logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film "Surrogates": Spannende Story, zu oberflächlich erzählt
"Surrogates": Spannende Story, zu oberflächlich erzählt

Surrogates - Mein zweites Ich

(cg/tsch) Computer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ oder „Second Life“ bestechen durch die unbegrenzten Existenzmöglichkeiten, die sie dem Spieler bieten. Man kann alles machen, ohne Angst haben zu müssen, sich dabei zu verletzen, schmerzlich zu verlieben oder zu scheitern. Doch was passiert, wenn das als „Second Life“ konzipierte Leben zum Ersatz des echten wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Psychologen heute und warnen vor der Entfremdung und gar dem Weltverlust, die solche Spiele mit sich bringen. Das tut auch „Surrogates“, ein SciFi-Kriminalfilm, der eine Vision von der Welt entwirft, in der das Ersatzleben das „echte“ verdrängt hat. Eine interessante und teilweise echt spannende Geschichte, die jedoch viele Fragen unbeantwortet lässt und auch viel zu hastig erzählt wird. Angenehm ist hier vor allem, Bruce Willis zuzuschauen, der als einziger echter Mensch inmitten der künstlichen Welt wieder einmal sehr, sehr langsam stirbt.

Anzeige
Counter

 

"Surrogates" heißt so viel wie "Ersatzmittel". Der Film, der in einer nicht genau terminierten Zukunft spielt, geht von folgendem Szenario aus: Der Mensch kam irgendwann auf die Idee, dass er nicht mehr selbst arbeiten will, sondern stattdessen Roboter losschickt, die mittels Gehirnkontrolle durch die Welt gesteuert werden. Diese Maschinen sehen aus wie ihre Betreiber, nur eben perfekter. Ohne Falten, ohne erkennbare emotionale Regungen. Was zur Folge hat, dass es keine Kriminalität mehr gibt. Der Mensch indes liegt daheim auf einem Stuhl herum, hat ein Steuermodul auf dem Kopf und tut sonst nichts mehr. Draußen auf den Straßen "leben" nur noch die Maschinen.

Eine Idee, die filmisch gesehen einen gewissen Reiz hat, aber eben auch Fragen aufwirft. Wann und wie verliebt sich der Mensch, wie vermehrt er sich, warum wird er mangels Bewegung nicht schwach, fett und krank? Lohnen sich Überfälle auf Roboter wirklich nie? Und wie passt das alles hinein in eine Welt, die ja nicht an allen Orten gleichermaßen weit fortentwickelt ist? Fragen wie diese ließen sich viele stellen, keine davon wird beantwortet. "Surrogates" reduziert sich zunächst auf einen klassischen Kriminalfall.

Zwei Surrogates werden vor einer Disco ermordet. Einer davon ist das Alter Ego des Sohnes des Erfinders jener Technologie. Doch, und das schien bislang unmöglich: Nicht nur der Roboter "stirbt", auch dessen Betreiber liegt daheim in seinem Blut, was das FBI auf den Plan ruft. Genauer: die Surrogates der Beamten. Einer von ihnen ist Tom Greer, gespielt von Bruce Willis. Keiner seiner Filme besitze so viele Computertricks wie dieser, sagt Regisseur Jonathan Mostow, der immerhin auch "Terminator 3" drehte. Und früh wird klar, was er meint: Alle Surrogates wurden am Computer überarbeitet. Mit einem zweifellos faszierenden Ergebnis: Willis sieht aus wie Willis, aber eben geglättet, verjüngt. Und - nebenbei erwähnt - auch mit einer mehr als fragwürdigen Frisur. Zusammen mit seiner Kollegin Jennifer Peters (Radha Mitchell) nimmt er die Ermittlungen auf.

Trotz einiger gelungener Actionsequenzen wird "Surrogates" eher zum Kriminalfilm. Greer ermittelt zunächst beim Schöpfer der Roboter (James Cromwell), der offensichtlich eine ganze Horde von Pendants besitzt. Später aber auch bei einer Gruppe von Menschen, die in einer Art Getto lebt und deren Anführer (Ving Rhames) die Abkehr von der neuen Technik fordert. Klar, dass er verdächtig ist, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Irgendwann muss Greer notwendigerweise wieder selbst eingreifen, nachdem sein "Surrogate" ausgeschaltet wurde. Der echte Bruce Willis taucht auf, mit Bart und Falten. Für den Betrachter ein fast schön erlösender Moment.

Das zunehmende Interesse der Menschen an sogenannten Rollenspielen am PC habe ihn, sagt Autor Robert Venditti, auf die Idee zu dem Thema gebracht. Eine Leidenschaft, die - es gibt genügend Beispiele - tatsächlich zur Entfremdung von der normalen Welt führen kann. Dass sich eine ganze Zivilisation auf ein solches Modell einigen könnte, wie der Film vorgaukelt, ist dennoch schwer zu glauben. Dennoch ist "Surrogates" streckenweise faszinierendes Kino, sofern man Filme mag, die eine fiktive, nahe Zukunft konstruieren. Die das Rad der Gegenwart nur ein Stück weiterdrehen und eine neue Welt erschaffen. Immer wieder erinnert "Surrogates" an "I, Robot", an "Minority Report" oder auch an "Demolition Man", ohne dass es ihm gelänge, ein ähnlich stimmiges Szenario zu errichten. Was sich die Macher auch selbst zuzuschreiben haben.

