierte Haschischrausch-Eskapade nimmt man der Regisseurin nicht übel. Denn Nancy Meyers hat den Mut, Fragen am Ende unbeantwortet zu lassen. Für die Liebe, so wird klar, gibt es in keinem Alter einen Garantieschein. Eine romantische Komödie, die auch authentisch ist - das gibt es selten genug.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2009, R: Nancy Meyers, D: Meryl Streep, Alec Baldwin, Steve Martin u.a.

Laufzeit: 120 Min.

Kinostart:
21. Januar 2010


Eine erfrischende Romanze für die reifere Zuschauerschaft: "Wenn Liebe so einfach wäre" glänzt mit bravourösen Darstellern.
Eine erfrischende Romanze für die reifere Zuschauerschaft: "Wenn Liebe so einfach wäre" glänzt mit bravourösen Darstellern. (2009 Universal Studios)

Showdown auf der Gartenschaukel: Jane (Meryl Streep) und Jake (Alec Baldwin) haben wieder zueinandergefunden - oder doch nicht?
Showdown auf der Gartenschaukel: Jane (Meryl Streep) und Jake (Alec Baldwin) haben wieder zueinandergefunden - oder doch nicht? (2009 Universal Studios)

Sie kocht so gut: Jane (Meryl Streep) lebt seit zehn Jahren in Scheidung. Da verliebt sie sich plötzlich wieder - in ihren hungrigen Ex-Mann.
Sie kocht so gut: Jane (Meryl Streep) lebt seit zehn Jahren in Scheidung. Da verliebt sie sich plötzlich wieder - in ihren hungrigen Ex-Mann. (2009 Universal Studios)

Datum: 17.01.2010

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