Denn: So gerne man Filmen eine gewisse Komprimierung als Stärke auslegt, so sehr leidet dieser hier unter seiner Kürze. In gerade einmal gut 80 Minuten ist der Fall gelöst, ist das Leben in neue Bahnen gelenkt. Zu wenig, um in diese neue Welt ausreichend eintauchen zu können, zu wenig für die eigene Fantasie. Die Erzählung jagt allzu hastig voran, hin zur einzigen echten Überraschung des Films. Zu wenig Zeit bleibt für Momente, die die tatsächlichen Folgen des Szenarios offenbaren. Etwa die zwischenmenschliche Entfremdung, die hier nur am Beispiel der Ehe zwischen Tom und seiner Frau Maggie (Rosamund Pike) dargestellt wird. So ist "Surrogates" nicht mehr als eine zwar interessante, manchmal wirklich spannende, aber unzureichend ausformulierte Parabel, an deren Ende nurmehr die seit Jahrzehnten bekannte anarchistische Botschaft steht: Macht kaputt, was euch kaputt macht.

Kai-Oliver Derks

Credits:
V:Disney, USA 2009, R: Jonathan Mostow, D: Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike u.a.

Laufzeit: 88 Min.

Kinostart:
21. Januar 2010


"Surrogates - Mein zweites Ich" entwickelt ein Zukunftsszenario, bei dem sich der Mensch in der Öffentlichkeit durch Roboter vertreten
lässt.
"Surrogates - Mein zweites Ich" entwickelt ein Zukunftsszenario, bei dem sich der Mensch in der Öffentlichkeit durch Roboter vertreten lässt. (Touchstone Pictures)

Tom Greer (Bruce Willis) muss einen Mordanschlag aufklären. Genauer: Sein Alter Ego tut das, dem man eine zweifelhafte Frisur verpasst hat.
Tom Greer (Bruce Willis) muss einen Mordanschlag aufklären. Genauer: Sein Alter Ego tut das, dem man eine zweifelhafte Frisur verpasst hat. (Touchstone Pictures, Inc. / Stephen Vaughan)

Der echte Tom Greer (Bruce Willis) trifft auf seine ewig junge Frau (Rosamund Pike), die sich weiterhin durch ihr technisches Alter Ego vertreten lässt.
Der echte Tom Greer (Bruce Willis) trifft auf seine ewig junge Frau (Rosamund Pike), die sich weiterhin durch ihr technisches Alter Ego vertreten lässt. (Touchstone Pictures, Inc. / Stephen Vaughan)

Datum: 17.01.2010

Facebook aktivieren

Diskussion: ""Surrogates": Spannende Story, zu oberflächlich erzählt"

Um eine Diskussion zu ""Surrogates": Spannende Story, zu oberflächlich erzählt" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger
    Ein grüner Gnom mit fragwürdigen Grammatikkenntnissen und ein weißhaariger Hüne mit Hang zu schwarzen Klamotten stehen sich gegenüber und plaudern über alte Zeiten ... Klingt wie der Anfang eines skurrilen ...

    Krieg der Sterne - Special Edition
    Nurmehr Platz 20. Den Mythos "Star Wars" haben, zumindest, was das weltweite Einspielergebnis betrifft, längst andere überholt: "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Fluch der Karibik" ... - ja sogar ...

    Matrix
    Nur wenige Filme können von sich behaupten, nachhaltig etwas verändert oder Maßstäbe gesetzt zu haben. "Matrix" darf das. Den Gebrüdern Andy und Larry Wachowski gelang 1999 ein intelligenter Science-Fiction-Thriller, ...

    Star Wars: The Force Unleashed
    Als George Lucas ankündigte, dass er drei neue Episoden seines legendären SciFi-Märchens zu drehen gedenkt, war die Erwartung der Fans immens. Das war auch vielleicht der Grund dafür, dass man im Nachhinein ...

    Bruce Willis führt erstmals Regie
    Sylvester Stallone hat es getan, Robert De Niro auch und Mel Gibson sowieso. Nun wagt sich Actionstar Bruce Willis ("Stirb langsam 4.0") ins Regiefach. In seiner ersten Inszenierung "Three Stories About ...

    Die Rückkehr der Jedi-Ritter - Special Edition
    Eine unbeschreibliche Karriere: Mit dem Erfolg von "Jäger des verlorenen Schatzes" im Rücken war Harrison Ford Anfang der 80-er zum begehrtesten Schauspieler Amerikas avanciert und hatte daher freie Wahl. ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 8255 - task = view - option = com_content - limitstart= 0